AN MEINE SCHWARZEN KINDER – (1)

Meine Kinder,
Ihr seid mehr, weit mehr, als Ihr denkt.
Seid nicht entmutigt,
wenn Eure Gesellschaft hin und her schwenkt,
unsicher darüber,
was sie gemeinsam und einzeln von Euch hält,
und in welche Schublade
Euch zu stecken ihr am bequemsten gefällt.

Ihr seid meine Kinder -
Das ist mehr, als Ihr jetzt begreift.
Eure Wurzeln sind tiefer,
als jede Farbe, die über Euch streift.
Sie verankern Euch
in dem Anfang unserer Menschenwelt
und werden Euch halten,
egal was die Welt Euch in den Weg stellt.

Nicht leben ist wichtig,
sondern würdig leben und stolz sterben.
Leistet ewig Widerstand,
wenn versucht wird, Euch zu enterben
unseres höchsten Guts
und ältesten Guts als Menschheit:
Euer tiefes Selbstvertrauen,
Euer Geistes Wissen der eigenen Fähigkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GRUPPENURTEIL

Als er am Flughafen landete, ahnte er nicht,
daß er nicht alleine unterwegs gewesen war,
sondern das Ansehen seiner Herkunft mitschleppte
und die ganzen Vorurteile ihr gegenüber sogar.

Alle starrten ihn an, doch irgendwann verstand er,
daß keiner ihn als Einzelmensch wirklich sah.
Er verlor zweifach seine Anonymität. Umgekehrt
sichtbar und unsichtbar, verlor sich selbst beinah.

Wie die große weite Welt kleiner sein kann
als ein kleiner Heimatort, ist ein Rätsel,
das manch einen Weltwanderer oft verblüfft.
Vielen wird die Freiheit schließlich zur Fessel.

Gott urteilt Dich persönlich. Der Mensch selten -
sei das gerecht oder ungerecht, tiefsinnig oder seicht.
Es ist fast egal, was Du als Einzelner tust -
Wichtig ist nur, was Ihr als Community erreicht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HÖR AUF DEIN GEWISSEN

Es gibt ein anderes Wort für Rassismus,
es heißt Kulturrettung.
Es gibt für Fremdenhass eine schönere Bezeichnung,
sie lautet Heimatverteidigung.

Jedem seins hört sich doch besser an
als Diskriminierung oder Unterdrückung.
Unter uns sein wollen sagen wir jetzt,
also Gleichart, nicht mehr Ausgrenzung.

Doch die schönsten Begriffe sind trotzdem hässlich,
wenn sie ohne Liebe gelebt werden.
Die besten Bezeichnungen sind die schlimmsten,
wenn sie Herrschsucht und Hass verkleiden sollen.

Hör bitte auf Dein Gewissen in Deiner Jugend
und behalte lang diese flüchtige Erinnerung
der Brüderlichkeit wenn Du älter und kluger wirst
und erbst die verlockenden Vorteile der Führung.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

BEIM HÄUTEN DER GESCHICHTE

Ich sah viele helle Häute
und viele Graduierungen heller Haut
Abstand nehmen von schwarzer Haut
mit Stolz und Scheu und Abscheu.
Und sie taten mir fast Leid, aber nur fast,
denn ich kannte ihr Geheimnis alle -

Zieht man die Schichten ab,
eine nach der anderen,
findet man verborgen tief in ihrer Geschichte,
weit weit zurück,
Schwarze Haut.

Die Zukunft kann die Vergangenheit nicht ändern,
die Vergangenheit die Zukunft schon.
Kommendes kann Geschehenes nicht verdecken,
wird aber von ihm enthüllt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

AUSEINANDER

Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll,
denn ich bin bereits unterwegs;
Ein Pendel zwischen Dur und Moll,
jenseits fast jedes Landungsstegs

Von den Fremden trennt mich mein Äußeres:
Vier Merkmale wie vier Fahnen an vier Ecken.
Von den Meinen trennt mich mein Inneres -
nicht mal mein Schweigen kann es verstecken.

Unsere Art und Weise des Miteinanders
ist ein Füreinander gegen einander.
Frieden ist ein Verschieben des Kriegs auf Wannanders;
Unsere Expansion ineinander pendelt auseinander.

Und ich frage mich, wie lange noch
die Gedichte in Hoffnung sich wenden werden;
Wie tief hinein geht es ins Loch,
bis die Strophen für immer enden werden.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE GEGENWART DER FREMDSTEN ART

Der andere zu sein,
der andersartige,
ist die Mitte zu sein,
der stets gegenwärtige
Tonangebende.

Unsichtbarer Außenseiter wirst Du erst,
wenn Du akzeptiert und integriert wirst.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DENN IMMER GIBT ES ZWEI SEITEN

Schwarz und Weiß
und die Lügen
die dazwischen liegen
wie Türen –
Eine führt zur anderen

Öffnen
Durchschreiten
Schließen
Öffnen
Durchschreiten

Schließlich
bist Du auf der anderen Seite
und bist nun weiter weg
von der Wahrheit
als je zuvor.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

BEDROHT

Drohbriefe
Nimm Dich in Acht
Eichen werden nun jung abgeholzt
lange vor der Stunde ihrer Macht
Systeme werden früh gehackt,
die fremde Art noch ohne Profil und Tiefe
von Anfang an ängstlich überwacht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SCHWARZE FLAMME

Ich renne Dir hinter her
wie ein brennendes Rad –
Du rennst immer schneller
wie aus Angst vor dem brennenden Rad –
Ich kann nicht stoppen zu brennen
Du kannst nicht stoppen zu rennen
Und unser Paradox kann nicht stoppen
uns voneinander zu trennen –
Den Schwarzen Mensch und sein Uhuru,
das vor ihm zu fliehen scheint, wie sein Schatten.
Bleib stehen, Selbst, ruft sein innerer Guru:
Such Außen Nichts, was wir Innen stets hatten…
Denn je lauter Du mit der Welt schimpfst,
desto tauber wird die Welt…
Zünde lieber in Dir eine Flamme,
die die Welt erhellt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VIELFALT DER MENSCHHEIT

Wir sind so verschieden –
Fünf Hautfarben genügen nicht,
um Vielfalt zu wiedergeben.

Ein Regenbogen reicht nicht aus,
um unsere Lichter zu widerspiegeln,
wenn wir uns der Sonne öffnen.

Wir sind aus verschiedenen Empfindungen geboren,
aus unterschiedlichen Gedanken gekleidet
und verkörpern jeder ein einzigartiges Bewusstsein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung