MEINE ENTSCHEIDUNG

Ich stand allein in der Nacht
und, weil ich stand,
war es keine Nacht mehr

Ich lag mit vielen mitten am Tag
doch, weil ich lag,
war es Nacht und kein Tag mehr.

Und es war meine Entscheidung,
zu lieben oder zu hassen,
zu töten oder leben zu lassen,
zu identifizieren mit der gesamten Menschheit
oder nur mit ausgewählten Rassen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

LEISER HASS

Der Hass ist aufgeblüht
und riecht an unerwarteten Orten
– im unsichtbaren Herzen
manch einst geliebten
einst geschätzten Menschen
wird er unsicher gehortet
unruhig beobachtend, wartend
auf den rechtfertigenden Moment.

Der Hass ist aufgegangen
Das Herz steht schwarz und stillschweigend,
wahrnehmbar,
doch nicht mehr erreichbar.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ANDERS SEHEN

Farbe verwirrt die Menschen –
So tief sitzen die widersinnigen Vorurteile,
weitergegeben von Generation zu Generation

Anhand von Farbe sehen wir alles
nur das nicht, was der Mensch wirklich ist,
versteckt unter seiner Hautfarbe.

Stell Dir vor, Du siehst einen Menschen
Aber Du siehst nicht den Menschen,
sondern seine Wirkungsart formgeworden…

Was würdest Du sehen, wenn Du mich siehst?
Was würde ich sehen, wenn ich Dich erblicke?
Jede Wette: Ganz andere Farben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

STEHEN GEBLIEBEN

Ein Rassist
hat noch nicht
weiter gedacht

Denn wenn
er weiter denken würde,
würde er am anderen Ende der Angriffskette

sich selbst finden
stehen geblieben
noch nicht weitergedacht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

LIEBE GEGEN HASS

Ich liebe Dich auch
wenn Du mich hasst
weil Du etwas hast
was ich brauch.

Du hast die Fähigkeit mich
an mich zu erinnern fast
gefangen im Bedürfnispalast
überfordert unterm Strich.

Bevor Du mich anhauchst
mit Deinem Gift aus Hass
denk daran daß
Du mich auch brauchst.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MITMENSCHEN

Wir sind manchmal Geister
Wir sind da aber Ihr seht uns nicht
Ihr spürt nur ein leichtes Unbehagen
Wir sehen es auf Eurem Gesicht
Ihr stählt Euch gegen unsere Schatten
Als wäre das Eure Pflicht –
Wir materialisieren plötzlich
Doch aus dem Nichts nicht
Denn wir waren niemals aus Schatten
Wir waren immer vom Licht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DAS UNAUSGESPROCHENE

Es liegen verschiedene Schichten
der Höflichkeit aufeinander
nein übereinander
nein untereinander

aber niemals nebeneinander.

Denn alle warten darauf,
daß Du ihrem Weltbild
letztendlich doch noch entsprichst –
dann werden sie höflich schmunzeln.

Doch unhöflich wie Du bist,
entsprichst Du weiter Deinem Selbstbild
und schmunzelst, wie sie verärgert
höflich weiter heucheln.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

PANGAEA DER FARBEN

Irgendwann müssen wir uns treffen
da wo keine Farben sind
die uns voneinander trennen

Irgendwann müssen wir uns treffen
da wo alle Farben sind
und uns zueinander bekennen

Denn Pangaea, die einst sich auseinander nahm
und uns trennte und mit sich nahm,
zieht sich und zwingt uns irgendwann wieder zusammen
in die Arme von einander, wo wir ursprünglich herstammen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GERECHTIGKEIT

Die Nacht bringt die Stimmen nicht zum schweigen
Der Tod bringt kein Ende dem Leiden
Der Haß kann die Sehnsucht nicht vertreiben

Die Stimmen der Getöteten
Das Leiden der Hasserfüllten
Die Sehnsucht nach dem Licht
der Gerechtigkeit.

Nur Gerechtigkeit ist Liebe.
Ohne Gerechtigkeit, kein Frieden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GEFANGEN AUF DER FALSCHEN SEITE

Wenn Freunde
aus dem Hinterhalt
angreifen…

Und Feinde
offen und direkt zuschlagen
ohne auszuschweifen –

Diese Erfahrung
verhilft uns zum schnelleren
tieferen Ausreifen.

Wissen macht traurig
Weisheit macht vorsichtig

Freunde können Feinde sein im Geiste.
Feinde können Freunde sein Deiner Werte.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung