VIELFALT UND EINHEIT

Trennwand
trenn Dich von der Trendwand.
– laß das linke ins rechte
und das rechte ins linke Herz blicken.
– laß das männliche ins weibliche und
das Weibliche ins Männliche hineingucken.
– laß das junge ins alte,
das alte ins junge Gemüt Einsicht erhalten.
– laß das fremde ins fremde, laß das
menschliche im menschlichen sich einschalten.
Trennwand,
trenn Dich von der Trendwand –
… befreie uns von dem Trendwahn.
Es gibt stets mehr Optionen, als ich ahn.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

TAG DER UNVEREINTEN

Wer ist der Arbeiter?
Ist er ein Migrant
oder ist er ein Einheimischer?

Denn egal wie arm beide sind,
scheinen sie sich nie zu einigen
gegen ihren gemeinsamen Peiniger –
Der thront über ihnen als Alleiniger
Herrscher über Arbeit und Arbeiter.

Und schmunzelt und schweigt überall
Lang lebe und führe das Kapital.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DAS WIR WIEDERBELEBEN

Baum Klassismus
Frucht Rassismus
Wurzel Eitelkeit
Gewässert von der geistigen Trägheit

Täterschaft
Untrennbar von der Untätigkeit
Der Freundschaftsgruß
Untrennbar von dem Verräterkuss

Verraten wurde die Menschheit
In Dir in mir das gekreuzigte Wir
Wiederauferstehen will die Menschlichkeit
Denn unser Grab, siehe: es ist leer.

Sieg der Hoffnung ist es,
wenn der Mut zum Mutmachen mutig bleibt,
wenn der Mut zum Mundaufmachen wiederaufersteht,
wenn der Mut zur Solidarität ewig lebt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DAS IST DEUTSCH

Wer ist deutsch?
Ich weiß es nicht.
Was ist deutsch?
Das weiß ich wohl.

Ich schaue Dir in die Augen
und ich weiß es.
Du schaust mir in die Augen
und Du weißt es.

Ganz ohne Worte.
Wir fühlen es
bis in unsere Fingerspitzen
und tief in unseren Herzen.

Alles Gute. Nur das Beste.
Solidarisch. Menschlich.
Das Beschützen der Unantastbarkeit
der menschlichen Würde.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

PARALLELWELTEN

Sie treiben zusammen
wie Öl auf Wasser
im Glas – Parallelgesellschaften –
Und wen Du fragst, sagt Dir ja
sie leben zusammen
Und wen Du fragst, sagt Dir nein
sie leben getrennt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VIELFALT

Die Vorhänge zwischen den Emotionen
fallen wie gefaltete Farben, wenn sie zögernd
ihre gebrochene Farbtonleiter sich herunter tasten,
die eine Farbe suchend, die nicht existiert.

Es gibt zu viele Zwischenlieder –
Mitglieder der menschlichen Familie –
Wo höre ich auf? Wo beginnst Du?
Unser Vielfalt, wie ein Überraschungsei,
zaubert tägliche neue Farben ans Licht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GRUNDEINSTELLUNG

Rassismus ist ein Filter
Kein Anschlag
Keine Gebärde
Kein Gerede, kein Gedanke
Keine Art zu lügen oder zu zanken
Keine bereits vollzogene Tat

Rassismus ist ein Filter
Ein Kamerafilter –
Alles Aufgenommene
Alles Angenommene
Alles Wahrgenommene
Ist von Vornherein verfärbt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MENSCHEN ÜBERALL

In Asien suchte ich Asiaten
In Arabien suchte ich Araber
In Europa suchte ich Europäer
In Amerika suchte ich Amerikaner
Und selbst in Afrika suchte ich Afrikaner

Und war beinahe irritiert
verwirrt
frustriert
Denn überall fand ich nur
Menschen.

Menschen Menschen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ANDERS GEFÄRBT

Deine Farbe
entzieht sich meiner Fähigkeit,
Farbe Farbe einordnen zu können
denn Du bist nicht braun
und Du bist nicht schwarz
Du bist nicht beige
nicht grau, nicht grün
nicht dunkel, nicht hell
Du bist das, was ich ahne
bevor ich überhaupt an Farbe denke –
Und sobald ich anfange, an Farbe zu denken
verschwindest Du wieder.
Was bist Du?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GEGENDRUCK

Habt Ihr es gemerkt?
Das Dunkel weckt das Licht
zur Gegenwehr.
Das Böse entlockt dem Guten den Schrei:
Wir sind mehr. Immer mehr.
Rassismus verwandelt seine Opfer
in ein unbesiegbares Heer.
Habt Ihr es gemerkt?
Unsere Feinde haben uns gestärkt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung