Das, was wir am Häufigsten tun: Uns miteinander treffen. Das, was wir am Häufigsten tun: Uns gegenseitig verfehlen. Tausend Begegnungen mit Worten die auf „Treffen“ nicht zutreffen. Tausend Erzählungen in Worten die Vieles sagen aber nicht zählen. Tausend Gelegenheiten verpassen uns wirklich innig zu verbinden Tausendmal anfassen ohne zu erfassen die Fäden, die uns innerlich binden. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
VERSUCH ES NOCHMAL
Akzeptiere Deine Niederlagen Aber lass sie Dich nicht davon zurückhalten Morgen erneut mutig zu wagen Du sollst mehr als nur Altes vorsichtig verwalten Du musst auch das Neue jagen. Irgendwo da draussen, nein da drinnen, im Wald Verpasst Du ständig ein Geheimnis und es verschwindet bald - Versuch es nochmal, versuch es schnell; ich verschwinde bald. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SCHLICHT UND WAHR
Die Wahrheit ist weder jung noch alt, Die Wahrheit ist die Wahrheit; Sie ist weder männlich noch weiblich, Sie ist die Richtigkeit, mit Klarheit; Hat weder schwarz noch weiß als Inhalt, Nur die unparteiische Ehrlichkeit; Wahrnehmbar geistig, seelisch, leiblich, In der Redlichkeit liegt die Herrlichkeit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
BLOCKADE
Ich frage mich manchmal, ob nachts die Welt vergisst, wie der Tag sich anfühlt und aussieht. So wie ein Körper in seiner Qual nicht mehr weiß, wie es ist, wenn ihn kein Schmerz durchzieht. Oder wie ein Mensch, allein im Tal der Verzweiflung, denkt, daß Christ- us’ Frieden sich auf Märchen bezieht. Und wie der Geist den Heiligen Gral in seiner Erinnerung vermisst, weil ihm genau das Gleiche geschieht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DAS UNVERÄNDERTE ZIEL
Aus welchem Grund auch immer der Hass entsteht, ist der Boden immer dasselbe. Ob schlimmer, unverändert oder netter die Methoden seiner Austragung bleibt das Ziel das Besitzergreifen vom Vollrecht zum Leben. Ein hinterhältiges Spiel - wer menschlich spielt, wird geschwächt. Die Intoleranz in den Augen-blicken ist noch gar nichts im Vergleich zu dem Würgen und Ersticken tief im Herzen, gültig und gleich - Aber im Internet kommt alles heraus, Haß, Herrscherfantasie, Hässlichkeit; Feigheit wird zu Mut in jeder Maus, Menschen toben in Unmenschlichkeit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
FREI UND EIGENSTÄNDIG
Manchmal sitz ich horchend lang, still, lausche in mir der Stille, dem Gespräch, dem Gesang, dem Geschehen, wo mein Wille, wie frei und eigenständig, sich selbst stark beschäftigt, schmerzvoll und aufwändig sich sänftigt, umformt und kräftigt, weil die Zeit gekommen ist, das Lenkrad erneut zu drehen - und wenn die Wendung genommen ist, einen neuen Weg zu gehen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
BETREUEN UND BEFREIEN
Papa, über was schreibst Du heute ein Gedicht? Ich weiß nicht. Über was soll ich heute schreiben? Über mich. Über Dich? OK. Nein! Spaß! Bitte nicht! Zu spät. Der Gedanke ist gekommen und muss nun bleiben. Und muss nun wachsen, betreut von meiner Liebe, und mich verändern, während ich ihn auch verändere; dann, vollendet, mich zu verlassen, um im Weltgetriebe eigenständig zu wirken für eine neue Welt, eine bessere. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GROSSES VERLANGEN
Nicht die Größe des Universums, sondern die Tatsache, daß alles Stoffliche zusammen trotzdem nicht groß genug ist, um das Herz zu füllen, ist das Erstaunliche. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MEIN HERZ RAST
Mein Herz rast durch das Leben An keinem bleibt es kleben Ich sitze als Gast und Pilot zugleich Flugbegleiter auch allein und mit Euch Mein Herz fliegt schnell durch mein Leben An keinem bleibt es kleben Doch egal wo ich bin, da seid Ihr… mit mir reisend tief in mir. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ALS MENSCHEN TREFFEN
Wo können wir uns noch als Menschen treffen? Nicht als Spiegelbilder und Verteidiger der Interessen von Nationen, Kulturen, Völkern, Ethnien, Rassen, Religionen, Gendern, Orientierungen, Ständen, Klassen, sondern einfach als Menschen. Höher als alle diese Identitäten. Verbarrikadiert im Grabenkampf der Identitäten, verloren wie Amnesiekranken in Gruppen-Rivalitäten, gibt es nur noch wenige die für das kämpfen, was wir tatsächlich im Grunde alle sind: Menschen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
