DU BIST NICHT ANDERS

Du bist nicht anders
Du bist Du
Die anderen sind anders
Du bist Du
Bleibe Du

Du bist nicht komisch
Du bist Du
Du bist nicht besonders
Du bist nicht ideologisch
Du bist nicht divers
Du bist Du

Die anderen sind anders
Jeder Mensch ist besonders
Besonders sich selbst
Besonders ich
Besonders Du.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WENN DU IN DIE LEERE HINEIN RUFST…

Wenn Du in die Leere hinein rufst,
ruft die Leere in Dich hinein -
bittet, nein, zieht Dich in sich herein.

Wenn ich mit der Nacht rede,
redet die Nacht mit mir,
der Tag ist Verstand, die Nacht Gespür.

Alle wollen berühmt sein, anerkannt,
Das Internet hat das Schlechteste enthüllt,
was uns in unseren Seelen erfüllt -

Wir haben es preisgegeben und gefrönt,
ohne Scheu, ohne Scham und ohne Zwang:
die Geltungssucht und der Geltungsdrang.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

RICHTUNG WEIHNACHTEN

Es kommt erneut zum Jahresende jene schwierige Zeit,
wo innerlich empfundene, nachdenkliche, Tiefe
gestört wird durch laute kommerzielle Heiterkeit.

Bitte, schick mir keine Memes, schreib mir echte Briefe,
teile mit mir ein inniges Stück Deiner Ernsthaftigkeit.
Es rutscht schnell vorbei, diese Zeit, wie auf einer Schiefe.

Rede mit mir über eine Liebe, die wirklich verzeiht.
Verpasse dem Jahr einen Schlussstrich fein wie eine Serife,
mit einem Ernst, der die heilige Nacht wieder weiht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KONTRAST

Die Dunkelheit kommt abends schnell
wie ein ungeduldiger Liebhaber
und macht das Innenleben hell.

Kontrast ist der Gleichheit sein Inhaber.
Bist Du materiell, werde spirituell
ohne wenn und aber.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FREMDBLICKE

Die Augen der Welt
sie saugen Dein Selbstvertrauen -
Fremdblicke in Fremdenblicken
der Nacktheit. Mit Fremdschauen
kommt Fremdschämen des Selbsts;
stets nachschauend, ob sie zuschauen,
Du gibst denen zu viel Macht über Dich,
die Dir Deine Freiheit sehend verbauen -
sie strafen Dich mit Blicken, die Streife fahren
wie Polizisten plötzlich aus den Blauen
heraus, Dich im Scheinwerfergericht ihrer Augen
fangend, sie werfen den Schein auf und klauen
Dir - wenn Du es zulässt - Deine Einsicht,
Deine Zuversicht, ja, Dein Selbstvertrauen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MENSCHENBAUM

Menschenbaum, was verbirgst Du da?
Deine Narben? Deine hässlichsten Äste?
Menschenbaum, was schirmst Du da?
Deine geheime Seite ist Deine Beste.
Sie rührt unser Gewissen
und lässt uns wissen:
Du und wir sind ähnlich zerrissen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE GEDANKEN SIND UNFREI

Die Gedanken sind unfrei,
gebunden an Neigungen,
an Hängen und an Lastern,
an Wunden und Erinnerungen -

Die Gedanken sind unfrei,
gefesselt an Vorurteilen,
an Voreingenommenheiten,
gewurzelt in festen Erdteilen.

Die Gedanken sind nicht frei,
wie Monde kreisend festgehalten
im Bann Deines inneren Selbsts,
deren Sinn sie immer enthalten.

Die Gedanken sind nicht frei
und sie machen nicht frei -
Nur das Herz kennt die Kunst
der wahren freien Fliegerei.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MACHEN, UM ZU LASSEN

Du musst da ankommen
um da vorbeizukommen.
Wag es also und mach es.
Selbst ein schwaches
Versuchen, echt zu sein
bringt Dich weiter, mein
Herz, kein Schritt ist zu klein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE SONNE GEHT WIEDER AUF

Die Sonne geht wieder auf
Deine Erdscholle freute sich darauf
Die Dinge nehmen ihren gewöhnten Lauf
Beispiele dafür gibt es Zuhauf
Menschen lachen und sind gut drauf
Sie lieben, streiten, erledigen den Einkauf
Stoßen an, rufen, „Du säufst! Ich sauf!“
Geschäfte erleben den üblichen Zulauf
Es riecht irgendwo nach Kartoffelauflauf
Hunde und Kinder fliegen runter und rauf…

Einen Tag nach dem einschneidend, glatt,
Deine Welt sich verändert hat.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GESPALTENE WELTSEELE

Gespaltene Weltseele
Fuß steht Kopf
Links und rechts ohne Mitte
Brodelnder Eintopf

Keiner wird glauben,
daß beide Seiten falsch liegen
Nur wer verlieren kann,
wird im Menschwerden siegen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung