Die Welt ruft mich –
Was mich überrascht, ist
Daß sie meine Sprache spricht
Als wären wir aus einem Ei geboren
Und lediglich so formgeworden
Als wären wir es nicht:
Aus dem selben Wesen gegossen.
Was Du suchst, ist
Was ich will – die Freuden
Des Auslebens des eigenen freien Willens
Die Freude der Entwicklung, der Auseinandersetzung
Mit Herausforderung –
Stopp! Das hier ist ein Gedicht,
Kein Vortrag:
Ein Grashalm hängt sein Haupt
Er ist müde – Dann kommt vorbei der Wind
Dem Halme wohl vertraut
Und kitzelt und küsst ihn zärtlich und lind.
Es ist sehr leicht
Die Missgunst der Mitmenschen zu erregen
Und darin war er gut – vielleicht
Weil ihm alles leicht schien, ja bestimmt deswegen
Denn es schien auf jeden Fall so
Als würde ihm alles leicht scheinen und sein
Warum sonst schien er immer froh
Zu sein, bräuchte niemanden und wäre auch glücklich allein
In seinem Echtsein wollen müssen nicht anders können
Und es deshalb jedem anderen auch gönnen?
Oder war das nur Schutzschild und Maskenspiel
Denn ihm fehlte in der Tat wirklich sehr viel
Wie kann denn jemand, der so wenig hat
Jedem alles gönnen, was selber alles ist, was er hat
Freiheit und Ehrlichkeit, auch wenn es weh tut
Mut tut gut, Mut tut gut, Mut tut –
Leider nicht jedem – angeblich gut.
Und so erntet er im Gegenzug
Für sein wohlwollendes Gönnen
Ironischerweise Mißgunst und Missgönnen –
Und darin war er erstaunlich gut.
Am Tag nach seinem Tode
Wachte auf im Jenseits die Seele
Blickte auf seinen alten Körper
Und den daneben trauernden Bruder
Am Tage nach seines Bruders Unfall
Wachte der Hinterbliebene im Leichensaal
Blickte auf seines Bruders Leiche
Und ahnte nicht die daneben trauernde Seele
Die neben ihm wachte
Und ihn mit Schmerzen im Herzen beobachtete
Und beide sannen
Über alles, was sie noch gemeinsam
Vorgehabt hatten…
Jetzt vorbei
Und beide empfanden im Geiste
Die Wucht ihrer starken Liebe
Zu einander…
Ungeschwächt
Und beide erinnerten sich
Schmerzlich
An den Moment, den Fehler, den Unfall
Der zu dem Tod geführt hat
Und wenn sie es nur könnten, egal
Wie, würden sie alles rückgängig
Machen – leider unmöglich
Nun blickten beide auf den leblosen Körper
Wie auf eine Schwelle, eine Grenze,
Ein geschlossenes Tor in eine verpasste
Und verlorene Möglichkeit…
Eine Chance vertan.
Dann fassten sie Mut
Ertrugen den Schmerz
Drehten sich um
Herz ewig verbunden mit Herz
Und mit Liebe als ewiger Leiter
Gingen sie voller Hoffnung und Sorgen
Jeder mit seinem Leben weiter,
Weiser geworden.
– Che Chidi Chukwumerije
Fortgesetzt in GEFÜHLE 2019: Das Jahr der deutschen Dichtung
Menschen leben
Um Menschen zu erleben
Und in dem gegenseitigen Erleben
Seiner Mitmenschen
Findet der Mensch
Die ergänzenden Menschenteile
Zu seinem Menschsein
Findet auch den Zugang zur Menschheit
In der geteilten Menschlichkeit
Und findet in dem Miterlebendürfen
Der Freude des Mitmenschen
An dem gemeinsamen Erleben des Menschseins
Auch selbst die Freude
Des Menschseins.
Das ist alles, was ich sagen kann zu dem gestrigen Crowdfunding Seminar und zu dem Erlebendürfen von Reza und dem Kennenlernen auch von Doudou und Avdesh and Misha und Philipp.
Danke an Dorcas für die Einladung und an Social Impact Lab Frankfurt für die Organisation.
C.C.C. 29.06.19
Sehen ist das Hören der Augen
Hören das Sehen der Ohren
Mein Herz wird Dinge aufsaugen
Die einst meine Gedanken verloren
Wie bunte Ideen eines Träumers
So verschieden die Menschen sind –
Sind wir Kinder des Sommers
Oder ist der Sommer unser Kind?
Jenseits jedoch des Sinnenfensters
Höre ich hinter den Masken
Die sorgenden Augen des Winters
Deren Finger nach mir tasten
Meine Art ist meine Art zu leben
Zu vergeben und mich zu benehmen –
Wollen wir uns gegenseitig wirklich erleben
Müssen wir mit der Empfindung wahrnehmen.
Immer wenn Du reist
Egal in welche Richtung
Bist Du Träger
Einer gewissen Wirkung
Dein Leben ist Gedicht
Du bist selbst Dichtung
Ob Migrant oder Forscher –
Du bist und bekommst Verstärkung
Deiner Art entsprechend
Belebend, spendend
Willkommen oder befremdend
Beginnend oder beendend
Unsichtbare Fäden postwendend.