UNAUFFÄLLIG

Die Normalität ist ein Berg
Ein Berg ist die Normalität
Deshalb wohl ist er so groß
Deshalb wohl ist sie so schwer,
zu überwinden

Täglich grüßt die Einfachheit
Einfach grüßt der Alltag
Als wäre er nichts
Doch ein Stück Deines Lebens flog heute
vorbei mit den Winden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DER APRILBERG

Der Schnee ist den Gipfeln gewichen
Er ist geschmolzen
und mit einem leisen Seufzer
nach Hause gegangen.

Hier und da wie auf einer Leinwand
behält der überraschte Berg
eine zarte Erinnerung an seinen Gast
langsam verblassend

Und der blaue Himmel hoch da oben
der schiebt die Wolken auseinander
blickt mit Verlangen auf den Berg
und vermisst den Schnee.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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GLÜCKSMOMENTE

Ob eine Geschichte ein glückliches Ende hat oder nicht, hängt davon ab, wo man mit ihrer Erzählung aufhört.

Eine Episode vor dem glücklichen Ende und sie hat noch kein glückliches Ende gefunden. Eine Episode danach und das glückliche Ende ist fort und wieder das, was es war – nur ein weiteres Glücksmoment.

Wir leben von Glücksmoment zu Glücksmoment, wie ein Bergwanderer von Gipfel zu Gipfel lebt, und im Tal wachsen wir langsam zum Berg, ein Tal nach dem anderen.

– Che Chidi Chukwumerije.

BERGSPAZIERGANG

Wir liefen wie zwei Kinder
Weit entfernt von der Welt von Tinder
Tauschten unschuldige Gedanken
Und dafür möchte ich mich noch bedanken
Für das gemeinsame Aufsaugen der Natur
Und die Neubelebung der Kindheit
Ohne Uhr, Berge nur, jede Spur Freude pur
Geheilt der Erwachsenenblindheit.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Jahr der deutschen Dichtung

KARWENDEL UMRISS

Wie eine sagenumwobene ferne Zukunft
In greifbarer Nähe…
Meine Träume sind gleichzeitig Herkunft

Der Erinnerungen, deren Umriße ich sehe
Geben undeutig Auskunft
Über Leben, Arbeit, Hobbies, Kinder, Ehe

Drängen sowohl zur Tat als auch zur Vernunft
Fahr! Vorsichtig! Wehe,
Wenn Du das Wesentliche verbockst kurz vor Ankunft.

Swar n leises Gespräch, dessen Tiefe ich versteh
Wach sein ist die Kunst
Der feinen Sinngewinnung aus allen Dingen unscharf oder zäh.

Che Chidi Chukwumerije.
2019: Jahr der deutschen Dichtung

Das Karwendelgebirge sanft umrissen in der Ferne. Unterwegs von München nach Innsbruck - Endziel Vomperberg. Foto: Che Chidi Chukwumerije, 18.04.2019.
Das Karwendelgebirge sanft umrissen in der Ferne. Unterwegs von München nach Innsbruck – Endziel Vomperberg.
Foto: Che Chidi Chukwumerije 18.4.2019.

BEIM BAUERN ZU GAST

Ein Regenbogen hat gegrüsst
Einen Fremden lang geküsst
Einen Mundwinkel eingebüsst

Atlantis, sinkst Du oder stehst?
Jesus, kommst wieder oder gehst?
Herz, zu den Bergen Du wehst…

Unter der Nachrichten Last
Vergessen Österreich fast
Heimelig, beim Bauern zu Gast.
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– Che Chidi Chukwumerije.

 

IRGENDWO

Blick vom Kolsassberg 270513 - nr 2

Ende Mai
Dicke Schneemützen
Wärmen die verwirrten Karwendelköpfe
Gleich fängt der Himmel auch noch an
Zu weinen
Die Sonne hat den Sonnenaufgang verschlafen
Und doch höre!, höre!
Irgendwo im Gebüsch singen singen singen
Drei Vögel.

che chidi chukwumerije.

KUSS UNTERM BERG

Ich hocke blau im dunklen Berg
Horche, höre verhalten deine Schritte

Die Täler teilen, öffnen sich generös
Das Gebüsch dunkel lacht amourös

Deine Hand lässt zittern mich aufatmen
Wieso der feste Griff? Wovor die Angst?

Die Berge rufen wie Vergangenheit
Was wollen die denn von mir?

Sie haben dich zum Leben erwacht
Zurück geführt zu mir.

– Che Chidi Chukwumerije.