Eine Wölfin - Warum streift sie allein durch den Wald? Weiß sie nicht, ich komme bald? Hörst Du sie heulen, redend mit sich Tröste sie nicht, das mache ich Berühre sie nicht, sonst beißt sie Dich. Die Wölfin in Deinem Wald Sie heult für mich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Einsamkeit
IN MIR
Eine Nation groß wie ein Traum wohnt vergessen in mir, Wurzel ohne Baum und voller Passion. Mein Herz Dein Raum, Du Ich ohne Wir. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
IMMER WEITER
Sie war die Anomalie Die sich selbst nicht begriff. Egal wie nah sie Anderen kam, wie ein Schiff Ohne Anker an einem Hafen ohne Landungssteg Gab’s Verbindung mit Keinem Und sie trieb wieder weiter weg. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
KAPAZITÄT ZUR EINSAMKEIT
Er sitzt, überwiegend allein, in seinem Internetcafé. Er grüßt, lächelt, kommt rein!, nippt an seinem Kaffee. Er grüßt, lächelnd, Auf Wiedersehen!, und ist wieder allein. Die Stunden, die täglich vorbeigehen, markieren in Einsamkeit sein Sein. Selbst ist der Gesprächspartner Sich selbst der einzige Berater Sein Internetcafé sein Lebenstheater. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WO SIND UNSERE FLAMMEN?
Die Kälte, wie eine blasse Wand, schiebt sich durch die Gassen, bringt uns zusammen und trennt uns gleichzeitig, entsprechend unserer Klassen. Du wusstest nicht, dass Du zu einer Klasse gehörst, bis angewidert jemand Dich hochnäsig meidet. Du wusstest nicht dass Du einer Klasse angehörst bis Du jemand siehst, der schlimmer leidet. Dann klingelt es leise im weihnachtlichen Nebel. Angeblich ist es die Zeit, Licht zu teilen. Meine Flamme Dir, Deine Flamme mir - zusammen können wir uns gegenseitig heilen. Angeblich. Doch die Kälte, Mantel der Angst, legt sich auf jeden von uns nieder, uns von einander trennend. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EINFACH WEITER SCHREIBEN
Das Gedicht endete so schnell, So plötzlich, brauchte keinen Reim, Ein Leben, intensiv und hell, Bald ist der Geist wieder Daheim. Meine allergrößte Schwäche Ist die lebenslange Unfähigkeit, Zuzugeben meine größte Schwäche: Die unheilbare Einsamkeit. Kein Fremdland kann einsetzen, Was in der Heimat fehlt - Kein Fremdgang kann ersetzen, Was Dir die Ehe stehlt. Und währenddessen endet Das Gedicht insgeheim. Dein Schmerz hat Dir geblendet - Es hatte doch seinen Reim. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ANGEFASST IST NICHT BERÜHRT
Dieser Moment danach - Alles Anfassbare angefasst Gegenseitig Und sich immer noch nicht berührt Oder gerührt Innenseitig - Gegenwärtig bleibt die seltsame Distanz Alles Fassbare noch nicht erfasst - - Nur Leere, All-Einsamkeit Unterschwellig. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GESELLIGKEIT SCHÜTZT NICHT VOR EINSAMKEIT
Die erdrückende Oberflächlichkeit eines Lebens ohne Anbindung - Sprache führt in die Tiefe. Sprachlosigkeit verspricht ihre eigene Verbindung. Warum reden, wenn Schweigen der Schlüssel ist zum Aufsteigen? Die Leichtigkeit der Bedeutungslosigkeit ist der schwerste Druck zu ertragen. Geselligkeit schützt nicht vor Einsamkeit - Die Nähe der Ferne bringt Unbehagen. Menschen, die alles zeigen, wollen etwas verschweigen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MEINS
Ich schweige Jedes Mal Wenn ich zum Schrift greife Oder was denkt Ihr denn? Ich zeig Euch mein Herz? Einfach so? Wenn ich es Euch zeige würde Was hätte ich dann noch übrig Für mich? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DA GEHT SIE
Da kommt sie Da geht sie Die Einsamkeit Als wäre sie wirklich allein Da geht sie Da kommt sie Die Einsamkeit Dieses Mal nimmt sie Dich mit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
