Wenn Du wüsstest wie viele Leben Du in diesem einem Leben lebst… Wenn Du wüsstest an wie vielen Webstühlen Du gleichzeitig webst… Wenn Du wüsstest an wie vielen unvollendeten Geschichten Du klebst… Wäre Dir jeder Tag, jede Minute, jeder Moment wie eine helle Kerze, die schnell niederbrennt. Glücklich ist, wer die Ernst der Lage erkennt und erfüllt in seinem jeden Element oder Talent bevor der Tod ihn von der Erde trennt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
erdenleben
ZEIT ZUM KENNENLERNEN
Wir werden älter ohne älter zu werden als wäre unser Körper süchtiger auf Sterben als wir selbst. Plötzlich ist mein Körper nicht mehr meiner sondern ein kalter Fremder. Sein Weg ist seiner - und er verwelkt. Laß uns deshalb schnell die Zeit nutzen - uns finden, kennenlernen, lieben, unterstützen bevor er wegfällt. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ERLEBNISFENSTER
Wo soll ich beginnen? Mit Machen oder mit Sinnen? Kein Ende will ich meinen Präferenzen - kein Abebben meinen Potenzen - doch alles Erleben hat seine Grenzen. Ist kurz das Erdenleben? Oder lang, die Fäden, die wir weben? Das Erlebnisfenster lebt in Momenten flüchtenden Sehnens, in Fragmenten von Küssen, Händchenhalten, Argumenten. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

Danke, Christine, für den Anstoß.
WUNDENFLUSS
Wunden leben lang
Länger als mehrere Erdenleben
Länger als der Hang
Der verursachte das Seelenbeben
Länger als sie sichtbar sind
Länger als sie äußerlich richtbar sind
Langanhaltend wie Schwanengesang.
Ein Wundenfluss
Legt einen langen Weg zurück
Suchend Abschluss
Über Leben und unter Brück‘
Zurückbringend, was er gewonnen hat
Denn da, wo er begonnen hat
Ist auch dort, wo er enden muss.
– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung
MOMENTE NÜTZLICH FÜLLEN
Wissen, wann man am besten Tschüss sagt
Kurz bevor der schöne Abend plötzlich unbehagt
Noch während eine schöne Aussicht hervorragt
Und Unsicherheit Deine Seele noch nicht plagt
Wenn noch keiner nach der Uhrzeit fragt
Und die späte Müdigkeit witzelnd beklagt
Gähnend fragt, ob man heute Abend noch was wagt
Und Unsicherheit an noch keiner Seele nagt
Das Treffen ist jung, doch sein Sinn schon betagt
Die Dynamik des Gesellens ist einfach so veranlagt
Der Mut zur Bindung irgendwann doch verzagt
Weil Unsicherheit in die Seelen jagt
Unsicherheit darüber, was der eigentliche Sinn ist
Des Treffens, des Moments bezüglich der kurzen Frist
Die das Erdenleben uns unerbittlich ausmisst
Was der Mensch in seinem Unterbewusstsein nie vergisst.
– Che Chidi Chukwumerije.
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung
LANGSAM GEHT SCHNELL
Das, womit der Mensch stets
Am Wenigsten rechnet, das,
Was ihm aber stets widerfährt:
Daß seine Zeit einst um ist
Schneller als erwartet, und er
Keine Zeit mehr hat, das Wesentliche
Noch zu erfüllen, bis er scheidet.
Alles bleibt unvollendet
Gedanken, Sätze, Kapitel
Abgeschnitten, lose hängend
Kaum einer stirbt ohne
Sich nachdenklich zu fragen –
Und? Was war der Sinn des Ganzen? –
Ein kurzer Gedanke, dann Gute Nacht.
– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung
SEHNSUCHT
Antwort sucht Klage
Trennung sucht Anziehung
Korrigierung sucht Fehler
So wandere ich suchend durch mein Erdenleben
Und komme nicht auf die Ursache meines Leidens
Ich möchte etwas wieder gut machen
Weiß aber nicht was.
– CHE CHIDI CHUKWUMERIJE.
