AHNUNGEN DES DICHTERS

Ich bin ein Schmetterling
Ich schwör es
Denn ich schlüpfte gestern aus der Nacht
Und wurde endlich mein neuer Tag.

Ich bin eine Idee
Ich schwöre es
Denn ich keimte im Geheimen ungeahnt
Nun schleich ich in Deinem Kopf herum

Ich bin eine Wolke
Ich schwöre es
Ich sammle mich, immer und immer wieder
Denn ich weiß, bald weine ich …

Es ist, wie es ist
Ich bin eine Metapher für Etwas Unbekanntes
Mal fällt es mir ein, mal bin ich blank
Denn ich bin seine Leinwand.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

RÜCKKEHR INS LICHT

Ich wünsche mir manchmal
meine Gedanken wären Brücken
über die Ritter zu mir ins Tal
meines Lebens würden vorrücken

– ja, Ritter. Reiter. Retter.
Mit einem zusätzlichen Pferd
für mich, fit für jedes Wetter,
und Schild und Schwert

Ich brauche keine Antworten
denn ich habe keine Fragen
Sehnsucht habe ich, nach Orten
die so wirklich sind wie Sagen.

Dann würde ich los reiten
und meine Gedanken überqueren
denn zu denken ist zu leiden –
und zu träumen ist zurückzukehren.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

FLUGGAST

Wenn mit ebengleicher Leichtigkeit
Wie es meine Gedanken tun
Ich, befreit,
Ruhn

Könnte oben auf den scheuen Winden
Getragen von verbrannten Träumen
Die ich zu empfinden
Nicht versäumen

Möchte, würdest Du mir intim begegnen
Auf der Ebene, von wo wortlose Tat
Aufs Geschehen zu regnen
Ihren Anfang hat?

Dann wären wir einander geistig Gast
Auf gemeinsamem Freiflug –
Schräge Ideen hast
Auch Du genug.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

DEINE GRENZEN BILDET DEINE FANTASIE… NICHT.

Eine Rose wird eine Kartoffel niemals werden
Eine Frau nie wirklich ein echter Mann
Feuer mag flüssig sein wie Wasser
Aber frag es, ob es Deinen Durst löschen kann

Der Haß hebt uns niemals empor ins Licht
Das schafft nur die Liebe, zart
Das Schwert mag glauben, es sei ein Kissen
Doch der Krieg erinnert es daran, es ist hart
Deine Grenzen bildet nicht Deine Fantasie
Sondern das tut in Wirklichkeit Deine Art.

Statt aus allem alles machen zu wollen
Und die Menschen scheinbar ohne Konsequenzen
In allerlei Fantasien sich schwelgen zu lassen
Sollte jeder nach Innen sich versetzen
Und sich fragen: Was bin ich?
Wer sich kennt, kennt seinen Weg und wird glücklich
Der kennt aber auch seine Grenzen.

Wer Selbst, Pfad und Wegzaun begreift
Hat gefunden seinen Weg nach Außen
Entwickeln wird er sich fortan
Innerhalb seiner unerreichbaren Grenzen
Denn er fühlt sich Zuhause.

– Che Chidi Chukwumerije.