ES WERDE PFLICHT

Es werde Pflicht
Licht zu werden
Denn es ist geworden
Dunkel auf Erden

So viele Atombomben
kann kein Planet überleben
Der einzige Planet
Auf dem es Leben gegeben

Am Anfang war das Wort
Ein Ehrenwort
In ihm fand unsre Sehnsucht
Einen Verankerungsort -

Ein Wort wie Zusammenschluss
Wie Du oder wie Wir
Ein Wort wie Menschlichkeit
Als Lebenselixier.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MEHR NÄHE

Distanz braucht Nähe.
Das ist mir neu. Immer dachte ich,
Freiheit suchend, Nähe braucht Distanz,
nicht andersrum - doch dann erwachte ich
politisch in einer brückenlos geteilten Welt.

Distanz braucht Nähe.
Denn es ist wichtig, daß globaler Nord
und globaler Süd, Ost und West, Kulturen, 
Religionen, Sichten sich be-greifen im Akkord,
der den Frieden zusammenhält.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FAMILIENFRIEDEN

Brüder kriegen gegen und töten einander -
so kommt es mir vor. Die selben Gesichter.
Denn bis der Krieg anfing, dachte ich immer,
Russen und Ukrainer seien Geschwister.

Was bedeutet Familie noch?, frage ich mich.
Bevor er starb, sagte mir mein Vater, leise:
Wenn Ihr alles verliert außer Einheit und Frieden,
habt Ihr alles Notwendige für die Reise.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE INNERE GENERATION

Eine Generation wird es hinkriegen,
sich loszulösen von Menschenkriegen.

Eine Generation wird es schaffen,
wie Menschengeister in Frieden zu schaffen.

Und wenn Du tief in Deine Seele hinein blickst
und diese Sehnsucht drinnen wachsen erblickst,

weißt Du, daß Du Teil dieser Generation bist,
egal wo, egal wann, egal wer wie was Du bist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GLEICHBERECHTIGUNG

Es wird langsam Zeit
zu gehen nicht mehr allein
sondern zusammen, zu zweit,
Dein linkes ist mein rechtes Bein.

Es ist soweit
zu schlagen nicht mehr getrennt
sondern zu mehrt in Tapferkeit
weil Euer Herz in meinem brennt.

Wer ist bereit
zu vertrauen und Liebe zu wagen?
Ich gebe Dir treu Begleit;
öffne Dich, trete hervor; nicht zagen.

Die Welt liegt im Streit
mit dem Ringen selbst nach Freiheit.
Gute Geister, schreit Frieden, schreit!
Wir haben keine Angst vor Gleichheit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ÄRMER TROTZ ETKENNTNISSEN

Viele Menschen werden ärmer werden,
reicher nur an Erkenntnissen.
Manche Länder werden reicher werden,
ärmer jedoch in ihrem Gewissen.

Wie könnte die Zukunft derart werden,
nach all den Menschheitserlebnissen,
daß wir wieder langsam gefangen werden
in den heutigen Geschehnissen?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VERSCHOBENE BEGRIFFE

Krieg ist leicht
Frieden ist schwer
Dem Waffenrausch weicht
fast keiner mehr.
Gewiß und Vielleicht,
Gewissen und Gewehr,
kommen sich immer näher.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

INNERER FRIEDEN, TIEFER ALS GEDANKEN

Schwerbeladen sank und hing der Kopf,
vollgestopft und beschäftigt mit des Tages Zoff,
ein brodelnder, köchelnder, zugedeckter Topf.

Die Seele, aus leichterem, feinerem Stoff,
ignorierte ihn, trank von alledem keinen Tropf,
weder von Gedanken schräg noch Gefühlen schroff.

Sondern sie suchte den Geist, zart - klopf klopf:
In der Empfindung wohnt alles, was ich mir erhoff -
Öffne Dein Inneres Ge-Wand. Dein Herz ist ein Knopf.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

AUSEINANDER

Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll,
denn ich bin bereits unterwegs;
Ein Pendel zwischen Dur und Moll,
jenseits fast jedes Landungsstegs

Von den Fremden trennt mich mein Äußeres:
Vier Merkmale wie vier Fahnen an vier Ecken.
Von den Meinen trennt mich mein Inneres -
nicht mal mein Schweigen kann es verstecken.

Unsere Art und Weise des Miteinanders
ist ein Füreinander gegen einander.
Frieden ist ein Verschieben des Kriegs auf Wannanders;
Unsere Expansion ineinander pendelt auseinander.

Und ich frage mich, wie lange noch
die Gedichte in Hoffnung sich wenden werden;
Wie tief hinein geht es ins Loch,
bis die Strophen für immer enden werden.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SCHNELL VERSCHWINDENDER FRIEDEN

Drohungen machen die Musik
in letzter Zeit
Der Ton ist nebensächlich -
Ein Wort und alle wissen Bescheid,
was gemeint ist.

Alle fühlen sich bedroht
durch die freien Entscheidungen anderer -
Fratzen sind Lächeln plötzlich verroht.
Frieden ist eine Maske, ein Wanderer,
ein Verführer, eine List.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung