SCHWEIGEN SPRICHT

Sieben Menschen schwiegen gezielt
in meiner Nähe und ich schwöre
jeder hat etwas ganz anderes mir erzählt
mit seinem Schweigen. Ich höre
nicht hell aber ich höre mit meiner Empfindung
die innere Stimme der Herzen Chöre
und fange sie täglich mit meiner Dichtung.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

FRÜCHTE DEINES INNEREN GARTENS

Behalte es in Dir,
wenn Du möchtest, daß es wächst -
In Dir ist der natürlichste Garten,
der Heimatboden, positiv verhext.
Und es wird wachsen und gedeihen,
Gleichartiges verleihen und leihen,
Reife erlangen, und voller Erfüllungsdrang
wird es sich von Dir befreien.

Aber egal wie groß die Welt ist und egal
wo in der Welt es hingeht und verschwunden
zu sein scheint, wird es eines Tages zu Dir
zurück kehren, denn es bleibt mit Dir verbunden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SPIELE

Die Kinder spielen Basketball
Die Eltern sitzen abseits
Spielen Gedankenspiele und
Kommentieren das Spiel ihrerseits.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ABENDSTILL

Der Abend ist so still
Fast könnte ich Deine Gedanken hören
Sie wollen, was ich will
Den Sturm beruhigen, die Ruhe stören
Alles anders machen als erwartet
Und neue Sachen erleben
Außen ausführen, was innen startet
Neues geben und altes vergeben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

TIEFER ALS BLUT

Viele werden kommen und wieder gehen,
viele Ausländer aus Ländern und Begriffen,
denn fremdsein liegt nicht nur im Aussehen -
das besonders Fremde sitzt nicht in Schiffen.

Es sind Gedankenformen und Empfindungen,
die uns anfassen, auffassen und erfassen,
die uns einspannen in neue Verbindungen -
die wir nicht fassen - eher sie uns wieder verlassen.

Ihr denkt, daß Blut das tiefste ist…
Ihr irrt gewaltig; tiefer verankert als Blut
liegt der Boden, wo das Tatsächliche sitzt:
Fremdes, Eigenes, Geist, Hab und Gut.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

AUGEN SPRECHEN

Augen sprechen
Oh! Wie laut sie sprechen.
Und deutlich. Eloquent!
Lass Dich für nur einen Moment
Von fremden Menschen heimlich
Mustern, bewundernd, unheimlich,
Einladend, ablehnend, freundlich,
Feindlich, lüstern, neugierig, kindlich,
Für Dich, gegen Dich, durch Dich
Hindurch, egal. Du fühlst Dich
Beobachtet, deutlich. Du drehst Dich um
Eure Augen treffen sich kurz und - Boom!
Ich weiß, was Du denkst wortwörtlich
Und Du weißt, was ich denke ziemlich
Genau, als hätten wir es mit Worten gesagt -
Meinungen ständig gegeben ungefragt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

GIESSET DIE BLUMEN

Alle diese Gedanken,
die wir denken, in die Welt setzen,
was geschieht mit ihnen?
Die die ätzen, vernichten, verletzen.

Wir kommen und gehen
aber unsere Gedanken bleiben
wie unsichtbare Wolken
die verdichtend nicht weiter treiben.

Gedanken der Habsucht,
der Ichsucht und der Selbstsucht,
Gedanken der Eigensucht
und weniger der Lichtsehnsucht.

Ab und zu in der Wüste
hier und da ersprießt unerklärlich
eine einsame tapfere Blume.
Halte durch, Du bist unentbehrlich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MOMENTE NEUER ERKENNTNISSE

Der Moment, in dem ein Gedanke,
der über Dir jahre- und jahrzehntelang
gewartet hat, wie vor einer Schranke,
endlich in Dich wie ein Samen eindrang,
weil Du nun reif genug geworden bist
und Dich ihm geöffnet hast, bereit.
Dieser Moment, ein kurzer Augen-Blick, ist
der Grund für Deine Erdenzeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

VIELE BLUMEN

Die einen Blumen
waren nur Gedanken
Sie blühten über meinem Kopf
Ich war der Blumentopf

Die anderen Blumen
waren Worte
Sie hüllten mich um
Schön und dennoch krumm

Einige Blumen dagegen
waren Gefühle
Wie sie in meinem Blute sprießen
wilde Dufte hinterließen

Und die aller ersten Blumen
waren Empfindungen
Es gibt einen himmlischen Garten
in denen sie auf mich warten

Aber die wichtigsten Blumen
sind meine Taten
Wenn ich sie Dir schenke
weißt Du, was ich wirklich denke.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DER ERSTE GEDANKE

Der erste Gedanke,
der zu mir heute morgen kam,
den vergaß ich nieder zu schreiben.
Er zog sich schnell zurück aus Scham,
als hätte ich versäumt, ihn zu verkleiden.
Nackt stand er inmitten von Kleinkram
in meinem Kopf und musste leiden.
Dann war er weg.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung