VERSCHWOMMEN

So müde
Ich sehe meine Gedanken
doch ich kann sie nicht fassen
Wie Fische im Wasser
Liebe ich sie, sollte ich sie dort lassen
In ihrem Element, in ihrer Welt,
einer fremden Welt glückliche Insassen
Auch wenn ich sie nicht greife
werde ich trotzdem nichts verpassen
Bin nur müde.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GEDANKEN UNTER SICH

Gedanken treffen sich
genauso wie Menschen sich treffen
lesen sich, lieben sich und lassen sich
während unterdessen
die Menschen ahnungslos
kurz nebeneinander stehen
sehen sich nicht und dann wortlos
ihre getrennten Wege wieder gehen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HINTERLASSENE GEDANKEN AM MEER

Bevor die Menschen kamen
wohnte das Schweigen hier
verschönert durch den Vogelsang
und das blaugrüne Meer…
- der Strand war nicht leer

denn ich traf Gedanken hier
die Andere schon vorher dachten
die vor mir auf dieser Bank saßen
und weinten und lachten…
- sie wollten die See beobachten

doch blickten sie in die eigene Seele
und sahen dadrinnen viel Meer
viel Leichtes, viel Schweres
und hinterließen starke Emotionen hier..
die auf Andere wirken werden immermehr.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE GEDANKEN SIND NICHT FREI

Die Gedanken sind nicht frei
Sie sind gut, böse, rein, unrein
Aber sie sind nicht zollfrei

Sie erhalten ihr eigenes Sein
Bewirken feinstofflich vieles dabei
Prägen weiter Dein Bewusstsein

Hängen an Dir wie ein Faden
Kehren im Kreis auf diesem Pfaden
Zu Dir zurück mit Gleichart beladen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

UNSERE GEDANKEN

Meine Gedanken
Deine Gedanken
treffen sich im Garten der Gedanken
vereinigen innig sich
werden unzertrennlich
während Du und ich in unseren Leben
einander nicht kennen oder wahrnehmen.

Deine Gedanken
Meine Gedanken
treffen sich im Garten der Gedanken
treiben aneinander vorbei
spüren keinerlei Gleichart dabei
während Du und ich in unserem Leben
zusammen lebend aneinander kleben.

Ach!, die Welten die unsere Welten tief trennen!
Ach!, die Welten die unsere Welten zusammenklemmen!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

NIE SIND MEINE GEDANKEN GEERDETER

Nie sind meine Gedanken geerdeter
Als wenn ich fliege. Nie beflügelter
Als wenn ich am Boden stehe.
Freiheit und Gebundenheit sind Verbündete
In des Lebens urältester Ehe:
Die zwischen der Ferne und der Nähe.
Der Stille ist der am meisten Getriebene.

Was bringt ein neues Jahr
Was nicht vorher bereits da war
Als selbsterzeugtes Samenkorn
Von mir ausgeworfen nach Vorn?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WENN SCHNEE EINEN FLUSS BERÜHRT

Wenn Schnee einen Fluss berührt
Wie Gedanken zurückgeführt
Zum Ausgangsort und -zustand
Durch der Natur unsichtbarer Hand,
Denke ich darüber nach:
Ob Meer oder See oder Bach,
Ort des Geschehens bleibt gleich,
Weiher, Fluss, Ozean oder Teich,
Eisig und hart, flüssig, durchlässig, weich,
Es ist alles das magische Wasserreich,
Wo alles stets in Bewegung bleibt,
Mit und gegen alles fließt und sich reibt,
Ständig ankommt, ständig weitertreibt -
Ne, Ort des Geschehens bleibt nimmer gleich.

Kein Gedanke kehrt unverändert zurück
Zum unveränderten Entstehungsheim.
Schlimmer oder besser geworden ein Stück
Findet sich alles wieder zusammen im Schlussreim.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MEINE GEDANKEN

Gedanken lesen tut weh
Unwissenheit ist Glückseligkeit
Macht ist eine Idee
Schweigen ist eine Fähigkeit
Kompromiss ist wie Schnee
Weder Wasser noch Dampf noch Eis
Macht ist ein Klischee
Machtlosigkeit ist ihr echter Preis.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

BEI KAFFEE UND KUCHEN

Ich kann während eines Gesprächs mit Dir
Tausendmal meine tiefsten Innenorte besuchen -
Dabei sprachen wir äußerlich über das Wetter
Lobten den Kaffee und kritisierten den Kuchen.

Und auch Du machst das - leugne es nicht.
Unmerklich tauchst Du in Dir ständig ab und auf
Immer und immer und immer wieder
Und erzählst nebenbei vom gestrigen Auflauf.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SEHNSUCHT NACH UNMITTELBARKEIT

Ich wünschte
Ich könnte einmal
Die Empfindungen und Gedanken
Die ein Tag mit sich bringt
Mit Dir teilen

Und dafür
Die unzähligen Worte
Die wir täglich tauschen
Einmal verschweigen und
Gemeinsam in unserer Wahrheit verweilen

Leben wir einmal
Einen Tag wie ein tausend Jahre
Erleben wir einmal
Ein Leben wie im Flug
Ohne uns zu beeilen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung