Denken ist lenken
Gotteskraft lenken
ist denken
Ein Geschenk weiter verschenken
Einen Samen in die Realität versenken
– etwas zum Bedenken.
Zum Umdenken.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Denken ist lenken
Gotteskraft lenken
ist denken
Ein Geschenk weiter verschenken
Einen Samen in die Realität versenken
– etwas zum Bedenken.
Zum Umdenken.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Jemand steht neben mir
Unbeobachtet
Und beobachtet meine Gedanken
Ich wünsche
Er würde das alles nicht sehen
Was er sieht –
Und auch das sieht er.
In der Schöpfung gibt es kein Versteck
Alles hat irgendwo ein Leck…
Der Dreck unter der Reinheit
Die Reinheit unter dem Dreck –
Alles wird einmal aufgedeckt.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Polizeisirenen
Alle paar Minuten
Wie plötzliche Empfindungen
Die in mir durchblitzen
Mein Herz springt auf und
Auf zuckt mein Denken
Rennt der Sirene hinterher
Fragt sich, was hat diesen Einsatz ausgelöst?
Doch die Empfindung antwortet selten
Und der Kopf hört nicht auf, zu denken
Lange nach dem es um mich
Und in mir
Wieder still geworden ist.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Auch wenn Ihr denkt
Ihr denkt
Ist es Euch nur geschenkt
Ausgeschenkt
Verschenkt
Wie Wein und wie Gift.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Ich finde meine Gedanken nicht
gefangen in Ästen von Lärm und Stimmen
sie finden ihren Weg nicht mehr zurück zu mir
ich strecke meine Arme aus
winke ihnen zum Abschied zu
und laufe weiter, neuen Gedanken zu.
Solltest Du morgen auf Deinem Wanderweg
auf meine alten Gedanken stoßen
reife Früchte im Alltagsgestrüpp des Lebens
nimm und iß und laß Dich befruchten
ich weiß nicht mehr, was ich damals dachte
aber es kam alles von Herzen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Wenn wir Gedanken lesen könnten
wären Freunde Feinde und Feinde Freunde
viele Paare längst getrennt
viele Fremde längst zu Paaren geworden –
von Vor- und Untergesetzten brauchen wir nicht dichten.
Gedanken: so laut und doch so unleserlich.
Wie viele Menschen schauten schonmal
dem Partner in die Augen und dachten verzweifelt:
“Wieso kannst Du meine Gedanken nicht lesen?”
Wie viele Menschen schauten schonmal
dem Partner in die Augen und dachten erleichtert:
“Zum Glück kannst Du meine Gedanken nicht lesen.”
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Düstere Gestalten laufen langsam auf dem Gehweg –
Sind das unsere Empfindungen unterwegs wohin?
Ich möchte sie aufhalten; sie flüstern: Geh weg!
wir haben unser Eigenleben nun – nach unserem Sinn.
Lichte Gestalten schweben leise durch die Nachbarschaft –
Sind das unsere Empfindungen unterwegs wohin?
Sie vertreiben die düsteren. Jeder Nachbar schafft
ein Teil der allgemeinen Stimmung – ganz nach seinem Sinn.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Ich sah aus dem Fenster heraus
Still war der Flügel
Still umrundeten wir die Kugel
Still stand am Rande der Bühne
der unerreichbare Empfindungskreis
am Ende des Tunnels –
und so langsam wie wir flogen, genau
so langsam versank er zurückgezogen
zurück in die Zukunft.
Gedanken, die uns fast einfallen
aber nie ankommen. Empfindungen,
die Empfindungen bleiben.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Ein Bahnhof nach dem anderen
Erschien in der dunklen Röhre
Wie Lichtblicke auf meinem Gedankengang
Beeindruckender als die Gedanken selbst
War die Tatsache, daß jemand
Diese Lichthöfe gebaut hat mit Absicht
Meinen dunklen Pfad entlang.
– Che Chidi Chukwumerije (26.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung 
Wüsstest Du, daß die Einsamkeit
Ein Schutzmittel gegen sich selbst ist?
Wenn sie nah ist, ist sie weit
Wenn sie weit ist, wird sie vermisst
Von der in Dir wohnenden Einsamkeit
Denn sie vor allem braucht Gesellschaft –
Gesellschaft ehrlich, tief und wahrhaft.
Wie viele Gedanken nehmen wir
Vom alten ins neue Jahr mit rüber?
Wie viele Persönlichkeiten schälen wir
Denn die Zeiten werden immer gröber –
Welches Schutz-Ich wählen wir?
Kraft der Einsamkeit laut der Einsamkeit
Hören wir am klarsten in der stillen Einsamkeit.
– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung