MICHSELBST

Bach
Ach, nimm mich mit
Und nimm mich fort
Bis in die Tiefe
Unausgesprochener Gedanken.

Rette mich vor der Oberfläche
Bei so viel Luft kann ich kaum atmen.

Daß ich so lange dachte
Ich rede mit deinem Inneren –
Dabei spiegeltest du nur Michselbst wider
Und ich wußte es nicht –
Armer ich, armer ich.

– Che Chidi Chukwumerije.

VOYEUR

Manchmal sitze ich vor dem
Schönen großen Smart TV und
Beobachte nicht das Programm, sondern
Die eingebaute kleine Kamera drauf

Ein IT-Techniker in Lich, der
Hat seins zugeklebt. Die können
Alles sehen, hat er mich unterrichtet
Selbst wenn sie aus ist –

Ob das stimmt, wundere ich mich
Ziehe langsam die Unterhose aus
Ich sehe ihre tausend Gedanken
Und lenke sie von meinen ab.

– Che Chidi Chukwumerije.

UNRUHIG

Ein gewöhnlicher Nachmittag
Unruhig lauf ich hin und her
Von meinen Gedanken getrieben

Manchen lauf ich davon
Anderen ewig hinter her
Meine Wohnung ist mir zu klein

Es steht mir alles im Weg
Es stehen mir alle im Weg
Ich stehe mir selbst im Weg

Ich verlasse Heim und Herd
Doch der Fluß beruhigt mich nicht
Noch Wiese, noch Himmel, noch Wald

Von allem kann ich mich trennen
Selbst vom Leben – nur von einem
Eben nicht – von mir selber.

Spieglein, Spieglein, Dichtung
Sei heut wied meine Lichtung
Gib mir innerlich eine Richtung

Kaum gesucht, gleich gefunden
Adieu Denken, ich hab’s empfunden
Und meine Unruhe überwunden

Jetzt kehr ich zurück zu Herd und Heim
Es freuen sich alle insgeheim
Es fügt sich ein wie ein Schlußreim.

Ferner, weit am Horizont
Schaut, wie sie neuen Anlauf nimmt
Die dunkle Wolkenmasse.

– Che Chidi Chukwumerije.

GEWITTER

Wolken in deinen Augen
Seen oben im Himmel deiner Gedanken
Zusammengezogen, wir, wie sich
Deine Augenbrauen, Spiegel deiner Gedanken
Wort- und Wolkenbruch
Heftig entlädt sich Kraft deiner Gedanken
Durchnässt sanft meine Blätter
Mit Tinte, Schmerz und Regenbogen.

– CHE CHIDI CHUKWUMERIJE.