GUTE NACHT, MENSCHENGEIST

Nicht Ausländer ersetzen uns,
sondern KI macht das durch unser Tun -
Der Mensch schafft sich selbst ab.

Nicht Migranten verletzen uns,
sondern KI macht das mit unserem Zutun -
Sie wird unserem Geist zum Grab.

Wird eine Generation einst kommen,
die keine Musik komponieren kann?
Keine Briefe selbst antworten kann?
Keine eigenen Gedanken erzeugen kann?
Keine Probleme selbst lösen kann?
Eine, die sich wundern wird,
wie wir einst das alles gemacht haben?

Alles, was Du hast, alles, was ich hab -
Empfindung, Intelligenz, Sich-Mühe-geben -
geben wir profit- und ruhesuchend ab.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SELBST VERANTWORTLICH

Manche sind zum Hassen geboren.
Gegen sie hast Du von vornherein verloren,
bist Du zum Lieben auserkoren.

Es gibt ein Licht, das aber höher ist,
das höher als Hass, Politik und Waffen ist;
eins, das Gottes, das des Grales ist.

In mitten der gegenwärtigen Verwirrung
vergessen wir oft unsre wahre Bestimmung:
geistige Entwicklung, geistige Wirkung.

Lass Dich zum Gruppenhass nie mitreißen
gegen die „Schwarzen“ oder die „Weißen“
oder wie die Sammelworte alle heißen.

Was Du in der Gruppe tust, belastet Dich.
Aber wenn es gut ist, zählt es nur für Dich.
Du bist für Deine Ewigkeit verantwortlich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EIN ERHOLSAMER SCHLAF

Die Müdigkeit durchdrang meine Knochen
aber sie schonte meinen Geist, zum Glück.
Mein Körper schlief lang und beim Erwachen
kehrte meine Seele aus Traumwelten zurück.

Ich habe Liebe gefühlt und Mut gerochen,
traf mich mit als Weinen getarntem Lachen,
erhielt geistiges Brot als erstes Frühstück.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

VON WENIGEN WAHRGENOMMEN

Manchmal steigt
von Wenigen wahrgenommen
ein Geist aus dem Unbegreiflichen
auf die Verstandesebene nieder

Und wie aus dem Nichts kommen
neuartige Gedanken zu Dir wieder
und jene merkwürdigen Lieder
die, undeutlich, verschwommen,

langsam wieder verschwinden,
dann schnell und immer schneller…
bis Du anfängst, zart zu empfinden,
und hell wirst und immer heller.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GROSSES VERLANGEN

Nicht die Größe des Universums,
sondern die Tatsache, daß alles Stoffliche
zusammen trotzdem nicht groß genug ist,
um das Herz zu füllen, ist das Erstaunliche.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

UNTERM STRICH

Was verbindet uns alle?
Was macht uns alle ähnlich?
Was haben wir alle gleich?
Empfinden können, sehnlich,
egal ob politisch oder unpolitisch,
groß oder klein, arm oder reich,
Geist macht uns alle menschlich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

ES DRÄNGT

Herz schwer beladen mit Drang
Mitteilungs-, Bewegungs-, Geltungsdrang.
Suchen! Suchen! Erlebnisdrang.
Irgendwas Unvollendetes
Irgendwas Unerklärliches
Irgendwas Selbstgetriebenes
regt sich in Dir, macht Dich unruhig.

Keine Beziehung kann Dich beruhigen
Keine Leidenschaft kann Dich befriedigen
Keine Errungenschaft kann Dich besänftigen.
Geistiges, Andersartiges
regt sich in Dir, durstig und unruhig.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DEIN HERZ IST EIN FERNGLAS

Dein Herz ist ein Fernglas.
Wenig trifft Dich, was
es nicht vorher versucht hat,
Dir zu zeigen. Jede Tat,
Sichtbares, Fühlbares, Hörbares,
war schon lange fein Wahrnehmbares -
aber wer hört denn gerne zu,
wenn das Herz empfehlt, daß Du
einen Wunsch aufgibst, oder noch
schwerer, einen Charakterzug doch
überwindest, den Du lieb hast
aber der Dir eines Tages zur Last
werden wird. Diesen zukünftigen Schmerz
sieht heute bereits Dein Herz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DEMUT UND BESCHEIDENHEIT

Es gibt Momente, in denen
wir uns besser dünken als wir sind,
vielleicht weil wir es auch tatsächlich sind,
aber dann befinden wir uns unter jenen,
deren Zeit es ist zu führen,
egal ob sie richtig, falsch oder ver-führen;
wir sind gefangen in ihren Plänen,
denn wir müssen alles erleben -
Führung und Unterdrückung durchleben -
und reifen durch unsere Tränen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

UNSTERBLICHKEIT

Die Welt passt problemlos
in jedes Herz rein
Ist aber selbst viel zu klein
für das Herz. Groß

Ist die Sehnsucht nach Ewigkeit.
Diese sterbliche Welt allein
birgt unmöglich so viel Lebendigkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung