DIE VIELEN MENSCHEN IN DER STADT

Die vielen Menschen in der Stadt,
die täglich sich seelisch wappnen gegen
die vielen Menschen in der Stadt,
treffen in allen Ecken, auf allen ihren Wegen,
die vielen Menschen in der Stadt.
Dann ignorieren, irritieren, verletzen, erregen
die vielen Menschen in der Stadt
sich gegenseitig, ohne den Verdacht zu hegen,
die vielen Menschen in der Stadt:
dieses Sich-aneinander-Reiben ist ein Segen
für die vielen Menschen in der Stadt,
denn nur so können wir das Miteinander pflegen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HAUTNAH

Ich spüre Euch so nah
und dennoch so weit
Eure Haut, so nah, trennt uns
Euer Geist, so fern, kennt
und erkennt die Gleichheit,
die unerklärliche Gleichart, in uns
- so weit und doch so nah.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

PUZZLETEILE

Wir können EINE Gesellschaft sein.
Es ist vielleicht schwer, Vorurteile
abzuwerfen. Aber diese Tatsache allein
zeigt doch welche Bürde alldieweile
wir mit uns herumtragen, Gewichte,
die unsere Geister erschweren. Geschichte,
die träge Vorurteile wiederholt ermöglichte.

Doch ist EINE Gesellschaft niemals
nur eine Gesellschaft. Gleich und gleich
wird sich immer gesellen, des Grals
Gesetz natürlicher Wirklichkeit. Reich-
haltig ist die Harmonie und stete Arbeit,
weil wir Menschen, von Zeit zu Zeit
immer mehr zeigen von unserer Wahrheit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GEWISSEN OHNE HAFT

Das Politische ist der Brückenkopf,
löst aber selbst das Problem nicht -
Liefert nur das, womit die Volksseele
ihn erfüllt, ist also nur sein Angesicht.

Ist es hässlich, ist es wahr.
Ist es menschlich, ist es wahr.
Ist es zwiegespalten, ist es wahr.

Die Politik hat die Macht.
Die Gesellschaft hat die Triebkraft -
und sie ist aufgewacht,
hin und hergerissen, Gewissen ohne Haft.

Ist es hässlich, ist es wahr.
Ist es menschlich, ist es wahr.
Ist es zwiegespalten, ist es wahr.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIESELBEN GEDANKEN

Du siehst anders aus als alle anderen
Läufst in der Menge mit allen anderen
Denkst die selben Gedanken wie alle anderen
Was bist Du?

Deine Tausend Hintergründe lenken ab
Von dem Wesentlichen im Vordergrund
Du Mensch unter Mitmenschen, gleichartig -
Das bist Du.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SELBSTÄNDIG DENKEN

Und dann, als wären sie selbständige Wesen,
Erheben sich meine Flügel und laufen durch die Luft,
Umschreiben praktisch hochtönende politischen Thesen,
Die zwischen Volk und Gesellschaft liegen wie eine Kluft.
Ich laufe mit und fühle mich an Klarheit genesen -
Klarheit und Mut - und wer nach meiner Art ruft,
Kann sie im Himmel wie Gedichte im Flug lesen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

NEUE BLÄTTER

Schulter an Schulter
stehen die Bäume
während sie ihren Weg gehen
durch die saisonalen Zeiträume

Und alle Menschen
die an ihnen vorbei gehen
Wie schnell hören sie auf,
wir auf, zu bestehen?

Die Gesellschaft wandelt
doch ihre Wurzeln bleiben bestehen
Die Gesellschaft bleibt unverändert
doch neue Blätter kommen und gehen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DURCH MUT ZUR MENSCHLICHKEIT

Wie wird aus Mehreren Einer?
Ist das schwer?
Wie wird aus Mehreren Keiner?
Ist das nicht schwerer?

Wie kann eine Gesellschaft so blind sein
daß sie ihre eigene Vielfalt missversteht?
Mutige Menschen, es kann nicht sein,
daß Ihr schweigsam bei Seite steht

während Mitmenschen-Verneiner
spalten uns durch Fremdenfeindlichkeit. -
Wie wird aus Mehreren Einer?
Durch Mut zur Menschlichkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EINE GESELLSCHAFT DER MITMENSCHEN

Haben wir gelernt
das Gelernte zu verinnerlichen?
Wer hat den großen Balken
aus eigenem Auge denn schon entfernt?

Gesellschaft. Wie schnell
machst Du aus Mitmenschen fremde Wesen!
Und doch machtest Du einst als erste Fremde
Dir die ganze Welt zur Heimat, universell.

Ein äußeres Auge ist dem Inneren blind
Ein inneres Auge sieht aber das Äußere
Gesellschaft, Du brauchst alle Deine Herzen
Jedes, groß und klein, ist im Herzen Dein Kind.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

STADT DER GUTEN VORSÄTZE

Ich lief vorsichtig
Auf leisen Zehen durch die Stadt
Und ich sammelte Gedanken
Halbfertige Gedanken, die
Auf dem Weg vom Denken zum Handeln
Gestolpert und liegengeblieben waren

Selbst ihre Erzeugerinnen
Selbst Ihre Erzeuger hatten vergessen
Sie mal gedacht
Und nicht gemacht zu haben

Und die waren fast alle edle Gedanken
Gute Vorsätze
Ideen darüber, wie Menschlichkeit
Sauberkeit, Nachhaltigkeit, Sicherheit
Und Gerechtigkeit gefördert werden können
In unserer Gesellschaft.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung