DANKBARKEIT DEN ÜBERSEHENEN

Ich liege im Hotelzimmer
und sehe alles außer der Lichtquelle
in dessen Lichtschimmer
ich alles sehe an Ort und Stelle -
Eine einfache Tischlampe an der Bettseite.

Manch einer verschafft uns Freizeit,
doch die teilen wir lieber mit anderen -
Manch einer macht uns bereit;
damit arbeiten wir aber lieber bei ‚Besseren‘ -
Der erste am Ende ist häufig der zweite.

Dankbar möchte ich denen sein,
die immer und selbstlos in Liebe geben…
und Dem ohne dessen Da-Sein
wir niemals hätten Bewusstsein und Leben
noch das Ahnen deren wahrer Tragweite.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DAS TIEF VERANKERTE WISSEN

Ich glaube an Deine Liebe
obwohl es aus der Mode gefallen ist
davon zu sprechen
oder an Dich zu glauben

Alle, die es noch tun,
noch wirklich tun
in einer tiefen Ecke ihrer Seelen,
behalten es für sich schweigend

nach dem Motto:
„Schütze, was dich schützt.“

Und dennoch redet die Natur von Dir
Ordnung und Veränderung reden von Dir
Selbst die Lächeln der Zweifler
reden, unbewusst, von Dir
in jenen Momenten, wo sie sich einfach
kindlich darüber freuen, daß sie leben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EINE STIMME AUS MEINER KINDHEIT

Er hat viele Namen,
wie ein Wanderer, der durch die Himmel rast
und überall sich in die Herzen der Menschen
einhämmert! –
Jeder denkt, er gehört nur ihm…
Doch er gehört einem unsichtbaren Geheimnis.

Wo ich herstamme, von den Igbo,
nennt man ihn Amadioha
Wo ich geboren wurde, bei den Yoruba,
nennt man ihn Sango
Wo ich lebe, unter den Germanen,
kannte man ihn als Donar

Den Indern Indra, den Chinesen Lei Gong
Den Slawen Perun, den Baltischen Perkons
Den Kelten Taranis, den Guaraní Tupa
Den Japanern Taijin, den Römern Jupiter,
Den Norden Thor, den Griechen Zeus –
… wurde mir gesagt und bezeugt.

Heute war er da !
– ich schwöre es –
in den blitzenden Himmeln über Frankfurt.
Ich habe seine lachende Stimme erkannt
im krachenden Donner im heutigen Regen,
wie eine Erinnerung aus meiner Kindheit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE NACHBEWUNDERUNG

Ich wachte früh auf
Es war noch nicht die dritte Uhr
Und ich wartete auf den Moment
des Anbruchs der Morgendämmerung
um ihn heute zu fangen…

Ich blieb lange wach – und war wach
und beobachtete aufmerksam
mit Augen und Ohren und Nase
mit Haut und allem, was dahinter wohnt
– und bemerkte ihn nicht anfangen…

Nach einer Weile fiel mir auf
daß es schon seit einer Weile heller geworden war
und daß ich schon seit einer Weile
das leise Zwitschern ferner Vögel
unbewußt hab empfangen…

Der Tag, wie der erste Tag, kam zuerst
und erst danach mein Bewusstsein von ihm
Wie das Wunder vor seiner Bewunderung
kam zuerst das ewig sich wiederholende Ist
und ich bin ewig in dem Danach gefangen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ABENDBROT

Der Hügel traf die Sonne fallend
Überrollte die Sonne auf seinem Rücken
Lachte schallend
Mein Herz zweimal nachhallend
Konnte sein Lachen nicht unterdrücken.

Und dieses Lachen hallte weiter
In unserem Abendessen im Familienkreise
leicht und heiter
Wurde spöter zur Himmelsleiter
Bei unserem Abendgebet, leicht und leise.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DONNERWETTER

die Igbo nannten ihn Amadioha
die Yoruba nannten ihn Shango
die Normannen nannten ihn Thor

alle, unabhängig von einander
erblickten ihn den Donner schaffend
jahrtausendelang hoch im Himmel…

die Christen kamen und sagten
ihn gab es nicht und niemals
ihn kann und hat es nie gegeben…

alle, die ihn im Blitzlicht des Donners sahen,
sahen definitiv Illusionen – oder lügten
oder beteten falsche Götter an

alle, unabhängig von einander,
über unüberwindbare Distanzen,
ja, und jahrtausendelang. Donnerwetter.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DER FINDENDE SUCHENDE

Nur der findet, der sucht.

Wer dagegen aufgehört hat, bewusst oder unbewusst zu suchen, der findet nur das leicht Findbare, mehr nicht. Das allerdings, was nur der Strahl der Sehnsucht des Suchenden sichtbar machen kann, bleibt ihm verschlossen.

Deshalb bezeichne ich mich gerne lieber als Suchenden, egal wie viel ich täglich finde; als Lernenden, egal wie viel ich bereits zu wissen meine. Denn dadurch bin ich immer am sonst Unfindbaren Finden. Und egal wie groß das ist, was ich heute finde, morgen wartet was Größeres auf den sehnenden Strahl des Suchenden.

Der Suchende ist offen, der Findende ist geschlossen. Der Findende nimmt; der Suchende empfängt. Beides ist gut, glaube ich, je nach Situation. Doch die Grundlage des Findens, des Findens des Außergewöhnlichen, bleibt ewig das innig sehnende Suchen. Und die Grundlage dieses Suchens ist umgekehrt das Finden. Vor allem das Finden, des Herausfinden, das Entdecken, das Empfangen der Tatsache, daß der Mensch nichts weiß. Je mehr man findet, desto mehr findet man, daß es immer mehr gibt, zu finden.

Das noch nicht Gefundene ist immer mehr als das bereits Gefundene. Diese Erkenntnis ist die Geburtsstunde des wahren Suchers – des Suchenden. Diese Erkenntnis ist der Anfang des Erahnens Dessen, Was GOTT ist. Das Ewig-Unendliche. Das Ewig-Unausschöpfbare. Das Ewig-Unveränderliche. Das Ewig-Unerreichbare. Das Ewig-Ist-Seiende. Das, die Verbindung zu dem die ewige Sehnsucht des Suchenden ist.

Und wer ernsthaft sucht, der findet andauernd.

Che Chidi Chukwumerije

BESUCHER

Ich war ein Sucher in der Natur
und ich fühlte mich fremd, als
der Schnee kam. Aus dem Dunkel,
aus dem Nichts. Lagerte sich um mich
wie ein Belagerer einen Feind, und
starrte mich ernst und wortlos an.
Mein Herz klopfte, ich wartete ab und
ließ mich prüfen. Dann umarmte mich
der leise Schnee und geleitete mich
aus dem Wald wie ein treuer Begleiter.
Manchmal sind wir Zuhause in
der Natur, doch manchmal sind wir
nur Besucher in einer fremden Welt.

– Che Chidi Chukwumerije
29.01.2020 (18:53h)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

HERR…

Ich danke Dir
Für ein volles Jahr
Das schnell ging und langsam
Gleichsam

Für jede als Gedicht
Getarnte Einsicht
In der Weisheit und der Liebe
Getriebe

Für das Reifen
In meinem Begreifen
Für die Gabe
Einer neuen Aufgabe
Immer wieder
Immer und immer wieder

Für das alte und das neue Jahr
Für das Begegnen und Beseitigen jeder Gefahr
Für Deine Güte, Herr, und Deine Treue
Und Vergebung, nach allem, was ich bereue
Für den Ruf der Ewigkeit
In aller Ewigkeit, in aller Ewigkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung