Sonnenstrahlen gehen leise spazieren morgens tief im leeren Laubenwald, heben die Köpfe, die zitternd frieren, und schieben sie in jeden dunklen Spalt zwischen Wurzel, Äste und Zweige hinein, grüne Blätter gibt es hier nicht mehr oder noch nicht, die Januarluft ist rein, ich sitze allein im Bus, allein ungefähr, drei Mitfahrende sind auch hier drinnen, meine Aufmerksamkeit gilt nur dem Wald, sonnengestreichelt, und mein Sinnen gilt Gottes allumfassendem zarten Gewalt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Gott
GEWICHT
Manchmal spüre ich
das ganze Gewicht des Seins.
Alles Streben, alles Leiden, alles Sehnen
der Welt ist meins.
Alles, was meins ist, ist Deins.
Alles, was wir sind und haben,
stammt von Gott, ist SEINs.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
HÖHER ALS ZWEISAMKEIT
Die meisten Menschen suchen nicht Gott, sondern die Zweisamkeit. Die meisten Menschen suchen nicht Freude in der Verbindung mit dem Höchsten und dadurch mit dem großen Ganzen, sondern sie suchen Freude in dem Erleben und Pflegen der Zweisamkeit; eine Verbindung, die wir dann Liebe nennen.
Dadurch grenzen wir uns ein und ketten uns den Frust des Unerreichbaren an.
Die Zweisamkeit ist schön, ist aber nur ein natürlicher Bestandteil der Verbindung zum Höchsten. Nur in diesem Zusammenhang ergibt sie sich auf natürlicher Art und Weise und wirkt fördernd, ergänzend, befreiend, nicht einengend, sondern Freude verstärkend.
Ihre zeitweilige Abwesenheit dagegen wird nicht als Druck oder Leiden oder „Einsamkeit“ empfunden, da die wahre Freude grundsätzlich und allein in der Verbindung zum Höchsten, zum Gott, also zur Liebe Selbst, und dadurch innig zum großen Ganzen, liegt.
Du magst ihn mit welchem Namen auch immer nennen, wie Du willst. Aber such unermüdend und offen nach der Bedeutung des Höchsten, des Lebensanfangs, nach dem Anfang und Inhalt der Naturgesetze, dem Leben selbst, der Klarheit, der allem übergeordneten Liebe, und nach der Verbindung zu ihr. Nur im Suchen und, viel mehr, im Finden und Verbinden wirst Du wirklich glücklich sein.
Denn dadurch, in diesem „Zusammenhang“, findest Du auch Dich und die Bedeutung und den Sinn Deines Seins, dessen Erfüllung allein glücklich macht.
Und alles andere, was Dir während dieser Suche bleibend oder zeitweilig wird – ob Zweisamkeit oder mehr, ob Reichtum, Herausforderung oder was auch immer – wird sich nur in diese Grundfreude innig einstimmen.
Che Chidi Chukwumerije
IMMER DA
Das, was Du nie siehst weil es unsichtbar und so fremd ist… An dem Du Dich aber hoch ziehst unbewusst, weil es stets da und nah ist… Was Du nicht begreifen kannst, weil es einfach und allem übergeordnet ist… Das, was Du nicht ahnst, weil es selbstverständlich doch nicht oberflächlich ist… Das Vorhandensein von Gott - Das Empfinden der Tatsache, daß Gott ist. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SEHNSUCHT NACH WAHRHEIT
Ich habe heute kein Gedicht Mein Herz sehnt sich nach Wahrheit Nach Gott und nach geistiger Pflicht Nach Erfüllung aber mir fehlt Klarheit Die Welt ist laut, ist leer, ist schwer - Keine Kultur kennt den Weg mehr Zur Ruhe, zum Menschsein, zur Umkehr. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER ZUSAMMEN-HANG VON OBEN UND UNTEN
Wenn Du lange in Dir suchst, in allen Ecken und Räumen in Dir drinnen, in jeder Hoffnung, in jeder Angst, inmitten Deiner jeden Erfahrung, wenn Du kraft aller Deiner Sinnen jeden Gedanke und jede Empfindung untersuchst, findest Du eines Tages nach langem Ringen In Dir den einen Zusammenhang, wo Deine Liebe zu Gott und Deine Liebe zu Menschen im Einklang miteinander schwingen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
OHNE VERSTÄNDNIS
Versteht ein Tier, daß es einen Menschen nicht verstehen kann? Oder denkt es, der Mensch ist nichts mehr, als die wenigen Rufworte, die es verstehen kann? Versteht der Verstand, daß er Göttliches nicht verstehen kann? Oder denkt er, Gott gibt es nicht, einfach nur weil er Göttliches nicht verstehen kann? Menschen reden und reden miteinander und verstehen nicht mal einander gegenseitig. Menschen schweigen und schweigen miteinander und trotzdem verstehen sich nicht gegenseitig. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NEBELVORHANG
Es ist etwas da Wir sehen es nicht Wir wissen nicht, daß es da ist, geschweige denn es zu begreifen, also zu verstehen und erkennen, oder einfach nur irgendwie wahrzunehmen Aber es ist da. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE GERECHTIGKEIT GENANNTE LIEBE
Es wird eine Liebe in Dir aufsteigen, grenzenlos, wissend, getüncht in Schweigen, sonderbar, kindlich, neu und sehr eigen. Es ist die älteste Liebe, die es gibt - eine Treue tiefer und echter als Pflicht - die durchschaut, versteht, aufbaut und vergibt: Es ist die Liebe zu Gott und zum Licht. Aber an diese Eigenart sollst Du Dich stets erinnern: Sie läßt trotzdem niemals das Unrecht gewinnen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EINE TIEFERE SCHÖNHEIT
Irgendwas kommt von Oben. Wir spüren es und können es Nicht einordnen hier im Groben. Wir empfangen es, nennen es Viele Namen. Ich empfinde es Als die Anziehung der Schönheit. Ich bereise die Welt und finde es In der Sehnsucht der Menschheit Überall zum Ausdruck gebracht, Mal mehr, mal weniger gelungen, Als hätte Gott einmal liebevoll gelacht Und die Kulturen haben nachgesungen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
