SEHNSUCHT NACH WAHRHEIT

Ich habe heute kein Gedicht
Mein Herz sehnt sich nach Wahrheit
Nach Gott und nach geistiger Pflicht
Nach Erfüllung aber mir fehlt Klarheit
Die Welt ist laut, ist leer, ist schwer -
Keine Kultur kennt den Weg mehr
Zur Ruhe, zum Menschsein, zur Umkehr.

Che Chidi Chukwumerije 
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

DER ZUSAMMEN-HANG VON OBEN UND UNTEN

Wenn Du lange in Dir suchst,
in allen Ecken und Räumen in Dir drinnen,
in jeder Hoffnung,
in jeder Angst,
inmitten Deiner jeden Erfahrung,
wenn Du kraft aller Deiner Sinnen
jeden Gedanke und jede Empfindung untersuchst,
findest Du eines Tages nach langem Ringen
In Dir den einen Zusammenhang,
wo Deine Liebe zu Gott
und Deine Liebe zu Menschen im Einklang
miteinander schwingen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

OHNE VERSTÄNDNIS

Versteht ein Tier, daß
es einen Menschen nicht verstehen kann?
Oder denkt es, der Mensch ist nichts mehr,
als die wenigen Rufworte, die es verstehen kann?

Versteht der Verstand, daß
er Göttliches nicht verstehen kann?
Oder denkt er, Gott gibt es nicht,
einfach nur weil er Göttliches nicht verstehen kann?

Menschen reden und reden miteinander
und verstehen nicht mal einander gegenseitig.
Menschen schweigen und schweigen miteinander
und trotzdem verstehen sich nicht gegenseitig.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

NEBELVORHANG

Es ist etwas da
Wir sehen es nicht
Wir wissen nicht, daß es da ist,
geschweige denn es zu begreifen,
also zu verstehen und erkennen,
oder einfach nur irgendwie wahrzunehmen
Aber es ist da.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE GERECHTIGKEIT GENANNTE LIEBE

Es wird eine Liebe in Dir aufsteigen,
grenzenlos, wissend, getüncht in Schweigen,
sonderbar, kindlich, neu und sehr eigen.

Es ist die älteste Liebe, die es gibt -
eine Treue tiefer und echter als Pflicht -
die durchschaut, versteht, aufbaut und vergibt:
Es ist die Liebe zu Gott und zum Licht.

Aber an diese Eigenart sollst Du Dich stets erinnern:
Sie läßt trotzdem niemals das Unrecht gewinnen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EINE TIEFERE SCHÖNHEIT

Irgendwas kommt von Oben.
Wir spüren es und können es
Nicht einordnen hier im Groben.
Wir empfangen es, nennen es
Viele Namen. Ich empfinde es
Als die Anziehung der Schönheit.
Ich bereise die Welt und finde es
In der Sehnsucht der Menschheit
Überall zum Ausdruck gebracht,
Mal mehr, mal weniger gelungen,
Als hätte Gott einmal liebevoll gelacht
Und die Kulturen haben nachgesungen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SEIN WORT IST WICHTIGER ALS SEIN BLUT

Alle denken an das Blut.
Aber wer denkt an das Wort?
Die wahre Erlösung beruht
nicht aufs Blut, sondern den Mut
zu leben nach dem Christuswort.

Wiederauferstehen durchs Wort,
gelebt, ist der Erlösung Attribut.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE WELT IST NICHT GROSS GENUG

Die Welt ist nicht groß genug
Der Geist, er trachtet nach Unendlichkeit
Die Welt ist nicht alt genug
Der Geist, er versteht nur die Ewigkeit

Und fliegt und fliegt und reist und reist
Erschöpft sich an der materiellen Schöpfung
Doch die Welt ist nicht reichhaltig genug
Und er findet nirgends seine Befriedigung

Außer an diesem einen Orte
Bühne des innersten innigsten Geschehens
Tief in seinem eigenen Geiste
Blüht der Bruchteil eines tiefen Ahnens

Dort, wo er den Drang findet
Zum Geben in wahrer Selbstlosigkeit
Dort wo er die Verbindung empfindet
Zur Erkenntnis Gottes unerreichbarer Heiligkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DANKBARKEIT DEN ÜBERSEHENEN

Ich liege im Hotelzimmer
und sehe alles außer der Lichtquelle
in dessen Lichtschimmer
ich alles sehe an Ort und Stelle -
Eine einfache Tischlampe an der Bettseite.

Manch einer verschafft uns Freizeit,
doch die teilen wir lieber mit anderen -
Manch einer macht uns bereit;
damit arbeiten wir aber lieber bei ‚Besseren‘ -
Der erste am Ende ist häufig der zweite.

Dankbar möchte ich denen sein,
die immer und selbstlos in Liebe geben…
und Dem ohne dessen Da-Sein
wir niemals hätten Bewusstsein und Leben
noch das Ahnen deren wahrer Tragweite.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DAS TIEF VERANKERTE WISSEN VON GOTT

Ich glaube an Deine Liebe
obwohl es aus der Mode gefallen ist
davon zu sprechen
oder an Dich zu glauben

Alle, die es noch tun,
noch wirklich tun
in einer tiefen Ecke ihrer Seelen,
behalten es für sich schweigend

nach dem Motto:
„Schütze, was dich schützt.“

Und dennoch redet die Natur von Dir
Ordnung und Veränderung reden von Dir
Selbst die Lächeln der Zweifler
reden, unbewusst, von Dir
in jenen Momenten, wo sie sich einfach
kindlich darüber freuen, daß sie leben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung