ÜBER DICH

Wie kann ich Dir helfen?
Sag es mir ruhig.
Wenn Du mir weh tun willst,
ja, auch das tu ich.

Wärst Du dann glücklich?
Erkläre es mir bitte
Was gibt Dir meine Stärke
gegenüber Deine Tritte?

Denn schwach bin ich nicht.
Du darfst mich verletzen
wenn Du das brauchst
um mich einzuschätzen.

Was Du aber mit mir machst
wenn Du über mir bist,
sagt mir wiederum alles,
was über Dich zu wissen ist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

GROSSER GEIST

Es war mal ein Geist
So groß wie ein Berg
Er bewohnte einen Körper
So klein wie ein Zwerg

Er hatte Gedanken
So hoch wie ein Baum
Aber seine Stimme
Füllte kaum einen Raum

Er half vielen Menschen
Aber sie wussten es nicht
Denn er machte es heimlich
Zeigte nie sein Gesicht

Er möchte nicht, daß Du
Entdeckest, wer er ist…
Er will nur, daß auch Du
Ein bescheidner Diener bist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WO DER BODEN NICHT BEREIT IST

Helfende Worte helfen nicht immer,
wo der Boden nicht vorbereitet ist,
Hilfe anzunehmen. Es wird schlimmer
noch, treffen sie auf einen Narzisst.
Der Helfenwollende berührt eine Wunde.
Der Hilfeablehnende, in seinem Abgrunde
gefangen, fühlt sich erwischt, ist angepisst!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ICH BESUCHTE DEIN INNENLEBEN

Ich besuchte Dein Innenleben
eines Tages, als Du abwesend war,
und ich geriet in ein Herzbeben,
das wütete unstet, unberechenbar -
Grund für sein Auslösen war unklar,

denn Du warst ja nicht zugegen.
Sag, brennt es andauernd in Dir?
Wann wird sich Deine Unruhe legen?
Ich hinterlass jetzt ein Teil von mir
in Dir, wie Tinte als Gedicht auf Papier.

Irgendwann kommst Du wieder nach Hause
und findest anwesend die innere Kraft,
Ruhe zu wagen, Frieden, eine Pause
zu machen, denn die Stille verschafft
Dir die Krönung Deiner Wanderschaft.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FLUCHTBEGLEITER

Ich kann Dir Deine Bürde nicht nehmen
Jeder muss mal einen Fluchtweg wandern
Keiner von uns sollte sich deshalb schämen
Vor sich selbst oder über den andern
Das würde uns als Menschen lähmen

Ich möchte unser Menschentum mit Dir teilen
Auf daß wir uns gegenseitig begleiten
Auf der Flucht vor Unmenschlichkeit in Menschlichkeit weilen
Den Verstand beruhigen, das Herz ausweiten
Die Wunde - Misstrauen - wieder heilen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DER WEG INS HERZ

Der Weg durch den Nebel…
Der Nebel durch den Weg…
Nur Mut! Ohne Staub kein Eichenlaub.
Denn das ist ein Menschenherz,
das Du ausschachten möchtest.
Den Kessel vorsichtig doch entschlossen einkesseln,
und achte nicht auf den Furor seines Widerstands,
wenn Du ihn wirklich liebst
darfst Du seiner Liebesangst nicht beipflichten.
Denn das ist ein Menschenherz,
dadrin schlummern Emotionen, nicht Steinkohle –
Du darfst sie lockern und rausholen
Du musst sie anzünden
Er muss mit Liebe und Leidenschaft wieder brennen,
sonst stirbt er langsam, sonst stirbt er bald.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DAS, WAS WIR TEILEN

Manchmal triffst Du jemanden
irgendwo irgendwann
der gerade dann
nirgendwo ist.

Ohne, daß Du es weißt, bist Du
genau dann genau dort
alles, was er hat,
alles, was sie braucht

Orientierung
Stärkung, Freude und Nahrung
Hoffnung
Genau so, wie Du bist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DENN DU BIST NICHT ALLEIN AUF DEINER REISE

Weltenwanderer, Mensch
Getrieben durch sich selbst
Aus sich selbst heraus
Bis unter die Haut –

Ruhelos, ewiger Sucher
Seiner eigenen Seele treuester Besucher
Der Mensch bereist die Welt
Auf der Suche nach sich selbst

Das, was er am meisten braucht
Einen Begleiter, der mit ihm nach Vorne schaut
Der mit ihm die Reise teilt
Seine Sorgen kennt, seine Wunden heilt

Bis er irgendwann sein Ziel erreicht
Und Abschied nehmend wehmütig begreift
Die Reise selbst war ein Weilen
am magischen Ort,
Der nun scheidende Begleiter
ein Freund treuester Sorte.

– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung.

MEINE GÜTE

Des Messers Klinge, heiß, scharf, zweiseitig
Ich komme nicht zur Ruhe – oder nur einseitig
Wie helfe ich am Besten dem Hilfsbedürftigen?
Ihn von seinem Leid erlösen, vielleicht ungereift?
Oder ihn leiden lassen, auf daß sein Leid ihn reift?

Meine linke Hand streitet sich mit meiner rechten Hand
Heißt ein Naturgesetz zu gehorchen
Ein anderes zu brechen?
Gewissen, Vernunft, Empfindung, Gefühl, Verstand
Wie kann man dem Gesetz gehorchen
Ohne das Herz zu brechen?

– Che Chidi Chukwumerije.

KOHLENTANZ

Diese Kinder, die Sterben
Gründe dafür gäbe es tausendfach
Doch Gründe genug kennt mein Herz
Tausendfach trifft der Schmerz ein
Ohnmächtige Tränen…

Noch einen Grund gibt es auch
Grund, Hilfe zu schaffen
So wissend war die Menschheit noch nie
Doch so blind auch

Dein Schmerz, er sucht mich heim
Warum? –
Dein Schmerz, er sucht sich ein Heim
Klopft an die Tür meines Herzens,
dieses heute unsagbares Wort!

Je länger ich tatenlos bleibe
Desto heißer brennt die Kohle
Während anderswo auf diesem Planeten
Kinderherzen erfrieren.

 – Che Chidi Chukwumerije