Immer Nach dem der Sturm gewütet hat Immer Nach dem der Sturm sich gelegt hat Immer Ist es darnach so Als wäre überhaupt nichts passiert Immer Ist es darnach so seltsam still… sterilisiert… saniert. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
HERZ
WER KENNT SICH SELBST WIRKLICH?
Eine dieser Nächte
Wo ich mein eigenes Herz nicht kenne…
Es kommt mir entgegen
Und ich renne und renne und renne und renne
Weil ich es für einen Fremden halte
Und nicht als mein eigenes Herz erkenne.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
MEINE SPRACHE
Wie lange stehe ich schon hier zwischen Dunkelheit und Licht, und warte auf irgendjemanden, der meine Sprache spricht? Nicht Deutsch, Englisch oder Igbo - für die gibt‘s schon viele Sprechenden. Nicht Mundart oder Körpersprache, noch die Zeichen der Gebärdenden. Keine KI kann meine Sprache übersetzen, das schafft nur menschliche Empfindung. Denn was die innere Stimme sagt, ist für die gleichartige geistige Gesinnung. Die Stadtmitte ist voller Spaziergänger auf der Suche nach wahrer Gleichart, nach jemandem, der ihre Sprache spricht, unter der Haut sind sie wund und zart. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
HERZSPAZIERGANG
Ich würde gerne unbemerkt durch Dein Wald spazieren gehen aber laut sind meine Schritte leider, noch bin ich zu übersehen Kaum tauch ich in Deinem Herz auf so läufst Du mir wild hinter her rufend, Hände nach mir streckend Ich fliehe, jetzt ist’s wieder leer. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
TIEFERE EMPFINDUNGEN
Mein Herz behält gerne für sich, was meinen Verstand nichts angeht - und das ist wortwörtlich unbedenklich. Der Kopf schadet nicht, was er nicht versteht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
FLAMMEN
Werden wir zu Flammen Halten wir zusammen Erhellen wir wie mit Kerzen Die Welt mit Menschenherzen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
STROMWANDLER
Spürst Du auch manchmal diese Liebe, stärker als Sucht, stärker als Triebe? Diese überwältigende Liebe in Deiner Brust - für was oder wen, ist Dir nicht bewußt. Sie weckt Dich nachts zum nachdenken, sie macht Dich Tags zum Träumenden, sie erfasst manchmal urplötzlich Dein Herz mit einer Druckkraft intensiver als Schmerz. Du willst sie in Taten spenden und empfangen, sie in allen Augen sehen, als inniges Verlangen. Woher? Wohin? An wen, was? Wofür? Dieses umfassende, alles hebende Gespür. Als wären wir, unruhige Weltenwanderer, gleichzeitig im Einsatz als Stromwandler einer liebevollen Kraft von weit weit oben, die sich verankern will auf irdischem Boden. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ICH VERSTEHE DIE DINGE ANDERS
Mein Herz sagt mir Dinge die ich nicht verstehe dennoch folge ich… Ich folge furchtlos und ginge es in Orte wo ich nichts sähe trotzdem folge ich… Es wird alles gut sein. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ES IST ECHT
Es sieht leicht aus, ist es aber nicht. Es ist echt. Und echt ist nicht leicht. Es wäre unfair und ungerecht, als leicht zu bezeichnen das unberechenbare menschliche Herz, nur weil es schwankt zwischen Tiefe, Spiel, Freude und Schmerz ohne sich zu entscheiden, welcher Weg nach Hause führt, denn alles ist gleichsam wertvoll was das Herz innig berührt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WENN SCHMERZ EINE BLUME WÄRE
Wenn Schmerz eine Blume wäre, wären unsere Herzen Gärten - Träume, die wir gestern nährten; Sorgen, die in uns einst gärten und uns das Hoffen erschwerten; Der Verlust früherer Gefährten; Alle blühten auf in unseren Gärten, wenn Schmerz eine Blume wäre. Tränen süß wie Regen, die das Verlangen erregen, die Sehnsucht nach dem Licht - Ein Herz, das bricht … und aufbricht dem Licht entgegen fieberhaft mit tausendfacher Blumenkraft! Wenn Schmerz eine Blume wäre, wären unsere Herzen blühende Gärten. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
