DAS HERZ IN DER ECKE

Ich habe Distanz und Distanziertheit
mit so vielen Menschen intim geteilt -
Und je intimer die geteilte Zweisamkeit,
desto mehr habe ich mich gelangweilt.
Das Herz kann in einer Ecke leise sitzen,
dem Treiben seines Besitzers still beisitzen,
hoffend, eines Tages etwas Wahres zu besitzen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

HERZ

Wir suchen Lösungen
wo es keine gibt -
im Sieg.
Wer Sieg braucht
braucht Krieg.

Nur der findet Lösungen
der ins Herz eintaucht -
und gütig, mutig, vergibt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HEIMAT DES HERZENS

Was Du sagst, macht manchmal keinen Sinn,
Dennoch empfindet mein Herz seine Heimat dadrin.
Es macht für den Verstand oftmals keinen Sinn;
Doch wo es Empfindung spürt, da will das Herz hin.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GROSSES VERLANGEN

Nicht die Größe des Universums,
sondern die Tatsache, daß alles Stoffliche
zusammen trotzdem nicht groß genug ist,
um das Herz zu füllen, ist das Erstaunliche.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE GEDANKEN SIND UNFREI

Die Gedanken sind unfrei,
gebunden an Neigungen,
an Hängen und an Lastern,
an Wunden und Erinnerungen -

Die Gedanken sind unfrei,
gefesselt an Vorurteilen,
an Voreingenommenheiten,
gewurzelt in festen Erdteilen.

Die Gedanken sind nicht frei,
wie Monde kreisend festgehalten
im Bann Deines inneren Selbsts,
deren Sinn sie immer enthalten.

Die Gedanken sind nicht frei
und sie machen nicht frei -
Nur das Herz kennt die Kunst
der wahren freien Fliegerei.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HERZSURFEN

Manche surfen das Netz
Manche surfen Herzen
und zünden dadrinnen Kerzen an
Nicht Kakophonie, sondern Symphonie,
Harmonie und Sympathie
verlangt von uns das Schöpfungsgesetz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WIE TIEF DEIN HERZ IST

So viele Gedanken
sind Erinnerungen
die als Gedanken
und Empfindungen
zurückkehren.

Wie tief Dein Herz ist
weisst Du nicht
Wenn Dich Schmerz frisst
möchte das Licht
Dich Tiefe lehren.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

IN DER NACHT

Das Licht scheint am Hellsten in der Nacht,
ich weiß nicht warum, vor allem nach Mitternacht.
Die Menschen sind am unsichtbarsten tagsüber,
maskiert, abwesend, verlogener, härter, trüber.
Brauchen wir das Dunkel um Licht zu sein?
Steinharte Herzen schmelzen bei Mondschein,
was vorher Weh tat, wird noch schmerzvoller,
die Empfindung wird empfindsamer, das Herz voller,
Umarmungen werden länger und immer länger
und enger, und enger, und enger, und enger.
Und die, die beten, stellen mit Erleichterung fest,
daß das Gebet wahr ist, eher es ihre Brust verlässt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HERZ ZU HERZ

Komm mir nicht zu nahe
um zu hören, was ich flüstere
Nähe macht nicht lauter
das Helle oder das Düstere
eines Menschen Inneren.

Allein das Herz entziffert
was das Herz leise flüstert.

Ich weiß nicht, wo Du jetzt seist
Du bist schon so lange fort -
Bist auf der Erde oder im Jenseits?
Dennoch höre ich Dein jedes Wort
in meinem Inneren.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

DRIN

Ich bin drin
Es macht keinen Sinn
Dich noch zu zu machen
Ich bin schon drin
Ich wohne in Deinem Lachen
Ich höre mich hallen
und nachhallen
wie ein Gefühl in Deinem Bauch
und ein Klopfen in Deinem Herz auch.

Che Chidi Chukwumerije 
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung