INNERLICH LESEN

Wir dürfen heute die 95 Thesen lesen und uns von ihnen leiten und aufklären lassen. Martin Luther dagegen hat sie nirgendwo gelesen, denn sie waren ja noch nicht geschrieben. Dennoch wusste er sie. Woher wusste er sie? Er hat auf seine Innere Stimme gehört. So mächtig ist die Innere Stimme des Menschen, die Stimme seines Geistes, wenn er sie in seiner Seele sprechen lässt und sich ihr nicht verschließt. Sie lehrt uns den Unterschied zwischen richtig und falsch.

Che Chidi Chukwumerije

MEIN NEUER FREUND

Freundschaft
Ich machte unlängst eine neue
Bekanntschaft
Und genoß mehrmals täglich seine
Gesellschaft
Er teilte mit mir meine jede
Leidenschaft
Bewies aber auch die ungetrübte
Eigenschaft
Mich zu spiegeln durch seine zarte
Gegnerschaft
Mir gegenüber.

Und er sah so aus, wie ich
Und zeigte mir einen anderen mich
Denn ich hatte mich als Freund entdeckt
Und gewonnen und behütet wieder versteckt
Als wäre Zeit Ort und Ort Zeit
In den Zwischenmomenten meiner Alleinigkeit
Euch gegenüber.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

www.facebook.com/686560623/posts/10162574904940624

UNERHÖRT UND DOCH GEHÖRT

Wir leben ein lautloses Leben
Ein paar Jahrzehntelang wenn überhaupt
In dem meistens das Leere
Uns die größte Lehre
Erteilt in der Leere.

Laut und lauter und immer lauter
Wird die Welt. Immer verzweifelter die Leere
Die die Innere Stimme dennoch hört
Da wo sie hingehört
In Deinem Herzen unerhört.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

EMPFINDUNG

Sehen ist das Hören der Augen
Hören das Sehen der Ohren
Mein Herz wird Dinge aufsaugen
Die einst meine Gedanken verloren

Wie bunte Ideen eines Träumers
So verschieden die Menschen sind –
Sind wir Kinder des Sommers
Oder ist der Sommer unser Kind?

Jenseits jedoch des Sinnenfensters
Höre ich hinter den Masken
Die sorgenden Augen des Winters
Deren Finger nach mir tasten

Meine Art ist meine Art zu leben
Zu vergeben und mich zu benehmen –
Wollen wir uns gegenseitig wirklich erleben
Müssen wir mit der Empfindung wahrnehmen.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

ERKENNEN LERNEN

Die Wirkung des Weins
Gleicht der der Dichtung
Das Bewusstsein des Seins
In ganz neuer Belichtung
Zu offenbaren

Ich trinke weder Bier noch Wein
Dafür jede Nacht
Erhellt und berauscht mein Bewusstsein
Aus der Empfindung ausgedacht
Dichtung neugeboren

Höre auf Deine Innere Stimme
Lerne zu erkennen
Das Dir Nützliche, Dir Gute,Dir Schlimme
Und Dich zeitlich zu trennen
Vom Trennbaren.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

PANTOMIME

Je länger ich dem Winde lausche,
desto deutlicher höre ich die Innere Stimme.
Rätselhafte Austausche
Ego-Pantomime.

– Che Chidi Chukwumerije.

INN’ BLICK

Mit Blick auf den Inn
Ausblick mit sechstem Sinn
Woher, ich, wohin?
In diesem Urlaub ist alles drin.
img_3019
Che Chidi Chukwumerije.

MENSCHENGEIST

Kann man ohne politisch zu sein trotzdem den Zeitgeist treffen, spiegeln, sogar beleben, treiben, lenken? Kann man in seinen Handlungen, auch wenn sie weder politisch noch politisch-motiviert sind, Lösungen entsprechen, die jenseits der Findungsmöglichkeit aller formellen und informellen politischen Bestreben liegen?

Das politische und politisierte Ausleben vom individuellen und Gruppen-Innenleben, so scheinbar unvermeidbar und wichtig es ist – … manchmal kommt mir vor, als fahren wir im grossen Kreis von Generation zu Generation und nennen es Fortschritt. Wir haben jedoch irgendwo drinnen in jedem von uns auch ein nicht-politisches Teil. Wir spüren es, fühlen uns aber unsicher darüber, wie und in wie weit wir es zur Geltung kommen lassen dürfen oder können. Denn die politisch-gepolten Stimmen raten uns stets davor ab. Irgendwann wissen wir dann gar nicht mehr, wie das geht.

Als ich im Internat in Lagos war, von ’85 – ’91, hatten wir Mitschüler, Muslime, aus dem fernen nigerianischen Norden. Am Anfang waren wir alle 11-jährige Kinder. Doch als wir 16, 17, wurden, in den letzten Jahren, Monaten und Semestern vor dem Schulabschluss, spürte man es. Einige von ihnen wurden irgendwann in den Ferien anders, glaubensgerecht, sozialisiert, grenzten sich unmerklich bei aller Freundlichkeit ab, sprachen häufiger mit einander in ihrer Sprache, beteten ernsthafter, reagierten empfindlich auf religiöse Themen; ‘wussten’, wer sie sind. Manche sagten trocken, sie mussten sich ja vor den ‘wiedergeborenen’ Christen Stand halten. Die Wiedergeborenen, die Born-agains. Einst waren auch sie sorgenfreie Schulkinder. Jetzt treffen sie sich abends, reden laut in Zungen und verteilen Plätze in Himmel.

Irgendwann, irgendwo, irgendwie, aus welchem Grund auch immer, wird alles politisch – Religion, Ethnie, Nationalität, Alter, Geschlecht, Ideologie, Sexualität, Bildung, ‘Rasse’, Klassengeist, Gesellschaftswesen, Gesundheitsstand, selbst Sport und Freizeitaktivitäten. Auch dann wenn es sich nicht als politische Parteien ausdrückt – denn das tut es selten. Irgendwann wird trotzdem alles zur Politik oder zum Spielball der Politik.

Da die Politik historisch mit dem Erstehen des Staatswesens oder der Gruppenbildung – welches wiederum im Zusammenhang mit Kriegsführung oder Überlebenskampf und Ausdehnungsbestreben sich bildete – ihre Seele fand, wird sie leider vermutlich immer untrennbar von Auseinandersetzungen sein. Wahrscheinlich aus diesem Grund der Versuch der Relativierung durch die Trennung in ‘gute’ und ‘schlechte’ Politik, die je nach macht-habende oder macht-anstrebende Ideologie stets anders definiert wird. Der Mensch, es wird häufig behauptet, ist einfach und grundsätzlich ein politisches Tier.

Doch in dem Augenblick, wo das System zu überhitzen oder zu überkochen droht und alles außer Kontrolle gerät, da spaltet sich die Menschheit bei den entscheidenden Lebensfragen in zwei grundunterschiedlichen Gruppen. – Die eine grabt sich noch tiefer in sein politisches Wesen hinein, greift nach dem Urgefühl seines sozio-politischen oder politico-ideologischen Verstandes zurück und sucht dadrin Halt, Schutz und Orientierung.

Die andere befreit sich Licht suchend von allen Deutungen, Hetzereien und Debatten und tastet wieder nach dem Funke der eigenen nicht-politischen Inneren Stimme, nach seinem eigenen freien und unbeeinflussten Menschengeiste.

– Che Chidi Chukwumerije.

OB DU DAS VERSTEHST ODER NICHT

Warum zitierst Du andere
Wenn in Dir selbst
Die Stimme spricht?
Hast Du Dich noch nicht verstanden
Wirst Du’s bei andern auch nicht

In Dir leben Fragen
Nur die darfst Du stellen
Nicht die Fragen der Anderen
Egal wie gut ihre geistigen Güter scheinen
Sind für Deinen Weg Deine eigenen die Besseren

Allein zählt die Liebe
Ob Du das verstehst oder nicht
Und die Bescheidenheit ist stolzer
Als das Stolzeste, was es gibt.

– CHE CHIDI CHUKWUMERIJE.

ENTSPRECHEND

Wer Politiker sein will
Muss zuerst Mensch werden

Die Menschheit ist auf der Suche
Nach Vervollkommnung auf Erden

Wie viel Ich
Vertragen so viele Herden?

Nur wer Deiner Inneren Stimme entspricht
Dem folgst Du ohne – und trotz – Beschwerden.

– Che Chidi Chukwumerije.