EINMAL TÄGLICH LEBEN

Ich fange mehr Gedanken täglich
als ich nächtlich verarbeiten kann
Und lebe mehr Träume nächtlich
Als ich täglich ausleben kann
Und lIebe mehr Menschen in diesem Leben
als in all den anderen Leben zuvor je tat –
Irgendwas treibt mich an, ich weiß nicht wer
oder was, täglich zu einer guten Tat.

Ein Gedicht reicht nicht
Mildtätigkeit ist nur die halbe Meile
Ein Lächeln ist gut
Und dennoch ist es nicht gut genug…
Nicht die äußere Tat ist an sich die gute Tat
sondern die innere Befehlskette:
Mindestens einmal täglich muß ich den Mut haben,
auf meine innere Stimme zu hören.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WIE WIRKT DAS LEBEN AUF DICH?

Blau ist nur blau
wenn es mich leicht macht
Wenn blau mich jung macht
dann ist blau grün
Wenn es mich heiß macht
dann ist blau rot
Wenn es mich spiegelt
dann ist blau schwarz

Die Nacht ist mein Tag
denn sie hält mich wach
Mein Leben ist mein Traum
aus dem ich erwachen werde,
wenn ich sterbe –
Die Liebe hat mir viel Hass gebracht
und dennoch ist sie die Liebe
denn sie überwindet am Ende den Hass.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ABENDRUHE

Es passte gerade noch
Der Ernst des Abends
Das fast greifbare Gefühl des sich Labens
Am Geräusch des abendlichen Lebens
Die Dankbarkeit aller Teilhaber am Leben
Vom höchsten Berg bis zum dünnsten Grashalm
Das Geschenk eines weiteren Tages
Erleben gedurft zu haben
Und ich… und ich… schweige.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SCHREIBTAFEL

Die Bücher, die mich lesen –
Wachsen sie auch wegen mir?
Die Seiten, die mich wenden –
Verlassen oder suchen sie mich?
Die Zeilen, die mich schreiben –
Sind sie mit dem Ergebnis zufrieden?
Die Punkte, die mich halten –
Sammeln sie sich nur oder war‘s das?

Die Wege, die mich gehen –
Wann kommen sie endlich an?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MIT DIR EWIG LEBEN

Warum kann das Leben nicht ewig sein?
Das Leben muss ewig sein.
Das Leben ist ewig.
Wenn nicht auf Erden
Denn irgendwo sonst
Und dort will ich Dich treffen
Nach dem wir hier auf Erden fertig sind
Und anderweitig weiter suchen dürfen
Denn ich will mit Dir ewig leben, Ayabona.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

GRENZGEBIET

Wie dünn die Trennwand
zwischen Herz und Hand
zwischen See und Sand
zwischen Luft und Land

Kaum lebe ich
bin ich schon tot
Kaum sterbe ich
lebe ich schon wiederholt

Wie dünn die Trennwand
zwischen Kern und Rand
zwischen Wert und Tand
zwischen Bruch und Band

Jedes Wort hat zwei Seiten
Viel zu viele Freundschaften
sind vergiftet von Halbheiten
tödlicher als alle Feindschaften.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung