LIEBE LEICHT LIEBE SCHWER

Dein Leben ist ein Liebesgedicht;
Deine Art zu lieben ist leben;
Viel Erleben und wenig Verzicht;
Alles nehmen, geben, vergeben;
Lieben als Lebenspflicht.

Dein Wissen ist eine Liebeserklärung,
an die Liebe, ohne Erklärung;
Dein Wesen ist pure Liebesbekenntnis,
verwurzelt in der Erkenntnis:
Lieben ist Lebenslicht.

Große Worte, kalt, starr, schwer, hart.
Das war bis jetzt kein Gedicht.
Dein Gedicht kommt abends, leicht, zart,
der klamme Schmerz auf Deinem Gesicht,
Lieben als Lebensgewicht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

Danke Christine für die Inspiration.

DURCH DIE NACHT

Ich mag es, durch die Nacht zu fahren.
Es erinnert mich an die Sehnsucht
nach dem Licht.
Ich fürchte mich nicht.

Ich mag es, durch die Nacht zu fliegen.
Es erinnert mich an das Werben
um die Liebe.
Nur die Hoffnung verbliebe.

Ich mag es, durch die Nacht zu träumen.
Es erinnert mich an den Zauber
meiner Jugend.
Verlorene Tugend.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

BRUDERHERZ

Er lebte voll und ganz sein kurzes Leben
Und ich beobachtete und wanderte daneben:

Den einen schenkte er ein Lächeln
Und erntete viele zurück
Den anderen brach er das Herz
Und brachte sie vorwärts ein Stück
Er hinterließ in mir vor allem den Mut
Zu suchen und zu teilen Wahrheit und Glück –

Denn wir leben, nicht nur um zu erleben
Wir leben, auch um zu beleben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MUTTERMEER

Das Leben stieg aus dem Wasser heraus
Und machte sich auf dem Lande Zuhaus –
Und jeder See,
an dem ich sinnend steh –
Jeder Fluß,
an dem ich entlang laufen muß –
Am Meer,
am besten Strand ernst und leer –
spüre ich, wie das Leben in mir
zurück gezogen wird, Geburtsort, zu Dir.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HALLO WIEDER

Ich war lange tot
Doch keiner merkte es
Denn ich liebte und lachte
Und dichtete, was ich dachte

Ich war kein Schauspieler
Ich war kein Lügner, ne
Ich war ein Schlafwandler
Ein Traumleugner

Ich war tot und wollte nicht sterben
Also lebte ich weiter
Als Schatten meines Lebens –
Den Schatten kann nur der Lichtere werfen

So leicht ist es, als Geist unbemerkt
zu wandeln unter Freunden und Fremden –
So leicht ist es, als Leiche liebend
mit lebenden Lustwandlern zu liegen

So leicht ist es, zurück zu lehren ins Leben
Und keiner merkt, daß Du jahrelang
weg warst. Lange Zeit nicht gesehen,
willst Du sagen. Doch Du sagst stattdessen:

Hallo. Hallo wieder.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EIN LEBEN KURZ EIN LEBEN LANG

Manch ein Mensch
lebt bis ins hohe Alter
nur um zu erfahren, daß
er bereits als Kind starb
und sein ganzes Leben lang
tot war.

Manch ein Mensch lebt lang genug
um zu begreifen, daß sein Leben kurz war.

Doch manch einer überlebt seine Kindheit,
gestärkt durch Liebe oder gewonnenen Kampf
und selbst wenn er jung stirbt,
hat er länger gelebt als alle anderen –
und länger noch wird er leben…
ein Licht für alle Ewigkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

AUSDRUCK

Als ich tot war
und nichts spürte, außer Schmerz,
dachte ich, ich wusste, was Schmerz ist

Als ich, noch tot, anfing
mich nach dem Leben neu zu sehnen
lernte ich, daß der Schmerz des Todes nichts
im Vergleich zum Schmerz der Sehnsucht ist

Dann erwachte ich wieder zum Leben
und verstand, daß weder der Tod
noch die Sehnsucht mehr schmerzt,
als das Leben selbst. Es schmerzt so sehr,
es bringt Deine Freude zum Aus-Druck.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

NICHT DER ERSTE DEZEMBER

Ich frage mich,
wie die Natur das immer macht,
wie die Zeit das jedes Jahr schafft,
ohne Unterlass:
schneller als ich mich verändern kann,
früher als wahrgenommen und erwartet,
der Dezember ist wieder da.

Das waren keine Monate,
die ihm vorausgegangen sind…
waren keine Jahreszeiten.
Das war mein Leben,
das gelebte und das nicht gelebte,
das tief und das oberflächlich erlebte,
und es kommt nie wieder zurück.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE ANDEREN ERDWANDERER

Einst hatte ich Angst vor Tieren
und vertraute Menschen;
Jetzt habe ich Angst vor Menschen
und vertraue Tieren.

Wir sind nicht allein –
Lange bevor wir kamen
Lange nach dem wir wieder verschwinden
waren sie da, werden sie da sein…

Augen größer als Schweigen
Erinnerungen tiefer als Menschengedächtnis;
Wir wollen Tiere erziehen,
sie, unsere feinsten Lehrer.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EHRENAMT: MENSCH

Mich dünkt,
die Schöpfung wird getrieben
wird gehalten wird aufrechterhalten
durch Ehrenamtlichkeit!

Alles, was wichtig was wesentlich ist
Sonne, Regen, Wind, Naturgesetze
Ernte, die Jahreszeiten, sich wiederholend
in selbstloser Regelmäßigkeit!

Doch wir, Menschen, sind so klug geworden
und so leer so einsam so traurig
gefangen in unserem Widerspruch:
wie viel Selbst verträgt die Selbstlosigkeit?

Die wichtigsten Berufe sind unbezahlbar
denoch muss man sie bezahlen –
Die besten Menschen werden ausgenutzt
und Ehre wird quittiert mit Ehrlosigkeit!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung