Sinn gestern ist heute sinnlos. Was ist Wirklichkeit? Macht macht machtlos. Wissen stimmt unwissend. Wo findet das Leben statt? In dem, was ein Mensch ist Oder in dem, was er hat? Du würdest fast denken, die Mächtigen sind wirklich mächtig, nur weil sie die Wehr- und Mittellosen brandmarken als verdächtig. Manchmal wohnt ein Lächeln in Dir. Du weißt nicht weshalb, warum, woher. Es hat keine Meinung zu Weltthemen. Als käme es - und Du - von irgendwo anders her. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Leben
DIE IDEE DES LEBENS
Wenn unsere Ideen uns Mörder nennen würden, weil wir sie nach Belieben formen und zerstören, schaffen und lebendig begraben, hätten sie Recht? Oder sterben die Ideen gerne im Dienst einer höheren Idee?: Die Idee, daß Menschen Ideen wie Stufen nutzen - so werden aus Ideen die Leiter, die zur Verwirklichung der höchsten Idee führt: Leben des Lebens wegen; Lieben der Liebe wegen; Streben des Strebens wegen; Entwicklung der Entwicklung wegen; Schönheit der Schönheit wegen. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DEINE LEBENSZEIT
Das Erdenleben, egal wie lang, ist immer kurz. Wohl dem, der es zum Leben benutzt. Du nennst einen Kriminell doch sein Herz ist auf dem rechten Fleck - Eine Prostituierte ist voller Güte doch Du bezeichnest sie als Dreck. Ein Drogenabhängiger sucht etwas - Hast Du Dich schonmal gefragt, was? Ein psychisch Verstörter fand etwas, unklar, verstörend, durch Nebel und Glas. Armut ist keine Charaktereigenschaft, Du kannst dennoch wie ein Stern leuchten. Flüchtlinge brauchen in unserem Land, was wir in ihrem Land bräuchten. Was empfindet der Obdachlose am ersten Tag seiner Obdachlosigkeit? Nicht viel trennt Menschen voneinander, mittels der Mittellosigkeit. Einsamkeit, Lügen und Gewalt oder Mitgefühl, Mut und Freiheit - Alle weinen im Geheimen. Leb auf, Kind: Deine Lebenszeit, das ist Deine Zeit. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ZEIT ZUM KENNENLERNEN
Wir werden älter ohne älter zu werden als wäre unser Körper süchtiger auf Sterben als wir selbst. Plötzlich ist mein Körper nicht mehr meiner sondern ein kalter Fremder. Sein Weg ist seiner - und er verwelkt. Laß uns deshalb schnell die Zeit nutzen - uns finden, kennenlernen, lieben, unterstützen bevor er wegfällt. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
UNERFÜLLT
Ich muss allerdings gestehen Es fällt mir heute nichts ein Ich habe nichts Neues gesehen War den ganzen Tag allein Nicht ich der Mensch äußerer Gesichter - Sondern ich der innere Dichter. Wie ein Ich in meinem Ich saß ich Und sah mich vieles machen Manchmal ernst, manchmal spaßig Unterwegs mit meinen sieben Sachen - Und ich merkte nicht, daß ich mich beobachtete, Bis der Abend dämmerte und ich erwachte. So wenig leben wir, während wir leben, Das lebendige Ich versteckt sich. So wenig geben wir, wenn wir geben. Das lebendige Ich entdeckt sich erst am Ende seiner langen Lebensreise - Ein Junge unerfüllt im sterbenden Greise. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DAS LACHEN DEINES HERZENS
Manchmal läufst Du viele Meilen, an vielen allein laufenden Menschen vorbei, und bist gefühlt immer noch allein. Manchmal singst Du viele Lieder, in mitten vieler schweigender Menschen, und hörst immer noch keinen mitsingen. Manchmal liebst Du viele Menschen, überlässt jedem ein Stück von Dir und bekommst nichts Greifbares zurück. Dennoch lachst Du morgen wieder, denn das Lachen Deines Herzens ist das einzige, was Dich noch am Leben hält. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ERLEBNISFENSTER
Wo soll ich beginnen? Mit Machen oder mit Sinnen? Kein Ende will ich meinen Präferenzen - kein Abebben meinen Potenzen - doch alles Erleben hat seine Grenzen. Ist kurz das Erdenleben? Oder lang, die Fäden, die wir weben? Das Erlebnisfenster lebt in Momenten flüchtenden Sehnens, in Fragmenten von Küssen, Händchenhalten, Argumenten. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

Danke, Christine, für den Anstoß.
LIEBE LEICHT LIEBE SCHWER
Dein Leben ist ein Liebesgedicht;
Deine Art zu lieben ist leben;
Viel Erleben und wenig Verzicht;
Alles nehmen, geben, vergeben;
Lieben als Lebenspflicht.
Dein Wissen ist eine Liebeserklärung,
an die Liebe, ohne Erklärung;
Dein Wesen ist pure Liebesbekenntnis,
verwurzelt in der Erkenntnis:
Lieben ist Lebenslicht.
Große Worte, kalt, starr, schwer, hart.
Das war bis jetzt kein Gedicht.
Dein Gedicht kommt abends, leicht, zart,
der klamme Schmerz auf Deinem Gesicht,
Lieben als Lebensgewicht.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

Danke Christine für die Inspiration.
DURCH DIE NACHT
Ich mag es, durch die Nacht zu fahren.
Es erinnert mich an die Sehnsucht
nach dem Licht.
Ich fürchte mich nicht.
Ich mag es, durch die Nacht zu fliegen.
Es erinnert mich an das Werben
um die Liebe.
Nur die Hoffnung verbliebe.
Ich mag es, durch die Nacht zu träumen.
Es erinnert mich an den Zauber
meiner Jugend.
Verlorene Tugend.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
BRUDERHERZ
Er lebte voll und ganz sein kurzes Leben
Und ich beobachtete und wanderte daneben:
Den einen schenkte er ein Lächeln
Und erntete viele zurück
Den anderen brach er das Herz
Und brachte sie vorwärts ein Stück
Er hinterließ in mir vor allem den Mut
Zu suchen und zu teilen Wahrheit und Glück –
Denn wir leben, nicht nur um zu erleben
Wir leben, auch um zu beleben.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
