DIE DORNEN DER ROSE

Wenn ich mich von Dir trenne
Würdest Du darin die Liebe erkennen?
Wenn der Schmerz unerträglich brennt
Würdest Du darin die Liebe erkennen?

Wenn der Weg steinig wird und hart
Würdest Du darin den Weg erkennen?
Wenn der Weg Dich verändert hat
Würdest Du Dich darin erkennen?

Was ist Liebe, wenn Du einsam bist?
Was ist Liebe, wenn Du ein Sucher bist?
Wieso schickt sie uns keine Gesellschaft?
Dreht sich weg und wünscht uns viel Kraft.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DAS GEWICHT DER UNENDLICHEN LIEBE

Harte Kanten
Der Tisch, wie ein Rücken,
Trägt alle meine Bücher
Alle meine Gedanken
Und bricht nicht
Seine Kanten sind
Hart
Fest
Scharf
So schön ist er, der Tisch.

Weiche Kurven
Die Frau, wie eine Palme,
Erträgt alle meine Forderungen
Alle meine Träume
Und gibt nicht nach
Ihre Kurven sind
Weich
Fest
Zart
So schön ist sie, die Frau.

So schön ist er, der Tag
So schön ist er, der Abend
So schön ist sie, die Nacht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

BLEIBT DIE LIEBE DIE WAHL

Weißt Du wie viel
Menschen stehen
Unter Obdachlosenzelt?
Weißt Du wie viel Träume
Liegen in zig Gräbern auf der Welt?
Gott der Herr hat sie gezählet
Daß ihm auch nicht eines fehlet
Selbst in tiefstem Leid und Qual
Selbst im dunklen Menschental.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

AMORS PFEILE

Nach der Liebe kommt der Kater
Verführer Amor war der Vater
Lebenslang nun ich die Mutter
Grimm und Bitterkeit das Futter
Meines gebrochenen Herzens

Es wurde schon Tabak verboten
Cannabispflanzen, Rauschschoten
Zigaretten und Rauch aller Arten –
Doch die Liebe ist im Lebensgarten
Das Rauschgift der besten Schmerzen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VERFÜHRT

Er sprach und sprach und sprach
Bis sie ihm glaubte
Und glaubte und glaubte und glaubte
Lange nachdem er sein Wort brach
Und sich selbst widersprach
Glaubte und glaubte sie weiter und weiter
Bis sie daran zerbrach.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

VOR DEM ABENDGEBET

Bevor mein Tag zu Ende geht
Möge er endlich beginnen
Dem Leben gibt es kein Entrinnen
Gegen den Tod allein ist zu gewinnen
Des Wesentlichen, der Liebe, besinnen
Der Zuversicht, der Freude im Innen
Sollst Du Dich, mein Ich, mein Morgengebet.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MORGENDLICHER REGENGESANG

Der Regen hat angefangen
zu trommeln
und beim Trommeln tanzt er

Morgendliche Tanzschritte
führen meine Ohren aus der Mitte
meines Traums
bis ans Fenster meines Schlafraums
hinter dem Vorhang
Regengesang.

Und als der Regen die Erde leckte
stieg der Geruch der Erde und er weckte
irgendwo in der Nachbarschaft
eine leise Stimme mit sanfter Kraft
Regnerische Morgenritte
Lauter werdend „ja, bitte, bitte…!“

Die Brise hat angefangen
zu atmen
und beim Atmen seufzt sie und flüstert mit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SCHÖPFEN

Durch Dich dämmert es mir
Was das ist – Weiblichkeit.
Ich schöpfe und schöpfe aus Dir
Wie aus einer Quelle zur Unendlichkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

LIEBESKRANK

Für eine Ohrfeige
Schenkt sie Dir ein dunkles Grinsen
Daß Dich erschreckt und befriedigt
Denn Du merkst, sie ist krank
Krank vor Liebe
Krank ohne Liebe

Und Du weißt nicht,
Welchem Teil von Dir Du gehorchen sollst:
Dem Biest oder dem Engel
Dem Feigling oder dem Ritter.
Denn Du möchtest sie töten
Und Du möchtest sie retten.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MIT DIR EWIG LEBEN

Warum kann das Leben nicht ewig sein?
Das Leben muss ewig sein.
Das Leben ist ewig.
Wenn nicht auf Erden
Denn irgendwo sonst
Und dort will ich Dich treffen
Nach dem wir hier auf Erden fertig sind
Und anderweitig weiter suchen dürfen
Denn ich will mit Dir ewig leben, Ayabona.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung