VERMEHREN

Wenn ich Gedichte den Armen,
Gedanken den Verlorenen,
Lächeln den Einsamen,
Dienste den Alten,
Liebe den Verlassenen,
und mich Dir
geben würde, was hätte
ich dann noch übrig für mich?
Nichts? Oder alles?
Oder mehr?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

KLEINE ERWACHSENEN

Die Kinder machen gut mit
als können sie besser lesen
die Seele der Schöpfung und
die Herzen der Erwachsenen
als wir die ihren…

Sie schenken uns Lächeln
wenn wir nachdenklich werden
heitern uns mit ihrem Blödsinn auf
und suchen uns ab und zu auf, einfach
nur um uns kurz in die Augen zu schauen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

BLÄTTER WENDEN

Manchmal steht so viel zwischen uns
die Worte reichen nicht mehr aus
Ich stöbere im Wörterbuch unserer Liebeskunst
wie ein Geist in einem leeren Haus.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

VERMISST

Wo bist Du?
Als Du durch die Tür hinaus gingest,
hätte ich nicht gedacht, daß
ich 25 Jahre später immer noch
auf Deine Rückkehr warten würde…
Wo bist Du?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DAS FREUNDSCHAFTSFEUER

Tief im Wald
es war einsam, es war kalt
sie saßen eng bei einander im Kreis
lachten und weinten laut und leise
zündeten ein Feuer in ihrer Mitte
erfüllten einander jede wahre Bitte
und wahren alles, was sie hatten
wie das Licht dem Schatten

Dann machte ich die Augen auf
und wir saßen alle im Wohnzimmer
über und um uns Freundschaftschimmer
lachten laut und tief wie immer.
Das Beisammensein nahm seinen Lauf
und jede geteilte Empfindung mit im Kauf
und der kalte Wald wurde hell und warm
durch Freundschaft geteilt Arm in Arm.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

BIS WIR UNS WIEDER BERÜHREN KÖNNEN

Daß ich nun verzichten muß
auf den längst aufblühenden Kuß,
Schatz, trifft mich besonders hart.

Daß ich nicht mehr halten kann
Deine zarte Hand, wie einst fast getan,
Herz, hat eben mein Herz erschwert.

Drum, um so mehr, bitte schenk mir
das innigste wesentlichste Teil von Dir
in jedem Augen-Blick und in jedem Wort.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

PARIS

Nicht die Liebe
sondern die Freiheit
atme ich hier ein

und aus.

Und in der Freiheit
wagt sich die Liebe
hier raus und

rein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

PAAR

Abend
Die Ruhe: Vielsagend
Die Zweisamkeit: Wohlhabend
Die Einsamkeit: Hervor-ragend

Und dann…
Hand bewegt sich richtung Hand
Und dann…
Der Zauber wieder, der sie immer verband.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

VERKEHRSREGELN

Schnell über rot
schnell war sie tot:
diese junge Beziehung

Das tägliche Brot
wurde zum Verbot:
Liebe zur Verzeihung

Das fünfte Gebot
bringt in Erklärungsnot:
Bindung und Befreiung.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

KWAME

Auch in einer anderen Sprache
spreche ich die selbe Sprache
wenn ich von Dir spreche
oder Dich an spreche

denn manchmal spüre ich
irgendwo tief in mir eine Bewegung
als würden wir gerade und immer noch
mit einander reden…

und der Unfall wäre nie passiert
und die beinahe 25 Jahre
zwischen Deinem Abscheiden und heute
wären nie gewesen.

Wie kann man jemanden so sehr
vermissen? Und jedes weitere Jahr
reißt die Lücke nur noch größer auf
und macht den Schmerz tiefer.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
A5495569-CA4F-49CB-8AE5-DE3116C79C2D