DAS FREUNDSCHAFTSFEUER

Tief im Wald
es war einsam, es war kalt
sie saßen eng bei einander im Kreis
lachten und weinten laut und leise
zündeten ein Feuer in ihrer Mitte
erfüllten einander jede wahre Bitte
und wahren alles, was sie hatten
wie das Licht dem Schatten

Dann machte ich die Augen auf
und wir saßen alle im Wohnzimmer
über und um uns Freundschaftschimmer
lachten laut und tief wie immer.
Das Beisammensein nahm seinen Lauf
und jede geteilte Empfindung mit im Kauf
und der kalte Wald wurde hell und warm
durch Freundschaft geteilt Arm in Arm.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

BIS WIR UNS WIEDER BERÜHREN KÖNNEN

Daß ich nun verzichten muß
auf den längst aufblühenden Kuß,
Schatz, trifft mich besonders hart.

Daß ich nicht mehr halten kann
Deine zarte Hand, wie einst fast getan,
Herz, hat eben mein Herz erschwert.

Drum, um so mehr, bitte schenk mir
das innigste wesentlichste Teil von Dir
in jedem Augen-Blick und in jedem Wort.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

PARIS

Nicht die Liebe
sondern die Freiheit
atme ich hier ein

und aus.

Und in der Freiheit
wagt sich die Liebe
hier raus und

rein.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

PAAR

Abend
Die Ruhe: Vielsagend
Die Zweisamkeit: Wohlhabend
Die Einsamkeit: Hervor-ragend

Und dann…
Hand bewegt sich richtung Hand
Und dann…
Der Zauber wieder, der sie immer verband.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

VERKEHRSREGELN

Schnell über rot
schnell war sie tot:
diese junge Beziehung

Das tägliche Brot
wurde zum Verbot:
Liebe zur Verzeihung

Das fünfte Gebot
bringt in Erklärungsnot:
Bindung und Befreiung.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

KWAME

Auch in einer anderen Sprache
spreche ich die selbe Sprache
wenn ich von Dir spreche
oder Dich an spreche

denn manchmal spüre ich
irgendwo tief in mir eine Bewegung
als würden wir gerade und immer noch
mit einander reden…

und der Unfall wäre nie passiert
und die beinahe 25 Jahre
zwischen Deinem Abscheiden und heute
wären nie gewesen.

Wie kann man jemanden so sehr
vermissen? Und jedes weitere Jahr
reißt die Lücke nur noch größer auf
und macht den Schmerz tiefer.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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SIE ERTRINKT UND KÄMPFT

Sie war auf der Suche
nach der großen Liebe
Am Ende sitzt sie in mitten
einer großen Familie … alleinerziehend

Vier Kinder sitzen
wie die tiefen Narben ihrer Sehnsucht
auf ihrem Gewissen Tag und Nacht
Eine nimmer endende To-do-Liste…
sich zäh in die Länge ziehend.

Und immer noch schwankt sie täglich
zwischen
Ich habe mein Leben verschwendet
und
Er wird zu mir zurück kehren.
Die Hoffnung, ach, ewig anziehend.

– Che Chidi Chukwumerije (05.02.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

IM GUTEN ABSCHIED NEHMEN

Hast Du heute morgen
Deinen Geliebten in die Augen geschaut?
Hast Du es zur Verzeihung
Und zum Liebe-tauschen Dir getraut?
Hast Du die Mauern, die gestriger
Streit errichtet hat, heute abgebaut?

Heute morgen könnte
Die letzte Gelegenheit gewesen sein.
Schneller und plötzlicher als
Du denkst, steht einer von Euch ganz allein.

– Che Chidi Chukwumerije (27.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

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LIEBE UND LASSE DEN MOMENT

Gestern, wie unsichrer Boden,
wurde mir so schnell unter den Füßen
weggezogen. Das Leben gestattete
es mir nicht einmal, mein eigenes Gedicht
zweimal zu lesen und so war’s gewesen
Als wär’s nie gewesen. Das nächste steht
verschwindend schon vor der Tür.

Wen ich heute liebe, liebe mich heute zurück.
Morgen reimt nichts mehr mit gestrigem Glück.

– Che Chidi Chukwumerije (24.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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FARBEN

Wie lange besteht die Mauer
bis sie fällt? Die Mauer, die steht
zwischen den Menschenrassen
Als Gruppenidentität.
Sie macht noch keinen Anstand
zu fallen,
noch etwas anderes als Verschwörung
und am besten versteckte Intoleranz
sich zu gefallen.

Wie lange bestehen die Menschen noch
bis sie zur Menschheit ehrlich wird?
Menschlichkeit geistert irgendwo in uns,
verirrt verwirrt.

– Che Chidi Chukwumerije (19.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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