PHÖNIX

Wir brennen mit Liebe
brennen den Wald nieder
wir sind Mensch, ein Phönix
der seine Auferstehung immer wieder
in Liebe sehnend sucht

Jedes Mal, wenn ich dich streichle
ist es erneut Streichholz
ich sehe die Erinnerung in deinen Augen
denn ich zündete deinen Stolz an
du branntest und er schmolz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DU BIST MEINE SONNE

Die Erde ist echt schräg
liegt mal Kopf mal Fuß zur Sonne
und hört nicht immer zu

Es liegt in meiner Natur
nie ganz bei Dir zu sein
Ein Teil von mir bleibt Dir immer fern

Aber damit Du weißt
daß ich Dir immer noch gehöre
liegt das andere Ich Dir um so näher.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

AUF SEINEM RÜCKEN

Mir fehlt Schwimmbad
Blau. Der Geruch vom Chlorwasser.
Mir fehlt Kindheit. Kindlichkeit.

Mein Vater schwamm seine Bahnen,
Brust, trug auf seinem Rücken
mal mich, mal meinen Bruder, mal
meine Schwester, obwohl sie Angst hatte.

Mir fehlt das laute Geschrei, das
Lachen und das kindliche Bitten:
Bitte, Daddy, noch einmal.

Ich bin froh, daß er lebte
daß er mich auf die Welt brachte
daß er schwimmen konnte
und daß er mich auf seinem Rücken trug.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DAS PERFEKTE VERBRECHEN

Stell Dir vor?
Du kämest zu mir
in Liebe mit Liebe aus Liebe
brachte mir die Liebe bei.
Liebe Licht und Leben.

Im Gegenzug:
Ich schlage Dich mit Nägeln
auf einen Holzbalken
bringe Dich grausam um.
Liebe Licht und Leben.

Stell es Dir nur vor
sage mir:
Wäre dadurch Deine Mission
erfolgreich gewesen oder nicht?
Liebe Licht und Leben.

Es kommt noch besser.
Morgen erzähle ich rum, insgeheim
wolltest Du nur umgebracht werden –
Stell es Dir nur vor.
Liebe Licht und Leben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

FREMDE EIGENTÜMER

Warum bin ich von Sachen umgeben
die ich nicht vermissen werde
nach meinem langen kurzen Leben
auf dieser fremden Muttererde?

Wenn man nichts anderes hat
als alles, was man hat
Merkt man, daß man in der Tat
außer sich und der Liebe nichts hat.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DIE REISE IST EINE INNERE

Mitten auf der Reise
fühlten sie sich wie zwei Fremden
unerklärlicherweise gefangen
auf einem Boot weit weit draußen
auf einem ihnen unbekannten Meer –
auf einander angewiesen
dazu verdammt, dem anderen
dabei zu helfen, in die jeweils entgegengesetzte Richtung zu paddeln.
Gut, daß die Welt rund ist. So rund
wie ein offenes und lächelndes Gesicht –
egal in welcher Richtung sie lächelnd segeln
schaffen sie die Kurve und
jeder kommt bei sich zu Hause an.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

VERMEHREN

Wenn ich Gedichte den Armen,
Gedanken den Verlorenen,
Lächeln den Einsamen,
Dienste den Alten,
Liebe den Verlassenen,
und mich Dir
geben würde, was hätte
ich dann noch übrig für mich?
Nichts? Oder alles?
Oder mehr?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

KLEINE ERWACHSENEN

Die Kinder machen gut mit
als können sie besser lesen
die Seele der Schöpfung und
die Herzen der Erwachsenen
als wir die ihren…

Sie schenken uns Lächeln
wenn wir nachdenklich werden
heitern uns mit ihrem Blödsinn auf
und suchen uns ab und zu auf, einfach
nur um uns kurz in die Augen zu schauen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

BLÄTTER WENDEN

Manchmal steht so viel zwischen uns
die Worte reichen nicht mehr aus
Ich stöbere im Wörterbuch unserer Liebeskunst
wie ein Geist in einem leeren Haus.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

VERMISST

Wo bist Du?
Als Du durch die Tür hinaus gingest,
hätte ich nicht gedacht, daß
ich 25 Jahre später immer noch
auf Deine Rückkehr warten würde…
Wo bist Du?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung