Wissen! Können! Erobern! Besitzen! Sind lieben und leben nicht holdere Aufgaben? Ordnung war immer die höchste Tugend, selbst unter den niedrigsten Schaben. Unsere schönsten eitelsten Erfindungen wird unsere Empfindung mahnend untergraben. Ihr redetet jahrzehntelang vom Frieden, doch der Krieg war, wieder, immer Euer Vorhaben. Was ist Dein Wort überhaupt noch wert? Fließende Lügen stillen keinen Durst beim Laben. Wahrlich, der gute Charakter ist gewichtiger als Wissen, Wollen, Können und Haben. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
menschlichkeit
IM VERTRAUEN
Es ist erstaunlich wie viele Seiten, Innenseiten, wie viele Schichten, geschweige denn Geschichten, verschwiegene Geschichten, wie viele andere Menschen ein einziger Mensch unter seiner Oberfläche Dir heimlich und eifrig zeigen wird, nur weil Du seine innerste innigste Wunde linder behandeltest und zart bandagiertest ohne ihn zu brechen. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
FRIEDFERTIGKEIT
Wenn Waffen alles sind, was Du hast - Massenvernichtungswaffen - weine, geistschlaffe Seele, weine. Du hast den Sinn verroht und verprasst auf der Reise zum Menschen vom Affen. Intelligenz im Aufleuchten verblasst, wo Ziel und Treffer auseinander klaffen. Unter des Evolutionsauftrags Last, gibt‘s nur einen Weg, der dazu passt: die Massen retten durch aufbauendes Schaffen. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
KRIEG DER LEBENSEINSTELLUNGEN
Das Recht des Stärkeren, das Recht des oft Echteren zu ächten, den Schwächeren zu brechen - primitiv doch irgendwie ehrlich bei Tieren, bei Menschen eigensinnig, ein Verbrechen. Jeder kann nicht reich sein, Chef oder Chefin sein, Champion sein - aber leben kann jeder und lebendig sein. Wie können wir dieses selbstsüchtige Recht des Mächtigeren heute unterbrechen? Kann Macht sich selbst aufgeben? Macht, sagt man, muss genommen sein. Der Mächtige wird entmachtet, wenn ein Mächtigerer aufsteigt. Und da haben wir es wieder: in Liebe und im Krieg; Die Macht des Stärkeren wird alles durchbrechen. Welcher Gedanke war der stärkere? Ausbeutung/Ausnutzen oder Kooperation/Schützen? Welcher Drang ist der stärkere? Zur Selbstsucht oder zum Gemeinwohl? Denn der stärkere wird dominieren und alles andere schwächen. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
LAKMUSTEST
Menschlichkeit,
die nicht allen Menschen gilt,
ist Unmenschlichkeit.
Ein selektives Gewissen
ist ein schlechtes Gewissen.
Internationale Solidarität
gilt allen Menschenrassen –
sonst birgt sie keine Liebe,
nur Rassismus und Tücke und Lügen
und Hässlichkeit.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ÜBERDREHT
Immer noch auf
Kriegsfuß. Barfüßig begegnet.
Unvorbereitet.
Kriegsgruss. Barbusig geschändet.
Ungeschützt.
Kriegskuss. Doppelzüngig gestoßen.
Ausgebreitet.
Ein Todeskuss soll es sein. Ununterstützt.
Abschüssig der Ablauf.
Aufs Kriegsfuß immer noch.
Mein Kind kommt heute von der Schule heim.
Überdreht. Papa, wir werden alle sterben.
Welche Psyche wird ihre Generation erben?
Bisherige Zukunft erstickt im Keim.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
BEDROHT
Drohbriefe
Nimm Dich in Acht
Eichen werden nun jung abgeholzt
lange vor der Stunde ihrer Macht
Systeme werden früh gehackt,
die fremde Art noch ohne Profil und Tiefe
von Anfang an ängstlich überwacht.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MEINE ENTSCHEIDUNG
Ich stand allein in der Nacht
und, weil ich stand,
war es keine Nacht mehr
Ich lag mit vielen mitten am Tag
doch, weil ich lag,
war es Nacht und kein Tag mehr.
Und es war meine Entscheidung,
zu lieben oder zu hassen,
zu töten oder leben zu lassen,
zu identifizieren mit der gesamten Menschheit
oder nur mit ausgewählten Rassen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MENSCHENLICHTER
In ihr brannte ein Licht
als wäre sie eine Lampe
und hütete eine Flamme
die erleuchtete ihr Gesicht
Und wem sie zulächelte,
siehe: da ward ein Wunder
das in dessen grauen Herz
den sterbenden Funken fächelte
Kummer und Schmerz kommen
um uns zu reifen, und gehen
um uns begreifen zu lassen
was uns die Oberflächlichkeit genommen:
Die Flamme der Lichtsehnsucht.
Mal begegnet sie uns in der Natur
Mal in einem einfachen Mitmenschen
aus Fleisch und Blut, ungesucht.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
KÄLTE UND WÄRME
Es naht sich wieder die Jahreszeit,
in der sich die Wärme zurück zieht
tief ins Herz von Mensch und Natur.
Jeder Obdachlose, den man sieht
zitternd da draussen, ist ein Mensch
der in Schwierigkeiten geriet.
Es naht sich wieder die Jahreszeit,
in der der Mensch die Wärme bezieht
einzig und allein aus der Menschlichkeit.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
