IHRE SCHÖNSTEN GEFÜHLE

Ob eine Gitarre Gefühle hat?
Sie liegt da, geräuschlos in Lederhülle,
kein Säuseln, kein Wispern, kein Laut
bis ich sie ausziehe und berühre –
Sie mag die unruhigen Finger am besten,
sie wird richtig laut.

Manchmal lasse ich sie wochenlang unberührt
und frage mich: Was denkt sie dabei?
Vielleicht denkt sie nichts
Denn es ist egal, wer sie berührt;
Wer sie richtig berührt, der entlockt ihr
ihre schönsten Lauten.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ALTE LIEDER

Deine Musik füllt mich
Du früherer Ich
Wer hätte gedacht
damals als wir sie gemacht
haben und geweint und gelacht
und an die Zukunft gedacht
daß ich in der Zukunft
Dich so sehr vermissen würde?
Deine Einfachheit, Deine Kindlichkeit
Deine Ehrlichkeit, Deine natürliche Würde
Wir dachten, jene Vergangenheit
war eine Hürde –
Aber heute weiß ich, was Du nicht wusstest:
Diese leere Zukunft ist die schwerste Bürde
Ohne Dich
Nein, ohne mich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VERBORGENE SAITEN

Meine Gitarre
singt mir lautlose Lieder
jede Nacht

Trost für den harten Tag
Träume für die weite Nacht
Erinnerungen für morgen
Lautlose Grüße von mir zurück.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VERBORGENE LIEDER

Meine Gitarre
Da sitzt Du in Deinem Schweigen
Gehüllt, als trügest Du nicht die tausend Lieder
In Deinem Herzen.

Meine vertrautesten Freunde schweigen mit mir
Denn sie tragen in ihren Herzen
Alle unsere geteilten Erinnerungen
Von Hoffnung, Leid, Freude, Schmerz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

APPETIT FÜR MUSIK

Aber Musik wie Essen
sättigt und wärmt
füllt – und fühlt mit –
und erfüllt mich.
Wer singt und denkt guten Appetit?
Wer hört und denkt guten Appetit?
Wer tanzt und denkt guten Appetit?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EIN ABEND MIT MOZART

Eine kleine Nacht
Musik für den Geist
Der mich bewacht
Und um mich kreist
Bei mir sitzt und lacht
Immer dann, wenn es heißt:
Wir wissen nicht, was Che macht
Er sitzt alleine meist’.

Ich liebe wohl Gesellschaft
Innerlicher Art
Wesentlich-Geistig-Wesenhaft
Die sich um mich schart
Wenn ich brauche Kraft
Kraft stark, Kraft zart
Wie eine Flöte zauberhaft
Die Ewiges aufbewahrt.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

SPIEL MIR DEIN LEID

Gitarre meine sei Deine Zuneigung
Saiten Deiner Innenseiten warm und
weich ausgeweidet, zäh langgezogen
Deine weinende schreiende Sehnsucht
nach einem wiederkehrenden Refrain
diese Musik hat kein Ende – Kleine
Sendepausen zwischen Deinen Nöten
aber nichts wird sich wiederholen, außer
den Tiefpunkten Deiner Sehnsucht und
den Höhepunkten Deiner Sehnsucht.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

STRASSENLATERNEN

Straßenmusiker und Straßendichter
Stadtgeschichten und Straßenlichter
Salz und Pfeffer und Stadtgesichter
Abwesend wenn anwesend
Anwesend wenn abwesend

Der Stadtkörper und der Stadtverstand auch
Laufen täglich herum mit vollem Bauch
Doch die Stadtseele hungert bis ein Hauch
Von Kunst und Mut und Kindlichkeit
Am Straßenrand sie sachte streift.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

TONSKALA

Bin heute voll
Habe Musik getrunken
Dur und Moll
In Erinnerungen versunken
Traurig und toll
Doch Träume haben auch gewunken
Mich befreit vom Groll
Zündeten neu meine Funken
Beglichen Haben und Soll.

Che Chidi Chukwumerije.
2019: Jahr der deutschen Dichtung

GUTE NACHT

Müde, doch die Nacht
War schön gedacht
Die Musik gemacht
Für Nachtfalter
Jetzt leg ich den Schalter
Um, komme runter
Die Nacht wird bunter
Mit Schlaf gerundet.

– Che Chidi Chukwumerije.
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung