NACHTSTILLE

Die Stille geht weiter
Wie eine Himmelsleiter
Führt immer höher empor
Weiter oben als je zuvor
Bis die Welt verschwindet
Und das Herz sich mit dem verbindet
Was die Liebe tief empfindet.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ZWISCHEN SONNENUNTERGANG UND MITTERNACHT

Wenn die laute Stadt leise wird,
nachdenklich, beobachtend,
verlegen, häuslich fast, ein Herd…
Nordend, Westend, Ostend
und Frankfurt-Süd fahren runter…
Die Gemüter, tagsüber so munter,
werden schweigsamer – bunter
werden nur Liebesmut und Dichtergeist.
Weißt Du, wie dieser Moment heißt?
Zwischen Sonnenuntergang und Mitternacht,
wo die Welt schon müde ist aber noch wach,
das Herz schon lächelt aber auch noch lacht,
die Stadt noch vielfältig ist aber jetzt einfach.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

TIEFE UND SPASS

Wenn der Tag vorüber ist,
fängt die Nacht an, nicht davor -
Wenn die Nacht vorbei ist,
fängt der Tag an, nicht zuvor -

Genieß Deine Freude in vollem Maß -
Verinnerliche Deine Traurigkeit ganz -
Die eine, Tiefe; der andere, Spaß -
Das Leben ist ein Tanz mit Substanz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

NACHTRUHE (3)

Manchmal ist mein Herz
ruhiger als die ruhigste Nacht
tief in seinem Schmerz
obwohl es weint, obwohl es lacht
schaut es aufwärts.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

NACHTFLÜGE

Tags fliege ich dahin
wovon ich nachts nur träumen kann
Nachts fliege ich dorthin
wovon ich Tags nur träumen könnte
könnte ich mir bewusst irgendetwas gönnen
woran ich tagsüber aber mich nicht erinnern kann
denn nachts fliege ich Heim.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

NACHT VOR MORGEN

Der morgige Tag
liegt wie ein Berg auf Dir
Sorgen und Illusionen

Deine Gedanken liegen
wie Tausend Berge auf Dir
Morgen entpuppen sie sich als Illusionen

Genießen wir erstmal die Nacht
In ihr sind Morgens Schlüssel geborgen-
Alles kommt anders als gedacht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

NACHTCAFÉ

Der Laternenschein fällt auf die Straße
und es ist Nacht in der schmalen Gasse
und Schweigen, das ich wie Stoff erfasse
Eine Raum erfüllende umhüllende Masse
von Blicken, die ich weder liebe noch hasse
nur ertrage beim Trinken meiner letzten Tasse
bevor ich ohne Worte die Café verlasse.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DU BIST MEINE NACHT

Die Nacht überraschte mich
mit ihrer leisen Umarmung
gekleidet dämmerlich
in ihrer abendlichen Tarnung
erinnerte mich an Dich
eine längst vergessene Empfindung.
So tückisch ist Erinnerung.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MONDWEIN

Ich atme den Abend ein
Küsse Dich in kleinen Mengen
Du bist mein Abendwein
Antwortest mit kleinen Klängen

Nach so vielen rauen Tagen,
Sollen wir nun Gute Nacht sagen
Der Welt und all ihrem Unbehagen?

Gute Nacht, dunkle Nacht,
Du hast den Mond in mir entfacht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DUNKELBLAU

Die dunkelblaue Nacht
fällt wie ein Stern vom Himmel
schwanger mit wertvoller Fracht.
Weicher wird das Getrommel
meines Schwarzen Herzblutes.
Ich träume und sinne heute Nacht
über etwas Altes, etwas Gutes -
Was hat die Nacht aus mir gemacht?
Geworden bin ich eine Wiederholung
dessen, was einst ich war -
Meine frühere, jüngere Empfindung
nehme ich heute wieder wahr.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung