Ich erinnere mich daran Wie lebendig die Nacht war Je dunkler sie wurde Das Dorf war ein tausend Geister Mein Vater war ihr Meister in meiner Fantasie Meine Mutter ihre Seele Sie sprachen mit mir ununterbrochen Du bist ein atmendes Wesen, sagte ich zu der Nacht, Aber da ich noch ein Kind war, sagte ich es nicht, Ich wusste es einfach Wir unterhielten uns bis die Sonne aufging Bis das Dorf ihrer Magie ein Gesicht wieder gab Und ich wusste, ich wohne in der Stadt, in Lagos, Aber nur hier, in diesem Dorf, Ngodo, Bin ich Zuhause. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
nacht
BEVOR ICH IN DIE NACHT HINEIN GEHE
Bevor ich in die Nacht hineingehe Weile ich noch einen Moment in dem Tag Bei meinem zweiten Selbst Bei diesem Ich, das die Welt kennt Und doch nicht durchschaut. Was ist der Mensch, wenn nicht eine Hülle? Der Inhalt ist unsichtbar. Bevor ich in die Nacht hineingehe, In das Unsichtbare, Bewertet und verinnerlicht mein inneres Selbst Die Erlebnisse, die Erkenntnisse, meiner Hülle. <em>Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ES IST NUR DIE NACHT
Atmen.
Es ist nicht das Ende
Es ist die Nacht
Es ist nur eine Wende
Es ist noch nicht vollbracht.
Atmen und weiter fahren.
Es ist nur die Nacht.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
UND SCHÜTTLE MICH FREI
Einzeln standen Einzeln guckten Einzeln schwiegen Die Bäume am Straßenrand Wie kalte Grußworte der Stadtmenschen Fuhren die Autos teilnahmslos vorbei Die Nacht war voll mit dunklen Gedanken Die schwer auf mein Gemüt niedersanken Ich schreibe ein Gedicht und schüttle mich frei. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NÄCHTLICHES SINNEN
Der Abend Wie ein Buch mit tausend Fragen Öffnet sich meiner Empfindungswelt. So viele Fragen. Was wollt Ihr mir sagen? Funkelnd wie Ideen am Himmelszelt. Die Nacht Wie ein Buch mit sieben Siegeln Verschließt sich meinem Gedankenkreis. Das selbe Schweigen in tausend Spiegeln. Mein Verstand weiß nicht, was er nicht weiß. Er weiß nicht mal, daß er nicht weiß. Nur Meine Empfindung spürt es, erhellt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MORGEN BIST DU WEISER
Du wirst nachts Stimmen hören in Deinem Herzen Schenk nicht allen von ihnen Glauben Tauche sie in Dein Schweigen ein Und warte… Du wartest nicht auf ihr Wachstum Du wartest auf Deins Du wächst und lernst zu unterscheiden zwischen den wahren Stimmen und den falschen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE GESCHICHTE DES RIESELNDEN BACHS
Die Nacht erzählt mir eine Geschichte die ich nicht verstehe dennoch höre ich gebannt verträumt zu es ist eine gute Nachtgeschichte über einen rieselnden Bach der lief und lief und murmelte und gurgelte und beim Zuhören fließe ich mit und schlafe langsam ein. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EINE HEILENDE NACHT
Ich brauche einmal wieder eine tiefe Nacht eine ruhige Nacht eine richtig dunkle Nacht in der die einzige Lichtquelle die Flamme in mir ist. Mitmenschen, Mitflammen, trefft mich unten am Main - lasst uns wie Sterne eine Runde drehen in der Nacht und die Innenwelt sichtbar machen für andere Flammen wie uns. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SAMTIGE NACHT
Diese Nacht fühlt sich Wie eine Haut an Wie Stoff, ein Mantel aus Samt Ein weicher flauschiger Vorhang an Und wenn ich ihn teile Ich meine, wenn ich sie teile, Fühlt es sich wie Zuhause an, Das, was drinnen ist Dort, auf der anderen Seite Ummantelt von Nacht, Versteckt hinter mehr als einem Vorhang Vorsichtig versteckt hinter einem Vorwand. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NACHT(ENT)FALTER
Müde. Aber nur ich, nicht die Muse. Nacht. Ruhe. Zuhause. Nicht ich. Nur die Schuhe. Ich gebe mir Mühe ruhig zu bleiben denn meine Gedanken treiben mich dazu, dies nieder zu schreiben: Blühe, Selbst, blühe. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
