MORGEN BIST DU WEISER

Du wirst nachts Stimmen hören
in Deinem Herzen
Schenk nicht allen von ihnen Glauben

Tauche sie in Dein Schweigen ein
Und warte…

Du wartest nicht auf ihr Wachstum
Du wartest auf Deins

Du wächst und lernst zu unterscheiden
zwischen den wahren Stimmen
und den falschen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

DIE GESCHICHTE DES RIESELNDEN BACHS

Die Nacht erzählt mir eine Geschichte
die ich nicht verstehe
dennoch höre ich gebannt verträumt zu
es ist eine gute Nachtgeschichte
über einen rieselnden Bach
der lief und lief und murmelte und gurgelte
und beim Zuhören fließe ich mit
und schlafe langsam ein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EINE HEILENDE NACHT

Ich brauche einmal wieder
eine tiefe Nacht
eine ruhige Nacht
eine richtig dunkle Nacht
in der die einzige Lichtquelle
die Flamme in mir ist.

Mitmenschen, Mitflammen,
trefft mich unten am Main -
lasst uns wie Sterne
eine Runde drehen in der Nacht
und die Innenwelt sichtbar machen
für andere Flammen wie uns.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SAMTIGE NACHT

Diese Nacht fühlt sich
Wie eine Haut an
Wie Stoff, ein Mantel aus Samt
Ein weicher flauschiger Vorhang an
Und wenn ich ihn teile
Ich meine, wenn ich sie teile,
Fühlt es sich wie Zuhause an,
Das, was drinnen ist
Dort, auf der anderen Seite
Ummantelt von Nacht,
Versteckt hinter mehr als einem Vorhang
Vorsichtig versteckt hinter einem Vorwand.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

NACHT(ENT)FALTER

Müde.
Aber nur ich, nicht die Muse.
Nacht. Ruhe.
Zuhause. Nicht ich. Nur die Schuhe.
Ich gebe mir Mühe
ruhig zu bleiben
denn meine Gedanken treiben
mich dazu, dies nieder zu schreiben:
Blühe, Selbst, blühe.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SCHLAFLEID

Ob heute Nacht
unter einer Brücke
ein Obdachloser Sehnsucht
nach einem altgeliebten Lied verspürt
und es nur in seinem Gedächtnis
wieder hören kann, denn er hat weder
Handy noch Musikspieler noch Internet,
und er wird nostalgisch, dann traurig,
dann unruhig, nimmt seine sieben Sachen
und sucht sich einen Bahnhof
unter der Erde und dort
auf einer Bank unter dem grellen Licht
hüllt sich in einem dunklen Schlafsack – und schläft – ein…

Ob er, bevor er einschläft,
in seinem Kokon wie eine Raupe,
sein altgeliebtes Lied zu sich singt
und an einen Schmetterling denkt?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KEIN UNTERSCHIED WIE TAG UND NACHT

Der Tag war heute kein Tag
Er war eine Nacht, die im
Zeichen des Erlebens meiner Träume lag

Die Nacht ist heute keine Nacht
Sie ist ein Tag, der über
das Entstehen neuer Träume treu wacht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WERDE SACHT

Langsam… langsam…
Komm runter
Verlangsame Dich heute Nacht
Mein Herz -

Einsam… weil seltsam…
Sehnsüchtig mitunter
Beruhige Dich, werde sacht, werde sacht
Mein Schmerz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

BERUHIGE MICH

Es gibt einen Moment,
kurz bevor die schweren grauen Finger
des Sandmanns meine Lider niederdrücken,
einen Moment - und nenn ihn Gefangen,
denn heißen darfst Du, was Du bist -
wenn die Nacht schweigt, denn
sie will die Stimmen laut und deutlich hören,
die Stimmen in meinem Wederherznochkopf,
einen kurzen bodenlosen Moment, in dem
sie sich plötzlich vor mich tritt, nackt,
sie liebt es nackt zu sein,
immer erscheint sie unbekleidet vor mir,
sie, meine tiefe Angst -
Immer schaue ich einmal weg
und zweimal - doch beim dritten Mal
umarme ich sie und dringe in sie ein.
Das sind die letzten Töne, die ich vernehme,
bevor ich einschlafe - ihr spitzer Schrei,
ihr schwerer Seufzer, und
die schweigsame Nacht, noch lauschend
lange nach dem meine tiefe Angst wieder
verschwunden ist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

JEDE NACHT

Gute Nacht
Die Seele lacht
Lautlos und sacht
Sie hat die Macht
Jede Nacht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung