Guten Abend Dankbarkeit im Herzen habend lege ich mich zu den Träumen hin die schlummern in Räumen in mir hier drin Nein bei mir gibt es keine Schlafzimmer Ich ziehe mich aus, tauche ein, Nachtschwimmer Einen Tag mehr hat die Ewigkeit gewonnen heute im Land der Tausend Sonnen Und mein Träumen hat begonnen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
nacht
MOND
Eine Wölfin - Warum streift sie allein durch den Wald? Weiß sie nicht, ich komme bald? Hörst Du sie heulen, redend mit sich Tröste sie nicht, das mache ich Berühre sie nicht, sonst beißt sie Dich. Die Wölfin in Deinem Wald Sie heult für mich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE BÄUME SEHEN ALLES
Sie könnten fast Menschen sein Wie sie da stehen, still, im dunklen Wald. Wieso sagen sie nichts? Wir sind allein, Der Winter ist kalt, die Nacht ist alt, Die Wolken öffnen ihren Mund dem Mondschein, Geistern oben im Himmel, unten in Schneegestalt. Ein Bach, ein ungenaues Tier, ein Grenzstein. Die Bäume sehen alles, sie sind der Wald. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE STERNE UND WIR
Die nachtkalten Graphitaugen der Fernen schielen abgehoben nach uns, nach der Vergeblichkeit unseres Tuns, unserer Sehnsucht nach ihnen, Sternen. Distanziert, wie einsam müssen sie sein? Denken sie oder denken wir? Wer Billionen Jahre lebt, ist ein Souvenir des Verlangens gefangen im All ganz allein, denken wir. Aber sie denken es sich anders. Wer keine Zeit hat, sich lang zu binden, lang zu teilen, lang Tiefe zu empfinden, ist dessen Leere, Einsamkeit, nicht besonders? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GUTE NACHT, DUNKLE NACHT
Gestern schnell vergessen,
denn morgen kommt schnell –
Schließe nachts meine Augen,
morgen wird‘s sowieso wieder hell.
Gute Nacht, dunkle Nacht,
schwach beleuchtet dennoch sacht
mit Mond und Sternen überdacht.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NGODO
Ich erinnere mich daran Wie lebendig die Nacht war Je dunkler sie wurde Das Dorf war ein tausend Geister Mein Vater war ihr Meister in meiner Fantasie Meine Mutter ihre Seele Sie sprachen mit mir ununterbrochen Du bist ein atmendes Wesen, sagte ich zu der Nacht, Aber da ich noch ein Kind war, sagte ich es nicht, Ich wusste es einfach Wir unterhielten uns bis die Sonne aufging Bis das Dorf ihrer Magie ein Gesicht wieder gab Und ich wusste, ich wohne in der Stadt, in Lagos, Aber nur hier, in diesem Dorf, Ngodo, Bin ich Zuhause. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
BEVOR ICH IN DIE NACHT HINEIN GEHE
Bevor ich in die Nacht hineingehe Weile ich noch einen Moment in dem Tag Bei meinem zweiten Selbst Bei diesem Ich, das die Welt kennt Und doch nicht durchschaut. Was ist der Mensch, wenn nicht eine Hülle? Der Inhalt ist unsichtbar. Bevor ich in die Nacht hineingehe, In das Unsichtbare, Bewertet und verinnerlicht mein inneres Selbst Die Erlebnisse, die Erkenntnisse, meiner Hülle. <em>Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ES IST NUR DIE NACHT
Atmen.
Es ist nicht das Ende
Es ist die Nacht
Es ist nur eine Wende
Es ist noch nicht vollbracht.
Atmen und weiter fahren.
Es ist nur die Nacht.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
UND SCHÜTTLE MICH FREI
Einzeln standen Einzeln guckten Einzeln schwiegen Die Bäume am Straßenrand Wie kalte Grußworte der Stadtmenschen Fuhren die Autos teilnahmslos vorbei Die Nacht war voll mit dunklen Gedanken Die schwer auf mein Gemüt niedersanken Ich schreibe ein Gedicht und schüttle mich frei. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NÄCHTLICHES SINNEN
Der Abend Wie ein Buch mit tausend Fragen Öffnet sich meiner Empfindungswelt. So viele Fragen. Was wollt Ihr mir sagen? Funkelnd wie Ideen am Himmelszelt. Die Nacht Wie ein Buch mit sieben Siegeln Verschließt sich meinem Gedankenkreis. Das selbe Schweigen in tausend Spiegeln. Mein Verstand weiß nicht, was er nicht weiß. Er weiß nicht mal, daß er nicht weiß. Nur Meine Empfindung spürt es, erhellt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
