WIE DIE ALTEN SUNGEN

Geister gehen und kommen wieder
Wie die Strophen der Gedichte und Lieder,
Ziehen empor oder drücken nieder
Werden neu geboren und immer wieder

Wer die Geister vergangener Zeiten
Wieder treffen möchte und begleiten
Der suche nicht in vergilbten Seiten
Oder in Friedhöfen herum schreiten

Der gehe liebe in die Kindergärten
In die Schulen, Schulhöfe und Fährten
Da wo erzogen wird in Neuen hehren Werten
Findet man manchmal auch zurückgekehrten.

Jede ausgestorbene Denkensgeneration
Überspringt die 1. oder 2. Folgegeneration
Dann häufig ohne verinnerlichte Lebenslektion
Feiert unverändert ihre neue Reinkarnation.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

KREISEN

Heute muß ich ins ferne Land
Weiß nicht, was mich erwartet
Suche ahnend die unsichtbare Hand
Anders- und gleichgeartet
Beides gleichzeitig
Die auf mich – wie ich auf ihn – wartet,
Beides gegenseitig.

Ich starte steil in den Sehnflug
Sehnflucht zittert vor Sehnsucht
Einmal ist niemals genug
Reisen ist der Sehnsucht nur eine Frucht
Rückkehr die andere
Selbst im Äußeren wird letztendlich gesucht
Nur das Innere.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

NEUGEBOREN IST NICHT IMMER NEU

Neubau. Eine neue Siedlung
Sie ziehen ein mit altem Gepäck

Autobahn, frisch geteert
Die selben Huper – Weg! Weg!

Jede Geburt ist Wiedergeburt
Neuer Sitz, alter Gurt
Du landest trotzdem in Frankfurt

Gut erzogen und doch nicht scheu
Unerzogen und dennoch treu
Neugeboren ist nicht immer neu.

Che Chidi Chukwumerije.

2019: Das Jahr der deutschen Dichtung.