ICH SPÜRE DEINEN SCHMERZ

Ich spüre Deinen Schmerz, Sohn;
Ein Teil von mir will ihn Dir wegnehmen.
Die schluchzende Brust Deiner Emotion
ist normal, dafür musst Du Dich nicht schämen.
Ein Teil von mir will ihn Dir aber lassen,
denn jeder muss einmal durch den Schmerz
zum Reifen gebracht werden. Fassen
kann‘s nur später, viel später, Dein Herz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

NICHT AUSTEILEN

Egal wie viel Schmerz ich in mir hüte,
würde es mich mehr schmerzen,
den Schmerz weiter zu geben an Dritte -
Ich behalte ihn in meinem Herzen.

Leid geteilt wird nicht immer weniger -
Ausgeteilt wird er nur noch heftiger.
Richtig eingeteilt macht es einen inniger.

Er lässt sich nicht aufteilen oder verteilen;
Nur im ihn Austragen wird er Dich heilen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MANN UND SCHMERZ

Wie viel Schmerz kannst Du ertragen
bevor Du ihn nicht mehr ertragen kannst?

Wie viel Schmerz kannst Du ertragen
bevor er Dich nicht mehr ertragen kann
und Dich weiter ziehen lässt?

Du bist stärker als sie es der Welt sagen -
Schmerz erprobt und winterfest!
Du kannst weit mehr Schmerz ertragen,
als Du es mit Worten erklären kannst.

Denn Du bist ein Mann.

Che Chidi Chukwumerije
Poems from the inner river

DER HERBST IST NICHT TIEF GENUG

Schmerz. Der Herbst ist nicht tief genug.
Aber ein anderes Krankenhaus haben wir nicht
außer den bunt werdenden Bäumen im Zug
des reifer Werdens des Jahres als Gedicht.

Ein Schmerzlindernbaum ist ein Herbstbaum,
jedes Blatt ein Herzblatt aus Nebel und fadem Licht.
Geister flüstern wie Wälder in meinem Traum
und irgendwo dadrin, Gedächtnis, Dein Gesicht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DEN SCHMERZ ÜBERLEBT

Langsam beruhigt sich mein Herz,
Ich werde es doch überleben.
Der Schmerz war tödlich - kein Scherz -
Und hat mir mich zurückgegeben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

AUSSCHMERZEN

Bleibe in dem Schmerze drin
bis er sich ausgelebt, ausgeschmerzt, hat -
Erst dann bist Du wirklich frei.

Weiche ihm nicht vorher aus, oder zurück.
Schritt für Schritt geh mit ihm den Weg -
Er bringt Dir vieles Wichtiges bei.

Und er wird noch mehr schmerzen,
bevor er aufhört. Menschen, die Du liebst,
werden Dich verraten. Es sei wie es sei.

Und er wird noch mehr schmerzen
bevor er aufhört, so wie der Winter lang wütet…
aber danach kommen April und Mai.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

NACH DEM STURM

Immer
Nach dem der Sturm gewütet hat
Immer
Nach dem der Sturm sich gelegt hat
Immer
Ist es darnach so
Als wäre überhaupt nichts passiert
Immer
Ist es darnach so
seltsam still… sterilisiert… saniert.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DAS GEWICHT DES WEGES

Manchmal fällt ein Gewicht ab
Du fühlst Dich wie freigesetzt
Steigst auf wie aus einem Grab

Wirst in den Himmel versetzt
Für einen Moment schaust herab
Bis die Welt Dich wieder verletzt.

Freunde tun Weh Feinde tun Weh
Der Weg tut Weh. Alles tut Weh.
Geh also einfach Deinen Weg. Geh. Geh.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DER WERDEGANG DES MENSCHEN ZUM MONSTER

Der Werdegang des Menschen zum Monster
ist eine Strasse des Schmerzes der Hoffnung -
Eine kindlich helle Seele wird langsam finster,
zerrissen durch fassungslose Enttäuschung,
wird im Grübeln immer leiser, immer ernster,
erliegt dann irgendwann der Rache Versuchung
freiwillig, das kann jeder, selbst ein Reinster,
wenn Vertrauen stirbt und kalte Verdunkelung
übernimmt tief die Augen, der Seele Fenster.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

LIEBE IST EIN SÜSSER SCHMERZ

Lieben ist Wehtun
mit Vergnügung
Führt zu Unruhen
in der Empfindung

Schweigen ist besser als lügen
Mit-teilen ist besser als betrügen
Fügen ist besser als sich fügen

Liebe ist ein süßer Schmerz
und er führt Dein Herz
ab- und aufwärts.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung