Es sieht leicht aus, ist es aber nicht. Es ist echt. Und echt ist nicht leicht. Es wäre unfair und ungerecht, als leicht zu bezeichnen das unberechenbare menschliche Herz, nur weil es schwankt zwischen Tiefe, Spiel, Freude und Schmerz ohne sich zu entscheiden, welcher Weg nach Hause führt, denn alles ist gleichsam wertvoll was das Herz innig berührt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
schmerz
WENN SCHMERZ EINE BLUME WÄRE
Wenn Schmerz eine Blume wäre, wären unsere Herzen Gärten - Träume, die wir gestern nährten; Sorgen, die in uns einst gärten und uns das Hoffen erschwerten; Der Verlust früherer Gefährten; Alle blühten auf in unseren Gärten, wenn Schmerz eine Blume wäre. Tränen süß wie Regen, die das Verlangen erregen, die Sehnsucht nach dem Licht - Ein Herz, das bricht … und aufbricht dem Licht entgegen fieberhaft mit tausendfacher Blumenkraft! Wenn Schmerz eine Blume wäre, wären unsere Herzen blühende Gärten. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WUNDEN
Ich besuchte eine Wunde und sie war offen klagte aus weinendem Munde Ich kam näher, selbst betroffen Die Wunde war empfindlich und aufmerksam und klug zog mich an sich unwiderstehlich wich mir aus mit feinem Betrug Ich hob meinen Zeigefinger und legte ihn an die Wunde Sie seufzte vor nichts geringer als der Hoffnung, ich gesunde. Doch kein Mensch kann Dich heilen denn wir alle bergen eigene Wunden Nur wenn wir Ehrlichkeit teilen hätten wir Linderung gefunden. Ich besuchte eine Wunde und sie war zu - Doch sie begriff mich in unserem Abgrunde und öffnete sich mir ab und zu. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE SONNE GEHT WIEDER AUF
Die Sonne geht wieder auf Deine Erdscholle freute sich darauf Die Dinge nehmen ihren gewöhnten Lauf Beispiele dafür gibt es Zuhauf Menschen lachen und sind gut drauf Sie lieben, streiten, erledigen den Einkauf Stoßen an, rufen, „Du säufst! Ich sauf!“ Geschäfte erleben den üblichen Zulauf Es riecht irgendwo nach Kartoffelauflauf Hunde und Kinder fliegen runter und rauf… Einen Tag nach dem einschneidend, glatt, Deine Welt sich verändert hat. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WIE TIEF DEIN HERZ IST
So viele Gedanken sind Erinnerungen die als Gedanken und Empfindungen zurückkehren. Wie tief Dein Herz ist weisst Du nicht Wenn Dich Schmerz frisst möchte das Licht Dich Tiefe lehren. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
TIEFER VERSTEHEN
Schmerz, Du tröstest mich, da die Freude zu schwach war um mich zu verstehen wirklich - sie dachte, alles sei wunderbar. Aber Du, Schmerz, bist tiefer, Du kennst, verstehst, mich besser, denn Du warst stets an meiner Seite von Anfang an - und bis zum Ende. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MOND
Eine Wölfin - Warum streift sie allein durch den Wald? Weiß sie nicht, ich komme bald? Hörst Du sie heulen, redend mit sich Tröste sie nicht, das mache ich Berühre sie nicht, sonst beißt sie Dich. Die Wölfin in Deinem Wald Sie heult für mich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE DUMMEN LACHEN
Die Straße spricht jede Sprache Schritte fallen lautlos und stumm Die stummen sind nicht dumm Die Dummen lachen, wenn ich lache verstehen mein Lachen aber nicht Sie sprechen jede Sprache überleben auf der Straße aber nicht Kritisieren alles, was ich mache sehen den Schmerz auf meinem Gesicht und denken, daß ich lache. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NACHWIRKUNG
Es gibt diesen Schmerz. Wenn Du gehen musst und der Abschied ohne Herz erfolgt, weil der Frust schon vorher gründlich abgelebt und abgelegt wurde, zumindest mündlich. Jetzt gehst Du, unaufgeregt, auf jeden Fall äußerlich, und nach dem Du weg bist, wunderst Du schweigend Dich, was dieser dumpfe Schmerz ist, der in Dir teilnahmslos sitzt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WUNDEN BRAUCHEN ZEIT
Ich sah heute einen Mann in Schmerzen Und bei allem Tröstenden, das ich sprach, Nahm er es auch Trost suchend zu Herzen, Ließ sein Leiden trotzdem nicht nach. Wunden, wie alle anderen Lebewesen, Brauchen und wollen ihre Zeit voll haben. Kein Mensch, niemals, kann früher genesen Als die Frist die ihm seine Wunden gaben. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
