LEIDENSCHAFT

Eine gute Beziehung
Und eine schlechte Beziehung
Haben eines gemeinsam
In beiden wird gestritten

In der wahren Liebe
Und in der falschen Liebe
Geschieht dasselbe
Es wird gelitten

Wem das eine fehlt
Der sucht so häufig das andere
Gib mir Freude oder gib mir Schmerz
Alles, nur diese Leere nicht, meine Liebe.

– Che Chidi Chukwumerije.

SCHMERZ

Dieses Gefühl
Wenn Du eine Person so lange vermisst
Daß es zu einem Teil von Dir wird
Sie zu vermissen

Dann stehst Du eines Tages auf
Und vermisst sie nicht mehr
Und fühlst Dich leer
Denn ein Teil von Dir fehlt jetzt

Sonderbar
Du vermisst es
Sie zu vermissen –
Was macht ein Herz mit der Freude nun
Wenn der Schmerz alles ist
Was es kennt?

Denn ich habe mich neu verliebt.

– Che Chidi Chukwumerije.

FORTFÜHREND

Als mein Bruder
Im Autounfall starb
Quälte mich der Gedanke
Nach seinem letzten bewussten Gedanken.
An was, an wen, woran, hat er zum Schluß gedacht?
Denn er war noch bei Bewusstsein
Als man ihn vom Wrack löste
Und in den Krankenwagen legte
Doch bis sie im Krankenhaus endlich ankamen
War er bereits abgeschieden, und fort.

Es gibt Tage, an denen ich erlebe
Daß die Zeit wirklich still steht
Doch der Mensch, der stets erlebt
Der ist’s, der seine Wege geht.

– Che Chidi Chukwumerije.

WEIHENACHT

Das Jahr ist anders viel
Anders gelaufen als erwartet
Erhofft. Nur heute kommen
Die selben alten Gefühle wieder
Hoch.

Der Schmerz unerklärlich
Und Nostalgie und Verlust ohne Name
Und es ist alles vorbei –
Nur ich habe überlebt, im einsamen
Loch.

Diese Glocken so uralt, so vertraut
Tröstend, wissend, alles was du
Leidest ist ein wiederkehrender
Glockenklang. Sei stark, sei
Schwach.

Mensch, sei Mensch. Menschen scheiden
Trennung ist euer Schicksal, denn
Ihr müsst euch trennen, um weiter
Zu wachsen. Traure deiner Kindheit nicht
Nach.

Die Seele, die erwacht und lacht
Ihr wird heute Weihenacht.

– Che Chidi Chukwumerije.

IRGENDWANN IST ALLES GUT

Ich kannte mal lange eine Liebe
Sie nahm mir unabsichtlich alles – eines Abends
Saßen wir neben einander im Wohnzimmer
Im Schweigen. Irgendwann fragte sie mich leise:
„Schatz, was ist los?“ – Und ich dachte langsam
An alles, was ich für diese Liebe unfreiwillig aufgeopfert hatte
Und lang sagte ich nichts, bis der Schmerz sich ausgebrannt hatte
Dann schloß ich das Buch der Vergangenheit und sagte:
„Mach dir keine Sorgen; es ist alles gut.“
Und wir umarmten uns lange.

– Che Chidi Chukwumerije.

ZURÜCKWEISUNG

Papa, wo bist du?
Ich wollte doch nur einmal
Mit eigenen Augen die Welt sehen
Erforschen mein eigenes Schicksal
Nicht von dir ewig weggehen

Mama, wo bist du?
Ich wollte doch nur einmal
Dich und deine Welt kennen lernen
Allen Zweifel, alles Unwissen, allen Trübsal
Überzeugt von mir entfernen

Jetzt bin ich endlich da
Und ihr beide sichtbar verschwunden
Auf versuchte Heilung
Folgen unerwartete Wunden.

– Che Chidi Chukwumerije.

KÄMPFEN

Nicht, wer kann mir helfen?
Sondern wie kann ich mir selbst helfen?
Das ist die Frage, die einzige Frage
Weiter bringt dich keine Klage.

Wie viel Geld brauchst du
Um aus der Unterschicht heraus zu klettern?
Genau so viel, um es gut zu
Haben in der Unterschicht Brettern.
Wenn nur diese Gedanken nicht da wären
Stolz und Schmerz lassen sich nicht erklären.

Überleben ist eine Funktion der Wahrnehmung
Das Gleiche, Hoffnung. Das Gleiche, Lähmung.
Das Gleiche, kämpfen ohne aufzugeben
Und mit allem klar kommen in deinem Leben.

– Che Chidi Chukwumerije.

SCHLAG MICH

Unzählige Flügelschläge
Umschwärmten meinen Kopf
Meine Haare sind nicht meine Haare
Meine Gedanken sind mein Schopf
Aus dem Herd heraus brodele
Ich, Eintopf.

Die Einsamkeit übersetzte
Die Sprache deiner Abwesenheit
Unzählige Flügelschläge
Doch kein Schwarm weit und breit –
Schlägt dein Herz für viele
Und sagen mir die Flügel Bescheid?

Mein Platz in deiner Innenwelt
Nimmt äußerlich Gestalt
Ich verzichtete auf die Hülle
Nahm gefangen mir den Inhalt
Deine Schläge überzeugen mich
Du bist in meiner Gewalt.

– Che Chidi Chukwumerije 

BELOHNUNG

Es war schön, weil
Es ein Ende hatte –
Immer, wenn es mir schlecht
Geht, geht es mir
Am Besten. Das vergesse
Ich jedes Mal, bis der Schmerz
Die Tür der inneren Freude wieder
Auf reißt.

Ich habe alles verloren
Was ich einst besaß
Und das ist das
Was ich jetzt besitze.

Meine besten Freunde werden nie
Den Weg zu mir finden.
Meine tiefsten Schmerzen werden nie
Die passenden Worte finden.
Ich werde nochmals alles verlieren
Und das wird mein Geschenk sein
An Euch.

Die Dichtung lässt sich nicht gut verkaufen
Und doch rettet sie Seelen. Wo ist die Gerechtigkeit?
Wo ist der Ausgleich für den Dichter?
Es lohnt sich nicht, ein Gedicht zu schreiben
Du verblutest nur am Straßenrand
Die Welt spaziert einkaufend an Dir vorbei.
Selbst ist der Lohn.

– Che Chidi Chukwumerije.

UMLEITUNG

Als ich den Pfad
Entlang schlenderte
Tat mir jeder Baum weh
Den ich zum ersten
Und zum letzten Mal sah…

War alles doch nur ein Abstecher
Eine Umleitung
Auf dem Weg zum Altbekannten
Über Fremden
Über Abschiede.

– Che Chidi Chukwumerije.