Heute höre ich das Schweigen Warum ist das Schweigen so laut? Und warum hört es keiner? Das Schweigen, unauffällig Wenn Menschen auseinander fallen Bereits allein, und jetzt auch noch alleiner Alleiner ist stärker als mehr allein Das Mehr trügt, Wo das Wesentliche immer weniger wird. Das Schweigen breitet sich aus Von Mensch zu Mensch, Haus zu Haus Und wahre Gespräche werden weniger. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
schweigen
LAUT SCHWEIGEN
Irgendwann schweigt
sein lauter Augenblick,
der im Augenblick
noch lauter schweigt
als je zuvor.
Irgendwann
ist sein Schweigen kein Reden mehr,
nur noch ein Schweigen.
Und Du wirst es lauter hören
als sein lautestes Schweigen davor.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MANCHMAL LIEBER SCHWEIGEN
Ein Wort zu viel
wiegt weniger schwer
als ein Wort verschwiegen
und kann es nicht ausgleichen.
Die Berge schweigen laut
und lauter als die Nacht
und lauter als die Toten
und lauter als die Einsamkeit.
Nur die Reue schweigt lauter,
wenn es schon zu spät ist.
Und alles Schweigen der Welt
kann das gesprochene Wort nicht korrigieren.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SCHREIENDE GEDANKEN
Der Lärm der Gedanken ist lauter –
Warum schreien sie so laut?
Wissen sie nicht,
Gedanken gehen uns tief unter die Haut?
Denken sie, daß keiner sie hört?
Wer weniger laut schreien will,
muß endlich was sagen –
Laß es äußerlich raus, werde innerlich still.
Denn der Lärm der Gedanken ist lauter
als alles Gerede der Welt
Und am Lautesten wenn die Menschheit
In gehorsames Schweigen fällt.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
LAUTES SCHWEIGEN
Kann gerade nicht sprechen
Aber ich sehe Deine Nachrichten
Kann gerade nicht kämpfen
Aber ich kenne Deine Absichten
Kann gerade nicht lieben
Aber Du bist in allen meinen Geschichten
In allen meinen Erinnerungen
Und in allen meinen Gedichten.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
VERTRAULICHKEIT
Wenn wir nur reden könnten
mit Schweigen,
welch Gedanken würden wir nicht alle
zwischen uns
untereinander tauschen.
Alles, was wir mit Worten nicht sagen wollen,
weil wir so scheu und schüchtern sind,
würden wir in Gedanken teilen
und kein Mensch könnte uns verraten,
nicht mal wir uns selbst.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GETARNTE FEIGHEIT
Stimmen
Ich höre uns nicht
Ich höre unser Schweigen
Doch alle geben Beifall
denn unser Schweigen
haben wir mit Worten getarnt,
leeren Worten.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
STIMMEN AUS SCHWEIGEN
Videokonferenz. Stimmen.
Ich höre mich nicht.
Ich höre nur mein Schweigen, reichhaltig,
genau so laut.
Als die Konferenz plötzlich vorbei ist
und die Stimmen weg sind,
höre ich auf einmal meine Gedanken wieder
und mein Schweigen nicht mehr.
In den Stimmen
höre ich mein Schweigen.
In meinem Schweigen
höre ich die Stimmen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DAS WISSENDE SCHWEIGEN
Die Halle heißt Schweigen
Die Fenster sind lauter Augen
Alles, was wir verschweigen
Werden die Augen aufsaugen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EINSAME FREUNDE
So viele Menschen
So wenige Freunde
So viel Wasser
Überall Durst
So viele Worte
In so vielen Sprachen
So viel Schweigen
Und Einsamkeit
So viele Chats
So viele Gespräche
Alle verschweigen ihr Schweigen
Und neigen alle zur Einsamkeit.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
