ICH FOLGE DIR

Folge mir
Wir gehen auf einer Reise
in Dich hinein, aber langsam, allmählich,
mit einer Dir angepassten Geschwindigkeit.

Wir harren so lange
an den einzelnen,
geschlossenen,
Toren, bis sie aufgehen,
dann tauchen wir weiter
in Deine Tiefe – so lange,
bis Du aufhören willst.

Dann stoppen wir und
schauen um uns herum
und erfahren, ob Du Dich dort
Zuhause fühlst.

Nirgendwo ist tief genug oder zu tief –
überall gibt es Zugänge
zu neuen Kraftquellen. Und
ab der Ebene, auf der Du wieder
allein sein möchtest, in Dir,
kehre ich um und steige wieder aus
und Du kannst mit Deinen
neu erschlossenen Kraftquellen
dann machen, was Du willst.

Das ganze nennt man wahrscheinlich
“Coaching” auf Neudeutsch. Aber
das, was ich mit Dir machen werde,
ist ein bisschen anders und
auch viel mehr…
viel natürlicher… viel intuitiver…
viel persönlicher… echter,
schmerzvoller und schöner, und
vor allem… viel menschlicher.

Und am Ende wirst Du erkennen:
nicht ich habe Dich geführt,
sondern Du mich.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

HEIMATSUCHE

Afrika wandert aus
Die Welt marschiert ein
Bis Afrika wieder den Weg nach Haus
Gefunden hat, ist’s nicht mehr seins

Europa breitete sich kräftig
Über die ganze Welt aus
Nun betrachtet eben die ganze Welt
Europa als sein Haus

Es ist ein ständiges Geben
Nehmen und Entgegennehmen
Eine Neugestaltung der Zukunft
Folgt auf jedes Unternehmen

Obwohl Du O2 einatmest
Stößt Du CO2 hinaus
Der Mensch ist ein Weltenwanderer
Von der Welt verändert unterwegs nach Haus.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

WANDERLUST…

… in Familien hinaus, die obwohl kinderlos
Mehr Kinder haben und lieben
Als jeder Leib zur Welt tragen könnte –
Von der Selbstlosigkeit getrieben.

… in Gefängnisse hinein, wo Freigeister
Loyal und sich gegenseitig helfend
Zu einander stehen; und sie machen
Unter sich die höchsten Tugenden geltend.

… in Krankenhäuser und Altersheime hin,
Wo viel Leben, Jugend und Kindlichkeit
Sich nach einer zweiten Chance sehnen,
Auszuleben ihre Menschlichkeit.

… in die Ferne, nach Hause, zu Vornehm und Gering,
Und was hinten lag, lag auch stets Vorne
Nur in mir war es leer und lernend
Und aufnehmend – wie soll ich mich erforschen?

Wanderlust. Rastlos und unruhig.
Bewegung macht mich ruhig und still
Die Welt belehrt mich mit tausend Geschichten
Aber ich weiß noch nicht, was ich wirklich will.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

DISTANZ

Ich will Dein Inneres
Doch wo ist der Eingang?
Nicht jede Öffnung
Führt zurück zu Deinem Anfang

Weltenwanderer Ich
Ich hab Dich ganz durchwandert
Doch Deine intimste Heimat
Blieb mir stets zugemauert

Ich sehne mich innigst
Nach tiefem Zuhause-sein
Ein Stück dessen brennt
In Deinem innersten Kämmerlein

Doch so oft ging ich rastlos
In Dich ein und aus
Und dennoch bin ich immer noch
Einsam unterwegs nach Haus.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

ANTWORT SUCHT FRAGE

Wie geht es Dir?
Ist die Frage, die ich am wenigsten
Beantworten kann.

Wie läuft Dein Tag?
Ist eine andere Art, zu sagen
Ich denke an Dich.

Liebst Du mich?
Ist die traurigste Aussage, die ein Mensch
Über sich tätigen kann.

Darf ich Dir helfen?
Ist die intimste Annäherung überhaupt Vom Mensch zum Mensch.

Der Tag neigt dem Abend
Der Abend der Nacht
Die Nacht dem Morgen
An dem alles wieder erwacht

Und das größte Fragezeichen
Der Menschengeist –
Wird er die Antwort erkennen
Die ihn umkreist?

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

GRENZSTEIN

Der Mensch, der Weltenwanderer
Hat auf seiner Expansionsreise
Sich vorgedrängt bis zur Grenze
Seiner widersprüchlichen Denkungsweise…
Weiß nicht weiter.

Zurück oder weiter?
Wo endet das eigene, beginnt das fremde?
Was darf man nehmen, darf man lassen?
Wie sehen Feinde aus, wie Freunde?
Was bestimmt Massen, Klassen, lieben, hassen?

Welche Grenze liegt noch unerforscht?
Denn alle erkennbaren haben wir bereits
Mehrmals erreicht, durchbrochen, überquert
Doch unbefriedigt brennt der geistige Lichtreiz –
Wir wollen weiter!

Che Chidi Chukwumerije
2019: Jahr der deutschen Dichtung

FLÜCHTLINGE

Die Gegenwart ist auf der Flucht
Vor der Vergangenheit weit geschwommen
Und findet, egal wie hart so sucht,
Keine Gelegenheit sie zu entkommen.

Kein Geschehen ist Boot genug
Keine Gegenwart ein sicheres Meet
Der Getriebene schleppt mit sich im Zug
Seine Herkunft in die Zukunft mit hinterher.

Die Zukunft! Schimmernd in der Ferne
Trügerisches, höhnendes, herzloses Horizont
Man möchte dem Suchenden zurufen, “Lerne
Erkennen: Dein Leben selbst ist die Front!”

Dein Heute ist die zu häutende Haut
Wenn das Leben Dich haut, Deine dicke Haut
Lässt nur das durch bis unter die Haut
Unter dessen Wirkung Deine Mitwirkung auftaut…

Mitwirken beim eigenen Neuwerden
Beim Versöhnen Deiner alten mit Deiner neuen Welt
Beim gemeinsamen Streben aller Sucher auf Erden
Nach einer Zukunft, die sich friedvoller entwickelt.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Jahr der deutschen Dichtung

HEIMATLOS

Wo hast Du die Verbindung zu Dir verloren?
Gefühlt warst Du noch gar nicht geboren
Am Anfang war es Dir nicht bewußt
Jetzt suchst Du nach dem Moment des Verlusts
Dieser Empfindung des Zuhause-Seins
Weder Deins noch seins noch meins ist meins
Und Du sitzst lang vor diesem Wort heimatlos
Und verlässt irgendwann wieder den Ort wortlos.

– Che Chidi Chukwumerije.

DENN DU BIST NICHT ALLEIN AUF DEINER REISE

Weltenwanderer, Mensch
Getrieben durch sich selbst
Aus sich selbst heraus
Bis unter die Haut –

Ruhelos, ewiger Sucher
Seiner eigenen Seele treuester Besucher
Der Mensch bereist die Welt
Auf der Suche nach sich selbst

Das, was er am meisten braucht
Einen Begleiter, der mit ihm nach Vorne schaut
Der mit ihm die Reise teilt
Seine Sorgen kennt, seine Wunden heilt

Bis er irgendwann sein Ziel erreicht
Und Abschied nehmend wehmütig begreift
Die Reise selbst war ein Weilen
am magischen Ort,
Der nun scheidende Begleiter
ein Freund treuester Sorte.

– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung.

FLEDERMAUS

Egal, was Du jetzt sagst
Du wirst es bereuen
Drum sag es geradeheraus
Die Reue wird Dich befreien

Wir befinden uns im Blindflug
Die Empfindung navigiert
Ein Augenblick der Zögerung
Und schnell bist Du verführt

Doch alles was Du sendest
Kehrt postwendend zurück
Deinen Kurs korrigierend –
Keinen Zufall bei Pech und Glück

Mir fehlt sehr oft die Klarheit
Die Antworten habe ich nicht
Doch selbst im tiefsten Nachtflug
Spüre ich stark das Licht.

– Che Chidi Chukwumerije.

Mein Jahr der deutschen Dichtung
Ganz nebenbei, falls es jemanden interessiert oder einer sich fragt, was ich da so tue: Ich werde dieses Jahr täglich auf Deutsch dichten und auch posten in meinem Blog http://www.chechidi.me und auf Facebook und an anderen Stellen vielleicht auch. Wer will, darf gerne kommentieren, bewerten, sogar Wünsche äußern. Der Grund, warum ich das tue, ist ganz einfach. Es fließt gerade.
– Che