DER INNERE NAVIGATOR

In der Landschaft meiner Gedanken
fliege ich, ein Flugzeug,
und ich fliege durch sie hindurch

Denn ich muß tausend Gedanken ignorieren
um den einen zu finden,
der mich unaufhörlich ruft

Ich sehe Euch alle
und ich liebe Euch alle
dennoch muss ich Euch alle verlassen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GEDANKENFLÜSSE

Azurwiesen
Smaragdhimmel
Immermeere
Gedankenflüsse
Wiedergeburtstage
Erinnerungsbrisen

„Ist alles gut bei Dir?“
„Ja, ich warte auf
den Schluß – und
Abschluß – und
Verschluß – und
Entschluß… des Gedichtes.“

Aber vielleicht war das schon –
Wie das Ende einer Beziehung
Das Absterben einer Freundschaft
Das nächste Kapitel in Deinem Leben –
Schon längst da
Nur weißt Du es noch nicht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WIE VIELE MEILEN ZUR OASE?

Wie viele Meilen bis zur Oase?
Ich renne und brenne und trenne
mich immer noch nicht von der Wüste.
Wie viele Wellen bis zur Ekstase?
Ich reite und gleite und verbreite
Wonne ungenügend für meine Gelüste.
Wie viele Zeilen bis zur letzten Phrase?
Ich schreibe und treibe und bleibe
auf der Seite, wo ich die Liebe küsste.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DER FINDENDE SUCHENDE

Nur der findet, der sucht.

Wer dagegen aufgehört hat, bewusst oder unbewusst zu suchen, der findet nur das leicht Findbare, mehr nicht. Das allerdings, was nur der Strahl der Sehnsucht des Suchenden sichtbar machen kann, bleibt ihm verschlossen.

Deshalb bezeichne ich mich gerne lieber als Suchenden, egal wie viel ich täglich finde; als Lernenden, egal wie viel ich bereits zu wissen meine. Denn dadurch bin ich immer am sonst Unfindbaren Finden. Und egal wie groß das ist, was ich heute finde, morgen wartet was Größeres auf den sehnenden Strahl des Suchenden.

Der Suchende ist offen, der Findende ist geschlossen. Der Findende nimmt; der Suchende empfängt. Beides ist gut, glaube ich, je nach Situation. Doch die Grundlage des Findens, des Findens des Außergewöhnlichen, bleibt ewig das innig sehnende Suchen. Und die Grundlage dieses Suchens ist umgekehrt das Finden. Vor allem das Finden, des Herausfinden, das Entdecken, das Empfangen der Tatsache, daß der Mensch nichts weiß. Je mehr man findet, desto mehr findet man, daß es immer mehr gibt, zu finden.

Das noch nicht Gefundene ist immer mehr als das bereits Gefundene. Diese Erkenntnis ist die Geburtsstunde des wahren Suchers – des Suchenden. Diese Erkenntnis ist der Anfang des Erahnens Dessen, Was GOTT ist. Das Ewig-Unendliche. Das Ewig-Unausschöpfbare. Das Ewig-Unveränderliche. Das Ewig-Unerreichbare. Das Ewig-Ist-Seiende. Das, die Verbindung zu dem die ewige Sehnsucht des Suchenden ist.

Und wer ernsthaft sucht, der findet andauernd.

Che Chidi Chukwumerije

ICH FOLGE DIR

Folge mir
Wir gehen auf einer Reise
in Dich hinein, aber langsam, allmählich,
mit einer Dir angepassten Geschwindigkeit.

Wir harren so lange
an den einzelnen,
geschlossenen,
Toren, bis sie aufgehen,
dann tauchen wir weiter
in Deine Tiefe – so lange,
bis Du aufhören willst.

Dann stoppen wir und
schauen um uns herum
und erfahren, ob Du Dich dort
Zuhause fühlst.

Nirgendwo ist tief genug oder zu tief –
überall gibt es Zugänge
zu neuen Kraftquellen. Und
ab der Ebene, auf der Du wieder
allein sein möchtest, in Dir,
kehre ich um und steige wieder aus
und Du kannst mit Deinen
neu erschlossenen Kraftquellen
dann machen, was Du willst.

Das ganze nennt man wahrscheinlich
“Coaching” auf Neudeutsch. Aber
das, was ich mit Dir machen werde,
ist ein bisschen anders und
auch viel mehr…
viel natürlicher… viel intuitiver…
viel persönlicher… echter,
schmerzvoller und schöner, und
vor allem… viel menschlicher.

Und am Ende wirst Du erkennen:
nicht ich habe Dich geführt,
sondern Du mich.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

HEIMATSUCHE

Afrika wandert aus
Die Welt marschiert ein
Bis Afrika wieder den Weg nach Haus
Gefunden hat, ist’s nicht mehr seins

Europa breitete sich kräftig
Über die ganze Welt aus
Nun betrachtet eben die ganze Welt
Europa als sein Haus

Es ist ein ständiges Geben
Nehmen und Entgegennehmen
Eine Neugestaltung der Zukunft
Folgt auf jedes Unternehmen

Obwohl Du O2 einatmest
Stößt Du CO2 hinaus
Der Mensch ist ein Weltenwanderer
Von der Welt verändert unterwegs nach Haus.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

WANDERLUST…

… in Familien hinaus, die obwohl kinderlos
Mehr Kinder haben und lieben
Als jeder Leib zur Welt tragen könnte –
Von der Selbstlosigkeit getrieben.

… in Gefängnisse hinein, wo Freigeister
Loyal und sich gegenseitig helfend
Zu einander stehen; und sie machen
Unter sich die höchsten Tugenden geltend.

… in Krankenhäuser und Altersheime hin,
Wo viel Leben, Jugend und Kindlichkeit
Sich nach einer zweiten Chance sehnen,
Auszuleben ihre Menschlichkeit.

… in die Ferne, nach Hause, zu Vornehm und Gering,
Und was hinten lag, lag auch stets Vorne
Nur in mir war es leer und lernend
Und aufnehmend – wie soll ich mich erforschen?

Wanderlust. Rastlos und unruhig.
Bewegung macht mich ruhig und still
Die Welt belehrt mich mit tausend Geschichten
Aber ich weiß noch nicht, was ich wirklich will.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung