Der Tag war heute kein Tag Er war eine Nacht, die im Zeichen des Erlebens meiner Träume lag Die Nacht ist heute keine Nacht Sie ist ein Tag, der über das Entstehen neuer Träume treu wacht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Träume
MITFLIEGENDE WURZELN
Das Flugzeug ist voller Wurzeln, die bis zum Boden - fast - reichen. Die sitzen fest angeschnallt sehnen sich nach der Landung. Ihre Geschichten, ihre Schicksale, wie Schleifen, hängen außen vom Flugzeugrumpf herunter, sichtbar nur dem Hellseher, dem Fantasieregen und dem Dichter, fliegen im Wind, mitgezerrt, flatternd hinten wie hundert Schwänze. Sie sind die Wurzeln der Reisenden und sehnen sich ebenso nach dem Boden, nach Erdung. Sanft war die Landung. Die Menschen setzen Fuß auf festen Boden. Ihre Wurzeln bohren sich wieder in die Erde. Nur ihre Träume und ihre Wünsche, diese fliegen weiter. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DAS ANDERE UFER
Silbrig wie ein Spiegel
lag und lauschte der Fluß da
regungslos wie ein unerfüllter Traum
verschwand er in die Ferne
und war immer noch da
Eine Nebelwolke schwamm über das Wasser
wie eine Armee von Laufboten
nur verstand ich ihr Geflüster nicht
bis sie seufzend sich löste und ich sah
auf dem anderen Ufer mein zweites Ich.
Ich sprach zu mir
doch ich hörte mich nicht
von der anderen Seite des Flusses –
Wir starrten uns wortlos an, ich und ich,
getrennt durch unerfüllte Träume.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE WANDLUNG
Welk hängen die letzten Gedanken der Bäume
wie vergilbten Blätter voller alten Gedichte
gesungen in Liebe einst
an reif gewordene Triebe.
Manche Bäume sind bereits gelb
Ich habe den Wandel nicht gemerkt
Manche Träume freuen sich auf den Herbst
Manche sind am Sommer hängen geblieben.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
TEURE ZEIT
Da ist viel mehr Zeit innerhalb eines Tages,
als wir vermuten.
Zeit genug, um mehr zu erfüllen, als wir oft versuchen.
Zeit genug, um alle zu lieben, die wir lieben wollen.
Doch nicht Zeit genug, falsch zu gehen und wieder zurück zu kehren.
Dafür musst Du nach einmal leben.
Drum: widme Dich heute allem,
was Dir lieb und teuer ist.
Zeit für mehr hast Du nicht.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ZUR RUHE KOMMEN
Es ist interessant
Zu beobachten
Wie sich meine Träume im
Wahrsten Sinne des Wortes
Entfernen…
Und nach dem Zusammensturz aller
Hoffnungen, schloß ich die Augen
In der Erwartung in mir die
Leere zu finden,
Doch siehe: ich war noch voller
Als je zuvor. Und wunschlos
Glücklich.
– Che Chidi Chukwumerije.
FERNERHIN
Flashback: Auszug aus meinem Interview zum lyrischen Mittwoch 15.
– 10. Juli, 2013), vor 3 Jahren.
Ich sehe in der Ferne
Eine Linie grüner Bäume
Am anderen Ufer
Einen unklaren Umriss
Nebelumgeben
Eine sagenumwobene ferne Zeit
In der Vergangenheit oder in der Zukunft
Aber nicht in der Gegenwart
Gegenwart ist dieser Tisch
Gegenwart ist das vorbeiziehende Kanu
Gegenwart ist die Lagune, das Ufergras, meine Sehnsucht
Ich kann sie alle tasten, schmecken
Und verstehen
Doch die grünen Träume dort in der Ferne
Sind ungewiss –
Sie sind das Schlummernde in mir…
– Che Chidi Chukwumerije.
Interview zum lyrischen Mittwoch 15.
– beim Sebastian Schmidt von Textbasis.
