Und ich hauchte Dir mein Totem ein
Und es war ein Pfahl
Und ich weichte ihn in Deinen Boden ein
Und Du lindertest meine Qual.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Und ich hauchte Dir mein Totem ein
Und es war ein Pfahl
Und ich weichte ihn in Deinen Boden ein
Und Du lindertest meine Qual.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Ich war, als ich Zuhause war,
ein Fremder –
Ich bin, jetzt wo ich ein Fremder
in der Fremde bin,
Zuhause.
Ich bin, jetzt wo ich Zuhause bin,
ein Fremder wieder.
Ich sehne mich wieder nach Hause,
in der Fremde…
denn ich bin fremd geworden.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Deine Brust
Gib mir Deine Brust
Ich schreibe drauf meine Frust
Dann kannst Du ohne Worte lesen
was Du eh schon instinktiv gewusst
wie meine Gefühle, wild gewesen,
sich nun stillen müssen an Deiner Lust.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Dich gehen lassen
und hinterher trösten
oder
Dich vorher warnen
und hinterher bestrafen
?
Denn ich höre
wie der unruhige Wald
pausenlos
Dich innig ruft:
Kommst Du bald
?
Seine Augen sind
tags dunkel, nachts hell
Sag: Wie
lange noch kannst Du Dich
widersetzen seinem Befehl
?
– Che Chidi Chukwumerije (07.02.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Ich hatte Lust auf sie
Habe unterschätzt nicht sie
Sondern die Macht unserer Chemie
Bis ich ihr machtlos erliegen war
Nicht ihr, sondern der Chemie
Und fort an, überall, suchte ich sie
Nicht sie, sondern diese magische Chemie
Die nie wieder zu finden war
Denn 16 ist man nur einmal
Und es war schon einmal.
– Che Chidi Chukwumerije
2019: Jahr der deutschen Dichtung
In eine Person langsam, allmählich
Hinein zu gelangen, vorsichtig, umsichtig
Neugierig, doch ohne Hast, uneilig
Immer nah zu sein, wenn sie ein Blatt wendet
Ruhig lesen, aufnehmen, auf mich wirken
In mir arbeiten lassen, die Distanz zwischen uns
Kleinschrittweise schließend, unmerklich
Unaufgeregt, als wäre nichts, und bis ich endlich
Sie ganz vorbereitet habe für den Gnadenschuss
Ist das Leben schon vorbei, es folgt der Abschiedsgruss
Und der Schmerz über den nie geteilten Kuss.
– Che Chidi Chukwumerije.
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung.
Morgen schreibe ich Dir ein helles Gedicht
Denn Deine wolkigen Augen schreien nach Licht
Doch Herzen brechen ist wohl des Dichters Pflicht
Und heute Nacht bist Du dran
Gnadenlos und hungrig, ein harter Bösewicht
Dürstig und dürftig, bis Dein Herz zerbricht
Dringe ich immer tiefer ein in Deine intimste Einsicht
Bis ich Dein Wissen hab aufgetan
Ich will Dich enttarnen Schicht für Schicht
Will wissen, was Du weißt und ich noch nicht
Will Welt und Schmerzen und Sehnsucht sehen aus Deiner Sicht
Denn die Frau führt den Mann
Und verzehrt ihn langsam wie das letzte Gericht
Und zerdrückt ihn innigst mit ihrer Empfindung Gewicht
Und entlockt ihm morgen ein helles Gedicht
Und verschluckt ihn irgendwann.
– Che Chidi Chukwumerije.
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

Guter Rat ist teuer
Gütige Tat noch scheuer
Als ein scheues Reh
Die Welt, sie tut weh
Wessen Selbst ist selbstlos?
So klein und doch eben so groß
Geben ohne verlangen
Sagt man, ist empfangen
Spürt man irgendwie aber auch
Unerklärliches Wissen im Bauch
Haben ist ein Gewicht
Es sei, man habe Licht
Und dann so ein Tag
Wie heute, über dem es lag
Durch Hoffnung befreit
Der Drang nach Menschlichkeit.
– Che Chidi Chukwumerije.