DER WEITERWANDERER

Ich verlasse die eine Stadt
Wie ein Gedanke ein Gedächtnis verlässt
Keiner wird sich an mich erinnern
Ich wurde nie verinnerlicht
Dieser dumpfe stumpfe Schmerz in meiner Brust
Tut nicht einmal weh.

Als ich in die nächste Stadt eindringe
Wächst der Widerstand am Herzensrand
Ich bin ein Einwanderer
Aber die Stadt ist ein Eindringling
Ich werde sie weiterwandernd wieder verlassen
Doch sie wird mich nie wieder los lassen.

Dieser dumpfe stumpfe Schmerz in meiner Brust
Tut nicht einmal weh.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FORTFÜHREND

Als mein Bruder
Im Autounfall starb
Quälte mich der Gedanke
Nach seinem letzten bewussten Gedanken.
An was, an wen, woran, hat er zum Schluß gedacht?
Denn er war noch bei Bewusstsein
Als man ihn vom Wrack löste
Und in den Krankenwagen legte
Doch bis sie im Krankenhaus endlich ankamen
War er bereits abgeschieden, und fort.

Es gibt Tage, an denen ich erlebe
Daß die Zeit wirklich still steht
Doch der Mensch, der stets erlebt
Der ist’s, der seine Wege geht.

– Che Chidi Chukwumerije.