DIE EMPFINDUNG SCHWEIGT NIE

Schweigen tötet
Es ist das unerträgliche Gewicht.
Brich Dein Schweigen
bevor Dich Dein Schweigen bricht.

Schweigen brechen tötet
Wer hat das noch nicht erfahren?
Wahre Dein Schweigen
und es wird Dich auch bewahren.

Und wenn Du unsicher bist,
hör auf Deine Empfindung.
Und wenn Du sicher bist,
hör auch auf Deine Empfindung.

Che Chidi Chukwumerije
 Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MINORITÄTEN

Jede Gesellschaft hat einen Saum,
einen Rand an seinem Außenraum,
weder Abschaum noch nur Schaum;
ein festes Glied, aber klein. Ein Daumen.

Ein Schweigen mit feinem Gaumen.
Alles sehend, alles riechend, alles hörend
Alles meidend, und ergänzend, und störend
Von allem ausgeschlossen, zu allem dazugehörend.

Eine Anklage gegen das Weltgewissen
Eine Infragestellung unseres Begriffs von Wissen:
Warum ist jede Gesellschaft hin- und hergerissen
Zwischen Toleranz und Haß?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MITEINANDER

Ich bin Fremder in Deutschland
Und bekomme es zu spüren
Weniger ist mehr

Doch die Da-zugehörigkeit
Sie überwiegt
Siegt.

Nie sah ich die Menschheit
Einig unter sich
Und man sagt, ich habe schon mehrmals gelebt
Seit Urzeiten mal hier
Mal dort
In vielen Menschenherzen, ewige Kultur

Immer gab es einen Grund,
Zwiezuspalten
Und das Miteinander immer wieder
Neu zu gestalten.

– Che Chidi Chukwumerije.

MEINE GÜTE

Des Messers Klinge, heiß, scharf, zweiseitig
Ich komme nicht zur Ruhe – oder nur einseitig
Wie helfe ich am Besten dem Hilfsbedürftigen?
Ihn von seinem Leid erlösen, vielleicht ungereift?
Oder ihn leiden lassen, auf daß sein Leid ihn reift?

Meine linke Hand streitet sich mit meiner rechten Hand
Heißt ein Naturgesetz zu gehorchen
Ein anderes zu brechen?
Gewissen, Vernunft, Empfindung, Gefühl, Verstand
Wie kann man dem Gesetz gehorchen
Ohne das Herz zu brechen?

– Che Chidi Chukwumerije.