Der Zug fährt ab und fernab der Gegenwart kommt er im selben Moment an. Alles ist immer Gegenwart. Herzen berühren ist schön Herzen brechen ist schön Herzen begegnen ist schön Herzen verlassen ist schön Nur, mach es in der Gegenwart Heb es nicht für morgen auf - Ein Tag ohne Schönheit ist ein Tag vertan Ob Schmerz, ob Genuss, ob Freude, ob Verlust, es ist alles schön wenn der Geist daran wächst. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
der Emotionen und Gefühle
ES GIBT EINEN FRIEDEN
Es gibt einen Frieden Der ist schwer zu beschreiben Denn Beschreibungen richten sich an den Kopf Doch dieser Frieden findet im Herzen statt. Es gibt einen Unfrieden Der ist schwer zu vertreiben Denn der Kopf ist der Deckel, das Herz der Topf In dem der Unfrieden seinen Sitz gefunden hat. Nichts stört mehr den Frieden Als ein Schwarzer, der sich weigert zu unterschreiben Er stellt die Welt auf den Kopf Denn er reklamiert die Normalität für sich als Heimat. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NICHT ANNÄHERND NAH
Annäherung ist eine Form der Distanzierung. Nichts entfernt sich schneller von einander als nicht zueinander Passendes, das sich zueinander findet und herausfindet, daß sie nichts Bleibendes verbindet. Eine letztmalige Annäherung ist allzuoft die Vorstufe einer endgültigen Trennung. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NACKTE AUGEN
Manchmal, nach dem ich in nackte Augen geschaut habe, wünsche ich, ich hätte es nicht getan, denn dieses Saugen, Aufsaugen in die raue Emotionen dahinter ist wie eine Kette, die mich an urtiefe Abgründe bindet, wo der wahre Mensch sich wiederfindet. Wo der Mutige seine Ängste überwindet. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DES GEISTES ELIXIER
Schönheit. Wenn ich satt bin und doch nicht satt, Wenn ich voll bin und mich leer fühle, Wenn trotz Befriedigung meiner Gefühle Meine Empfindung Unzufriedenheit hat, Dann weiß ich, daß ich tief in mir nach Nahrung, nach des Geistes Elixier mich sehne, dürste, hungere, verlange, wo ich Licht empfange und mich fange: Schönheit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EIN NACHDENKLICHER TAG
Der Tag hat die Konsistenz eines angenehmen Greisen heute - Eines dieser Menschen, entspannt, denen weder Traurigkeit noch Freude ihr lebenslang gewonnenes Gleichgewicht rauben können, noch ihre konstante Wachsamkeit. Hinter den Häusern stehen Lauben, manche offen, manche zu, wie die Einsamkeit der Menschen, nicht jeder braucht, nicht jeder will die Zweisamkeit haben. Manchen wollen alleine sein, ruhiges Gesicht zur milden Sonne gedreht an leisen Tagen wie diesem mit der Konsistenz zart nachdenklicher Existenz. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
OHNE WORTE
Warum schweigen wir, wenn unsere Herzen voll sind? Und reden immer mehr je leerer wir werden und blind? Worte waren von jeher ungenau, unzulänglich, schwach, nie genug. Doch das Gespür trifft es in der Empfindung einfach. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NACHWIRKUNG
Es gibt diesen Schmerz. Wenn Du gehen musst und der Abschied ohne Herz erfolgt, weil der Frust schon vorher gründlich abgelebt und abgelegt wurde, zumindest mündlich. Jetzt gehst Du, unaufgeregt, auf jeden Fall äußerlich, und nach dem Du weg bist, wunderst Du schweigend Dich, was dieser dumpfe Schmerz ist, der in Dir teilnahmslos sitzt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
IMMER WEITER
Sie war die Anomalie Die sich selbst nicht begriff. Egal wie nah sie Anderen kam, wie ein Schiff Ohne Anker an einem Hafen ohne Landungssteg Gab’s Verbindung mit Keinem Und sie trieb wieder weiter weg. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WARUM ICH SCHWEIGE
Warum ich schweige, mich zur Stille neige: Weil jedes Wort Verrat wär an das Beste in mir - Weil jedes Wort Verrat wär an das Echte in mir. Ich würde so gerne ganz in die Ferne, Starrem mich entziehen - innerlich, meine ich - mich zurück ziehen. Schweige ich, weine ich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
