Dieser Moment danach - Alles Anfassbare angefasst Gegenseitig Und sich immer noch nicht berührt Oder gerührt Innenseitig - Gegenwärtig bleibt die seltsame Distanz Alles Fassbare noch nicht erfasst - - Nur Leere, All-Einsamkeit Unterschwellig. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
der Emotionen und Gefühle
DER WINTER KOMMT
Der Donner ist stumm wenn er kommt Er schreit innerlich, schweigt winterlich Der Gedanke blitzt rauf und runter Der rauher Wind gähnt, kühl, und erwähnt Eine lose Stimme im Herzen jault es auch Geräuschlos hat sich die Welt verändert Der Herbst zieht sie aus, der Winter kommt Langsam. Alles braucht seine Zeit - Blumen, Liebe, Wunden und die kalte Jahreszeit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER FRÜHLING UND DER SPÄTLING
Der Frühling und der Spätling, so wird ihnen oft berichtet, sehen und fühlen sich ähnlich - einer singt, was der andere dichtet. Wo unterscheidet sich Gestalt vom Inhalt? Der eine spiegelt, was der andere malt. Das Herz bleibt gleich, ob jung oder alt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MEINS
Ich schweige Jedes Mal Wenn ich zum Schrift greife Oder was denkt Ihr denn? Ich zeig Euch mein Herz? Einfach so? Wenn ich es Euch zeige würde Was hätte ich dann noch übrig Für mich? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
HAMBURG
Von oben zeigst Du mir Deine Wunden sie sind dem kalten Regen zugewandt und offen für spontane Tränen. Die in Deinen Adern wandeln: Ihre Sehnsucht ist Dein Blut, ausgegossen wie die Elbe zum See unserer Sehnen Ohne Hafen. Wozu bräuchten wir Hafen? Wir sind selbst der Hafen. Neugier ist unsere Währung, mit der wir alles zähmen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ZUKUNFT TEILEN
Die Sammelbeschwerde gebleichter Knochen schreiend im Leib der Erde warnend ununterbrochen… stumm ungehört, ungeachtet ein Schweigen mit Gewicht ideologisch ausgeschlachtet Totenköpfe grinsen nicht Nie gelänge es einer Religion diese kleine Welt zu regieren - Freier Wille bedeutet Rebellion Wann werden sie es kapieren? Leben und leben lassen Vergangenheit und Zukunft teilen Knochen können nicht mehr hassen, verkalkte Reue, unfähig zu heilen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SOLLEN WIR
Sollen wir uns sollen, wollen wir uns wollen, können wir uns können? Wenn das Ziehen uns gegenseitig zieht, wenn das Sehen uns gegenseitig sieht, wenn die Ruhe uns gleichzeitig entflieht, mögen wir uns mögen? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
PERSPEKTIVE WECHSELN
Die Größe des Geistes zeigt sich darin, Gleichart im Menschsein erkennen zu können. Auch wenn im Moment anscheinend Wahnsinn herrscht, diesen Gedanken werd ich mir gönnen: Perspektive wechseln, es gibt auch Gewinn im Schmerz, dem fast bodenlosen Brunnen, aus dem wir schöpfen neuen Lebenssinn. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WIE LANGE EINE WUNDE BRAUCHT
Jedes Mal vergesse ich, wie lang eine Wunde braucht um zu heilen. Dann wird wieder eine neue Wunde in meine Seele gepflanzt - klein am Anfang, dann fängt sie an, sich zu teilen, zu vermehren von Stunde zu Stunde Über Tage, Wochen, Monate, Jahre wächst sie wie eine Pflanze. Wunden blühen bis irgendwann die Früchte fallen… Erst dann beginnt die Heilung, die wahre. Bis dann werde ich mich bemühen, Dir zu verzeihen, mich mir wieder zu gefallen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NGODO
Ich erinnere mich daran Wie lebendig die Nacht war Je dunkler sie wurde Das Dorf war ein tausend Geister Mein Vater war ihr Meister in meiner Fantasie Meine Mutter ihre Seele Sie sprachen mit mir ununterbrochen Du bist ein atmendes Wesen, sagte ich zu der Nacht, Aber da ich noch ein Kind war, sagte ich es nicht, Ich wusste es einfach Wir unterhielten uns bis die Sonne aufging Bis das Dorf ihrer Magie ein Gesicht wieder gab Und ich wusste, ich wohne in der Stadt, in Lagos, Aber nur hier, in diesem Dorf, Ngodo, Bin ich Zuhause. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
