SCHÖPFEN

Durch Dich dämmert es mir
Was das ist – Weiblichkeit.
Ich schöpfe und schöpfe aus Dir
Wie aus einer Quelle zur Unendlichkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

LIEBESKRANK

Für eine Ohrfeige
Schenkt sie Dir ein dunkles Grinsen
Daß Dich erschreckt und befriedigt
Denn Du merkst, sie ist krank
Krank vor Liebe
Krank ohne Liebe

Und Du weißt nicht,
Welchem Teil von Dir Du gehorchen sollst:
Dem Biest oder dem Engel
Dem Feigling oder dem Ritter.
Denn Du möchtest sie töten
Und Du möchtest sie retten.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

PHÖNIX

Wir brennen mit Liebe
brennen den Wald nieder
wir sind Mensch, ein Phönix
der seine Auferstehung immer wieder
in Liebe sehnend sucht

Jedes Mal, wenn ich dich streichle
ist es erneut Streichholz
ich sehe die Erinnerung in deinen Augen
denn ich zündete deinen Stolz an
du branntest und er schmolz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

FELS AUS PELZ

Der Pelz weinrot
weichmachend weich
Meine Hand reist langsam
Oberfläche gegen Oberfläche
über Hügel und Tal und Hügel, klettert
und rutscht über zwei spitze Gipfel
hartmachend hart.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WALDWEGE IN DIR

Und ich nahm den weniger genommenen Pfad
doch kam ich nicht so weit wie auf der Geraden
denn Du schrecktest auf – und das war … schade.
Erschrocken machtest Du Dich wieder zu –
Jetzt sitzt Du wieder auf dem Grad.

Doch, warst Du erschrocken oder nur überrascht?
Wie viele Fremde haben an Deinen Waldblüten je genascht?
Deine Geheimnisse schonmal plötzlich erhascht?
Machst Du Dich dann immer erschrocken zu?
Oder war ich Dein erster derart intimer Gast?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

STILLEN

Deine Brust
Gib mir Deine Brust
Ich schreibe drauf meine Frust
Dann kannst Du ohne Worte lesen
was Du eh schon instinktiv gewusst
wie meine Gefühle, wild gewesen,
sich nun stillen müssen an Deiner Lust.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

LEBEN OHNE LEBEN

Steige in mich ein
oh Leben, denn
der Tod hat mich allein
gelassen.

Wie soll ich die Jahre
der Leere füllen
bis ich endlich hinüberfahre
ins Jenseits des Todes?

Tausendjahrelange Tage
sind ohne tausend Empfindungen
pro Sekunde nicht in der Lage
erfüllt zu werden.

Drum. Steige in mich ein
oh Leben, denn
der Tod hat mich allein
und arbeitslos gelassen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

BEFEHL

Dich gehen lassen
und hinterher trösten
oder
Dich vorher warnen
und hinterher bestrafen
?

Denn ich höre
wie der unruhige Wald
pausenlos
Dich innig ruft:
Kommst Du bald
?

Seine Augen sind
tags dunkel, nachts hell
Sag: Wie
lange noch kannst Du Dich
widersetzen seinem Befehl
?

Che Chidi Chukwumerije (07.02.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SIE ERTRINKT UND KÄMPFT

Sie war auf der Suche
nach der großen Liebe
Am Ende sitzt sie in mitten
einer großen Familie … alleinerziehend

Vier Kinder sitzen
wie die tiefen Narben ihrer Sehnsucht
auf ihrem Gewissen Tag und Nacht
Eine nimmer endende To-do-Liste…
sich zäh in die Länge ziehend.

Und immer noch schwankt sie täglich
zwischen
Ich habe mein Leben verschwendet
und
Er wird zu mir zurück kehren.
Die Hoffnung, ach, ewig anziehend.

Che Chidi Chukwumerije (05.02.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

UNRUHE

Der Wille der Brille
zum Sehen ist leer
egal wie kristallklar
ihr Glas ohne den offenen Blick
Deiner sehnenden Augen.

Der Wille der Stille
zum Vermitteln ist wirkungslos
egal wie leise und regungslos
ihr Augenblick ohne die Sehnsucht
Deines offenen Geistes.

Die Hülle der Idylle
brennt mich, denn Leidenschaft
wohnt in mir, ist aber nicht sesshaft
in mir. Unruhe. Inhalt drängt zur
Gestalt. Gestalt dürstet nach Inhalt.

Che Chidi Chukwumerije (01.02.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung